HAGENBACH RHEINPFALZ Plus Artikel Manche Baggerseen sollen auch Badeseen sein

Verbandsbürgermeisterin Iris Fleisch.
Verbandsbürgermeisterin Iris Fleisch.

Den Menschen zuhören, um ihre Probleme zu lösen, das hat sich die neue Verbandsbürgermeisterin Iris Fleisch (CDU) vorgenommen. Genau 100 Tage ist sie diesen Freitag im Amt. Früher im Beruf für die Stadt Wörth tätig, erzählt sie im RHEINPFALZ-Gespräch, wie es ihr in der „neuen“ Verwaltung in Hagenbach so ergeht. Manche Veränderung hat sie bereits angestoßen.

Das Büro ist dasselbe, aber die Anordnung der Möbel etwas anders als unter Vorgänger Reinhard Scherrer (SPD). Was beim Besuch bei Iris Fleisch an ihrem neuen Arbeitsplatz gleich ins Auge springt: ein leuchtend rotes Herz-Modell auf dem Schränkchen vor dem Schreibtisch. „Ich bin die Bürgermeisterin mit Herz“, verrät sie. Ihr Sohn Christian habe es mit dem 3D-Drucker erstellt. Der Gedanke dahinter: Sie wolle den Menschen zuhören, sagt Fleisch. „Damit kann man viele Probleme lösen.“

Seit 1. April ist die 58-jährige Hagenbacherin die erste Frau im Verbandsbürgermeister-Sessel. „Noch keine Sekunde“ habe sie den Schritt bereut. Seit 2009 kommunalpolitisch aktiv, war Iris Fleisch ab 2014 zweite Beigeordnete der Stadt Hagenbach, bis sie 2019 Verbandsbürgermeister-Stellvertreterin wurde.

Erst stand Familie im Fokus

Schon um die Jahrtausendwende habe sie sich an der Kommunalpolitik „infiziert“. Ihr politischer Ziehvater, Ex-Stadtbürgermeister F.X. Scherrer, lud sie zur Klausurtagung ein. Größere Ambitionen habe sie damals nicht gehabt, der Familie wegen. Ihr Mann Uwe hatte einen Kartoffel-Großhandel, das bedeutete für ihn eine Sechs-Tage-Woche: „Ich habe ihm den Rücken freigehalten.“ Ende 2019 erhielt er ein Angebot zum Verkauf der Firma. „Genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Fleisch. Anfang 2020 verkündete sie ihre Kandidatur für das Bürgermeisteramt.

Beruflich war sie seit 1982 für die Stadt Wörth tätig: anfangs und zum Schluss in der Bauabteilung, dazwischen elf Jahre abgestellt an die Agentur für Arbeit in Kandel. Fleisch vermittelte im „Jobcenter“ Arbeitssuchende, eignete sich, wie sie sagt, „viel Menschenkenntnis“ an. Auch als Verbandsbürgermeisterin hat sie schon einen Job vermittelt: In einem von etwa 50 Mitarbeitergesprächen stellte sich heraus, dass man eine zigmal erfolglos ausgeschriebene Stelle im Ordnungsdienst intern besetzen könnte. Eine Mitarbeiterin verriet ihr, dass sie Interesse habe. Also ließ Fleisch deren Stundenzahl aufstocken, so dass die Mitarbeiterin nun auf zwei Stellen arbeiten kann.

Kooperation zwischen Familienbüro und Seniorenheim

Einige Schnittstellen in der Verwaltung habe sie schon effizienter gestalten können, sagt sie, und lobt ihre „sehr gut qualifizierten Mitarbeiter“. Abteilungsübergreifend sei ein „Entwicklungsteam“ gegründet worden. Als Bürgermeisterin habe sie einen anderen Blickwinkel als früher bei der Stadt Wörth: „Aber die Verwaltungsabläufe sind gleich.“

Anders als ihr Vorgänger will Fleisch keinen weiteren Leitbild-Prozess in Gang setzen. „Umwelt und Begegnungen“ – das sind Stichworte für zwei „ihrer“ Themen. Sie denkt an gemeinsame Projekte mit dem Kreis-Familienbüro in der Ex-Hauptschule und mit dem Seniorenheim. Ein Umbau des alten Friedhofs zur Parkanlage, wofür es kürzlich die Zusage für 55.000 Euro Bundesmittel gab, soll auf beide Ziele einzahlen.

„Alles in Maßen“, lautet ihr Umwelt-Grundsatz. „Natur und Mensch sollen miteinander in Harmonie leben.“ Das bedeutete auch mehr Kompromisse. Als Beispiel nennt sie die vielen Baggerseen, „von denen die Menschen nichts haben.“ Es müsse möglich sein, einen Teil davon als Badesee zu nutzen. „Ich befürchte, dass am Ende der Naturschutz alles blockiert“, sagt sie zum jüngst angedachten Wunsch der Stadt Hagenbach nach einem Badestrand am Baggersee Willersinn. Auch schwebt ihr vor, Seen für sogenannte „Tiny-Häuser“ – kleine Minimalistenhütten – vorzusehen.

Vereine sollen sich gegenseitig unterstützen

Die Vereinsarbeit soll mehr in den Vordergrund rücken. Sie will einen „Vereinslotsen“ benennen, der seitens der Verwaltung unterstützt. Außerdem sieht sie personelle Probleme bei der Ausrichtung der großen Ortsfeste: „Das können die Vereine nicht mehr stemmen.“ Ihr Ziel: Die Vereine innerhalb der Verbandsgemeinde sollen sich gegenseitig mehr helfen. Natürlich weiß sie, dass für viele dieser Ziele die Ortsgemeinden zuständig sind. „Ich will ihnen helfen, ihre Beschlüsse umzusetzen.“

Ein Thema, das Verbandsgemeinde-Sache ist und vom Vorgänger angestoßen wurde, ist die Generalsanierung der drei Grundschulen. An diesem Ziel will Fleisch festhalten. Derzeit laufe die Ausschreibung zur Suche eines Fachplaners für die erste Schule in Hagenbach. Diese Sanierung solle „möglichst schnell“ kommen. Auf einen genauen Zeitpunkt will sie sich nicht festlegen. Aus gutem Grund: Die noch immer nicht beendete „Corona-Baustelle“ in der Schulsporthalle Hagenbach zeige, dass hier viele äußere Faktoren eine Rolle spielten.

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