Kreis Germersheim Nur in voller Mannschaftsstärke ausrücken

Der Brand des Dachstuhls über einem Brennholzlager beschäftigte Ende Oktober 2017 die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Kandel ei
Der Brand des Dachstuhls über einem Brennholzlager beschäftigte Ende Oktober 2017 die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Kandel eine ganze Nacht lang.

Die Freiwilligen Feuerwehren der Verbandsgemeinde Kandel sind noch gut aufgestellt. Allerdings werde es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden und so halten, so Wehrleiter Edgar Jung. Zusammen mit seinem Stellvertreter Alexander Ditz stellte er den Jahresbericht unter anderem in der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats vor.

Insgesamt hat die Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Kandel 251 Wehrleute, darunter 17 Frauen. 151 Wehrleute sind zwischen 21 und 40 Jahre alt, 19 zwischen 16 und 20 Jahre. Damit könne die Feuerwehr ihren Aufgaben in der Verbandsgemeinde nachkommen, allerdings fehlen Wehrleute ab 21 Jahre. Die durchschnittliche Dienstzeit beträgt 14 Jahre, das Durchschnittsalter 34 Jahre. In Rheinland-Pfalz dürfen aktive Wehrleute nicht jünger als 16 Jahre und nicht älter als 63 Jahre sein. Die Jugendfeuerwehr hat 64 Mitglieder. Wer bei der Feuerwehr ist, muss Spaß daran haben, denn diese ehrenamtliche Tätigkeit fordert neben Mut vor allen Dingen Zeit. Jeder Feuerwehrmann hat 2017 15 bis 22 Mal an allgemeinen Übungen teilgenommen. Dazu kamen sechs Atemschutzübungen, Gefahrengutübungen und Maschinisten-Ausbildungen, sowie fünf Gruppenführerbesprechungen. Bis zu 90 Stunden absolviert ein Feuerwehrmann dabei im Jahr. Dazu musste die Feuerwehr 150 mal ausrücken (2016 war es 127 Einsätze). Spitzenreiter ist Kandel (108) vor Freckenfeld (14) Steinweiler (10), Winden und Minfeld (8), Erlenbach und Vollmersweiler (1). Bei den 86 Brandeinsätze waren im Schnitt knapp 16 Wehrleute im Einsatz; sie leisteten dabei zusammen 1751 Stunden. Den Anstieg gegenüber 2016 (59) bewertete Ditz als nicht besonders dramatisch: Die Zahlen würden von Jahr zu Jahr schwanken, so der stellvertretende Wehrleiter. Es gab 27 Gebäudebrände, 9 Brandsicherheitswachen, 5 Fahrzeugbrände und 18 sonstige Brandeinsätze. Dazu gab es 27 Einsätze wegen Alarmen in Brandmeldeanlagen. Diese entpuppten sich zwar fast alle als Fehlalarme, aber trotzdem: lieber rücke die Feuerwehr zehn Mal umsonst aus als einmal zu wenig, wenn Menschen in Gefahr sein könnten, so Ditz. Und das immer in voller Mannschaftsstärke, denn man wisse bei einem Alarm ja nicht, was einen vor Ort erwarte. Ditz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Fehlalarme bei Brandmeldeanlagen in Firmen von diesen bezahlt werden müssen. Geht der Feuermelder bei einer Privatperson los, sei der Einsatz kostenfrei. Dies sei wichtig zu wissen, dann als Nachbar sollte man sich nicht scheuen, die Feuerwehr zu rufen, wenn man den Alarm hört, so Ditz. Spektakulärster Einsatz war der Brand eines Dachstuhls in Kandel am 30. Oktober. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnte das Übergreifen des Brandes auf andere Häuser verhindert werden. Insgesamt dauerte der Einsatz von etwa 20 bis 4 Uhr. Neben den Brandeinsätzen kamen noch 62 (61 2016) technische Hilfsleistungen, darunter 12 bei Verkehrsunfällen, eine Tierrettung und 2 Gefahrenguttransporte dazu. Im Schnitt knapp 12 Wehrleute waren dafür insgesamt 1210 Stunden im Einsatz. Bei den Einsätzen haben sich 2017 vier Wehrleute verletzt, einer davon schwer, so Jung. Zusätzlich zu ihren Einsätzen gingen Feuerwehrleute 2017 zur Brandschutzerziehung elf Mal in Kindergärten und 5 Mal in Grundschulen und hatte noch drei Übungen in Germersheim. An der Grundschule in Kandel gibt es zudem 14-tägig eine Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehr. Bei einem Alarm sollte die Feuerwehr nach spätestens acht Minuten vor Ort sein. Die Einsätze sind recht gleichmäßig über die Wochentage verteilt. Da rund 60 Prozent der Einsätze zwischen 6 bis 18 Uhr stattfinden, also genau dann, wenn ehrenamtliche Feuerwehrleute in der Regel arbeiten, sei es besonders wichtig, einen großen Stamm an Mitgliedern zu haben, erklärte Jung. Leider ziehen aber junge Wehrleute oft weg, so Jung: „Wir sind zwar noch gut aufgestellt, wir müssen aber um jeden kämpfen und gegen den Trend steuern.“ Gründe für den Wegzug sind neben dem Beruf oft auch, dass die Wehrleute keinen Bauplatz in ihrer Gemeinde oder überhaupt in der Südpfalz bekommen. Hier sollten die Gemeinden, die Bauplätze vergeben, die Tätigkeit bei der Feuerwehr in ihren Punktekatalog aufnehmen. Aber auch bei der Einstellung von Gemeindearbeitern oder in der Verwaltung sollte diese ehrenamtliche Tätigkeit stärker berücksichtigt werden, so Jung.

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