Kreis Germersheim Säckeweise Müll gesammelt
Kreis Germersheim: Zweiter Anlauf für die Aktion „Saubere Landschaft“. Nach der schneebedingten Absage vor einer Woche legten die ersten Ortsgemeinden dafür dieses Wochenende los. Über 30 freiwillige Helfer waren zum Beispiel in Schaidt unterwegs, über 50 in Schwegenheim.
Einsam und bedächtig zieht Karl-Heinz Hendler in Schaidt an der Kreisstraße Richtung Freckenfeld mit Greifer und blauem Sack seines Wegs. Es hat leicht zu regnen begonnen, was seine gute Laune nicht stört: „Gorbatschow führt vor Zigarettenschachteln – die Pappkaffeebecher holen dieses Jahr allerdings auf“, meldet er heiter einen Zwischenstand. Zwei große Säcke wird er am Ende seiner Strecke sorgsam aufgelesen und entsorgt haben. „Das ist halt der Durchgangsverkehr. Die Schaidter haben ja alle zuhause einen Mülleimer stehen“, vermutet er Verursacher von außerhalb. Das gerade hinsichtlich einer stattlichen Anzahl leerer Wodkaflaschen, die er schon gefunden hat. „Ich hoffe, die Lasterfahrer trinken den erst, wenn sie nicht mehr fahren müssen.“ Dafür, dass Schaidt auch abseits der jährlichen Umwelttage ein sauberer Ort ist, sorgen Mitarbeiter vom Bauhof wie Axel Findeisen: „Wir putzen das ganze Jahr, also muss es sauber sein!“, sagt er strahlend und stellt fest, „das ist ein nettes Dorf“. Auch Ortsvorsteher Kurt Geörger ist mit der Sauberkeit im Ort „im großen und ganzen zufrieden“. Trotzdem bleibe es wichtig, dass die Bevölkerung für die Umwelt sensibilisiert bleibe und es den Umwelttag gebe. Besonders freue es ihn, dass Grundschulleiterin Elvira Oberle mit ihren Viertklässlern die Aktion immer unterstütze . Überhaupt freut sich der Ortsvorsteher, dass so viele Jugendliche dabei seien, ob in Begleitung von Eltern oder aus Vereinen. So wie Sebastian (18 Jahre), Marvin (15), Jasmin und Michelle (beide 14) von der Jugendfeuerwehr. Am Bach unterhalb der Hauptstraße haben sie ihre Strecke zugewiesen bekommen. „Es ist gut, dass so etwas gemacht wird und man dafür auch seine Freizeit opfert“, bekennt sich Sebastian zu der Aktion. Ihn störe besonders der ganz Plastikmüll. Allerdings überrasche es ihn, wie sauber es hier sei, sagt er. Die Säcke der Jugendlichen sind kaum gefüllt und bis Schichtende wird wohl nicht mehr viel dazukommen. Währenddessen ist Karl-Heinz Schimpf in seinem Haus an der Hauptstraße am schuften, er baut gerade um. Am Umwelttag beteilige er sich deshalb nicht aktiv, gibt er zu. Zudem sei er als Angestellter des Gartenamts in Bad Bergzabern täglich damit beschäftigt, anderer Leute Dreck wegzuräumen: „Ich ärgere mich jeden Tag. Da wird säckeweise der Müll auf die Waldwege geworfen, selbst wenn man ihn schon im Auto habe und ihn kostenlos bei der Deponie abgeben könne“. Besonders ärgerlich sei für ihn die Uneinsichtigkeit der Leute, oft käme es zu Beleidigungen. Doch dazu kommt es an diesem Samstag nicht. Immer wieder sind Autos oder Traktoren mit gefüllten Anhängern auf dem Weg zum Bauhof zu sehen. Keine Überraschungen also, wie Kurt Geörger feststellen darf. Denn auch die Ausbeute der Sammler falle mit rund zweieinhalb Kubikmetern nicht aus dem Rahmen, bilanziert er. Spätestens beim Abschluss im DRK-Heim bei Bratwürsten mit Sauerkraut steht wieder fest, was für eine saubere Sache so ein Umwelttag doch sein kann. Auch in Schwegenheim haben die Helfer viel zu tun. Tatort Tankhof: Die ekeligen Hinterlassenschaften von Lkw-Fahrern haben am Samstag erneut für großen Unmut bei Ortsbürgermeister Peter Goldschmidt (SPD) und den Helfern gesorgt: Wie im Vorjahr mussten die Freiwilligen neben viel Müll wieder Kot in Tüten und Urin in Flaschen entsorgen. Goldschmidt bezifferte die in diesem Bereich gefundene Abfallmenge auf „über eine Tonne“ - und betonte, dass das Müllsammeln dort vorzeitig abgebrochen werden musste, „weil der Anhänger voll war“. Die Helfer mussten auch wieder zwei illegal errichtete Unterstände entfernen. In einem Unterstand fanden sie eine Frauenpuppe. Goldschmidt will das der Polizei melden: „Das kommt mir ein bisschen pervers vor“, begründete er. Der Arbeitseinsatz in Zahlen: In drei Stunden sammelten die „50 bis 60 Helfer“ drei Tonnen Müll. Jungmitglieder des Reitvereins und der Feuerwehr seien stark vertreten gewesen, lobte der Ortsbürgermeister.