Kreis Germersheim
Nicht mehr als drei Nachtschichten
Nichts ist in Stein gemeißelt, auch nicht die Schichtmodelle. Bei der Papierfabrik Palm in Wörth gab es vor über zehn Jahren einen grundlegenden Wandel. Mitarbeiter wollten keine Zwölf-Stunden-Schichten am Wochenende mehr. Hinzu kamen damals neue Erkenntnisse der Arbeitsmediziner.
Eine Papiermaschine läuft im Idealfall rund um die Uhr, und zwar möglichst jeden Tag im Jahr. Und auch wenn sie mal wegen Wartungsarbeiten nicht läuft, müssen Menschen bereitstehen, die die Produktion steuern und überwachen. Deshalb arbeitet etwa die halbe Belegschaft der Papierfabrik Palm in einem Fünf-Schicht-System. In der Fabrik sind 162 Mitarbeiter beschäftigt.
Früher sah der Schichtplan eines Mitarbeiters etwa so aus, erinnert sich Werkleiter Jürgen Kosse: vier Tage früh, drei Tage spät, dann sieben Nachtschichten und danach sieben Tage frei. „Dazu gehörten auch Zwölf-Stunden-Schichten an den Wochenenden. Das wollten die Leute nicht mehr. Das war sehr anstrengend, man muss sich ja konzentrieren“, sagte Kosse.
Hinzu kamen arbeitswissenschaftliche Empfehlungen für eine Entlastung der Mitarbeiter – dies auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. der mit einem steigenden Durchschnittsalter der Belegschaften einher geht. Die wichtigsten Punkte waren:
Nicht mehr als drei Nachtschichten hintereinander. Eine schnelle Rotation von Früh- und Spätschichten. Keine Massierung von Arbeitszeiten.„Wir haben uns deshalb mit dem Betriebsrat zusammen gesetzt. Unser Ansatz war: Wir wollen von den sieben Nachtschichten runter“, sagt Kosse. Das Modell, auf das man sich einigte, sieht wie folgt aus: zwei Tage Frühschicht, zwei Tage Spätschicht, zwei Tage Nachtschicht, zwei Tage frei. Im Einzelnen kann der Plan mal abweichen, vor allem weil zwischendurch auch vier oder fünf freie Tage fällig sind. Die Schichten am Wochenende dauern nur noch acht Stunden.
Die Mehrheit der Mitarbeiter sei damals für das neue Schicht-Schema gewesen, erinnert sich der Betriebsratsvorsitzende Christian Götz. Das habe eine Abstimmung ergeben. Heute seien kurze Schichtintervalle normal. „Sieben-Tage-Nachtschichten gibt es ja selbst in Krankenhäusern nicht mehr“, so sein Eindruck. Bei Palm sei damals die Entscheidung schnell gefallen: „Bei uns wird nichts auf die lange Bank geschoben.“
Palm liegt mit seinem Arbeitszeitmodell richtig, meinen Götz und Kosse. Schließlich könne der Betrieb damit auch auf dem Ausbildungsmarkt bestehen. Zehn Azubis hat Palm zur Zeit in Wörth, ausgebildet werden Papiertechnologen, Energie- und Anlagenelektroniker (Schwerpunkt Mess- und Regeltechnik) und Industriemechaniker. Für September 2019 haben bereits sechs neue Azubis unterschrieben.
Serien-Info
- Die Germersheimer Rundschau berichtet in loser Folge über Schichtarbeitsplätze in der Region und redet jeweils mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern über Vor- und Nachteile des Schichtbetriebes.
- Firmen und Arbeitnehmer, die ihre Schichtmodelle in der Serie vorstellen möchten, erreichen uns unter der Telefonnummer 07274 966611 oder per E-Mail redger@rheinpfalz.de. tom/rhp