Kandel Netto-Markt: Nächste Woche ist Schluss

Der Netto-Markt in Kandel schließt für einige Monate.
Der Netto-Markt in Kandel schließt für einige Monate.

Ein Lebensmittelmarkt kündigt seine Schließung an. Was dahinter steckt und was danach kommen wird.

„Die Filiale schließt am 22. Februar.“ Diesen Satz findet man schon länger auf der Internetseite www.netto-online.de, wenn man über die Suchmaschine die Stichwörter „Netto Kandel“ eingibt. Seit Tagen bewegt die Menschen in der Bienwaldstadt dieses Thema. Gerüchte über Renovierung, Abriss oder eine dauerhafte Schließung machen die Runde. Inzwischen künden auch Plakate von der baldigen Schließung.

Die Diskussionen sind verständlich: Der Markt in der Saarstraße 80 mit den längsten Öffnungszeiten im Stadtgebiet ist ein wichtiger Faktor für die Lebensmittelversorgung in Oberkandel, dem größten Ortsteil der Bienwaldstadt. Die Mitarbeitenden werden häufig von der Kundschaft angesprochen, bestätigen dann die Schließung und kündigen eine Wiedereröffnung an. Melanie Schübbe ist Gebietsleiterin Expansion bei Netto. Sie bestätigt: „Ja, wir schließen am 22. Februar mit dem Ziel der Wiedereröffnung im Herbst. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Unsere Märkte werden nach einer gewissen, nicht exakt festgelegten Zeit umgebaut oder erweitert. Irgendwann sind sie einfach nicht mehr zeitgemäß.“

Netto-Markt informiert mit Plakaten in den Fenstern.
Netto-Markt informiert mit Plakaten in den Fenstern.

Schübbe präzisiert die Pläne: Verbleiben sollen lediglich die Bodenplatte und der Rampenbereich, alles andere wird entkernt und neu aufgebaut. Das 5000 verschiedene Artikel umfassende Sortiment bleibt gleich, die bisherige Verkaufsfläche wird von 800 auf 1000 Quadratmeter erweitert. „Durch die Vergrößerung wird es breitere Gänge geben“, so Melanie Schübbe. Sie verspricht eine offene Decke im Markt und einen schöneren Ein- und Ausgangsbereich dank einer neuen Glasfassade. Die elf Mitarbeitenden werden während der Baumaßnahme auf die umliegenden Filialen in der Nähe verteilt und sollen dann wieder nach Kandel zurückkehren.

Vom Spielplatz zum Discounter-Standort

Netto hat mit 4350 Märkten ein großes Filialnetz in Deutschland und beschäftigte zum Jahresende 87.300 Mitarbeitende. Auf dem aktuellen Standort stand bis Ende der 1990er Jahre ein großer Spielplatz, auf dem auch die traditionelle „Owwerkannler Kerwe“ gefeiert wurde. Zu Beginn des Jahrtausends hat die Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG mit Sitz in Maxhütte-Haidhof 20 Kilometer nördlich von Regensburg die Fläche von der Stadt Kandel käuflich erworben. Der jetzige Standort wurde 2008 eröffnet, mehrere Jahre hatte der Discounter in der Lauterburger Straße einen zweiten Markt betrieben.

Die Kandeler Filiale wird auch stark frequentiert von den rund 1500 Einwohnern des nördlich angrenzenden Baugebiets „Am Höhenweg“. Dort wohnt auch der künftige Verbandsbürgermeister Mike Schönlaub (SPD) mit seiner Familie. Er bestätigt: „Ich treffe dort viele junge Familien aus der Nachbarschaft und Bekannte aus Freckenfeld und Minfeld.“ Er hofft, dass während der Schließung die Einkäufe weiter in der Verbandsgemeinde getätigt werden. „Vielleicht weichen die Menschen auf den Dorfladen in meinem Heimatort Freckenfeld aus.“

Markt läuft gut

Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU) spricht von „einer weiteren Aufwertung der Einkaufsstadt Kandel“. Einen Seitenhieb auf die Bürokratie in Deutschland kann er sich nicht verkneifen: „Der Zeitraum von der Schließung bis zur geplanten Neueröffnung ist erfreulich kurz. Ich würde mir eine so zügige Bau- und Genehmigungsphase auch für Vorhaben der öffentlichen Hand wünschen.“ Melanie Schübbe zeigt sich zuversichtlich: „Die Kunden kommen nach der Bauphase wieder zurück, sie können ja in den umliegenden Nettos einkaufen. Der Kandeler Markt läuft gut, sonst würden wir nicht so umfangreich investieren.“

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