Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-wörth:

Circus Edmund Kaiser jr. hat in Maximiliansau seine Zelte aufgeschlagen. Mit dem größten rollenden Zoo Europas mit 100 (!) Tieren. Darunter ist auch eine Netzgiraffe. Ich frage mich, was das arme Geschöpf in einem rollenden Zoo verloren hat. Und auch die zahlreichen anderen exotischen (Wild)Tiere, mit denen der Zirkus wirbt, werden in Hitze und Kälte ständig auf den Straßen hin- und her transportiert. Welch ein Stress! Schlimm genug, dass das in Deutschland noch erlaubt ist, nachdem mittlerweile 16 europäische Länder Wildtiere im Zirkus verboten haben. Auch immer mehr Städte entschließen sich aus Tierschutzgründen dazu, solchen Zirkussen keine Vorstellungen mehr zu genehmigen. Wörth gehört anscheinend nicht dazu. Wie für alles gibt es für die Haltung und den Transport von solchen Tieren bei uns Richtlinien. Und auch wenn die Veterinärämter nach diesen – ethisch fragwürdigen - Bundesrichtlinien zumindest in jüngerer Vergangenheit bei diesem Zirkus wenig zu beanstanden hatten, frage ich mich, wie man in der heutigen Zeit bei dem Überangebot an Freizeitmöglichkeiten und hohen Versorgungskosten eine so große Zahl an Tieren angemessen versorgen will. Gut – jetzt gibt es die Möglichkeit, die Kamele und Rinder vor dem Mercedes-Benz-Service-Zentrum grasen zu lassen. Doch was ist im Winter? Mittlerweile geht der Zirkus auch dann auf Tour und bleibt nicht im festen Winterquartier. Dann sind die Exoten der Kälte ausgesetzt, Geld für Heizung und Benzin sowie Gäste sind knapp. Natürlich ziehen Tiere Besucher an, doch die sind weniger geworden – auch aus Tierschutzgründen. Der Zirkus an sich hat Tradition, die Zirkusleute haben darin ihre Heimat. Doch die Zeiten haben sich geändert, auch das Bewusstsein der Menschen. Alles Gründe, um auch die Zirkusleute zum Umdenken zu bewegen. Wäre es nicht schön, wenn Zirkus Kaiser mit seiner 270 Jahre alten Tradition mit gutem Beispiel vorangehen und ein neues Konzept ohne (Wild) Tiere anbieten würde? Das wäre auch eine gute Werbestrategie. Derzeit sieht es leider aber nicht danach aus – Tierschützer bekommen auf der Homepage des Zirkus mit einer fragwürdigen Argumentation ihr Fett weg. Die Schausteller stehen in der Verantwortung, ihren Tieren gerecht zu werden – immer wieder hat sich gezeigt, dass das bei Zirkussen einfach nicht möglich ist. Auch wenn sich einige sehr um ihre Tiere bemühen – sie gehören dort nicht hin. Hier ist dringend ein Umdenken erforderlich – besonders, um das Leid der Tiere zu beenden und um den mittlerweile oft negativen Ruf der Schausteller wieder zu verbessern. Und ich hoffe, dass sich auch die potenziellen Besucher überlegen, ob sie die wenig artgerechte Haltung in einem rollenden Zoo unterstützen möchten. Seitdem ich mich erinnern kann, gibt es Diskussionen um eine Erneuerung, einen Ausbau oder eine Erweiterung der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe. Genauso lange frage ich mich schon, was so schwierig daran sein kann, eine Brücke zu bauen (Immerhin sind wir ja ganz gut darin. In Scheibenhardt wird die Brücke ja sogar gefeiert)? Aber was mich mittlerweile ärgert, ist die Art, wie darüber diskutiert wird. Da fallen Sätze wie „Pfalz als Hinterland Karlsruhes“ oder die Frage, warum man eine Brücke bräuchte, immerhin gebe es einen guten Nahverkehr. Ich hole jetzt mal ganz weit aus und spekuliere darauf, dass mal wieder ein kleines Unglück an dieser besagten Brücke geschieht. Ein Gefahrgutlaster verunfallt oder ein Schiff tangiert den Brückenpfeiler. Dann fährt da kein Auto und keine Bahn mehr. Mit Pech sogar einige Wochen bis Monate, wenn man erst mal die Substanz der Brücke auf Tragfähigkeit überprüfen und feststellen muss, dass die Statik eigentlich nicht mehr trägt. Wohin wird der Verkehr dann umgeleitet? Germersheim oder Iffezheim? Oder richten wir eine weitere Fähre ein (Wo auch immer die anlegen soll)? Mir scheint es, als wolle keiner so richtig diese Brücke. Außer den paar Menschen, die halt dummerweise auf der baden-württembergischen Rheinseite arbeiten. Unser Vorschlag zur Güte in diesem Problem: Baut doch eine Zugbrücke an genau die Stelle, an der gerade die morsche, betonbröckelnde Brücke steht. Die wird dann zwischen Montag und Freitag genutzt und am Wochenende hochgezogen, so können die Leute, die auf der anderen Seite des Rheines arbeiten unter der Woche zur Arbeit fahren und am Wochenende wird die Brücke eh nicht gebraucht, da arbeitet ja keiner. Vielleicht wird der Vorschlag mit der Zugbrücke ja angenommen, dann fahren hier an Sommersonntagen nicht mehr so viele Sonntagsfahrer mit KA-Kennzeichen herum. Den Sarkasmus müssen Sie mir verzeihen. Es macht mich nur sehr wütend, mit welchen Argumenten hier gearbeitet wird. Die Pfalz als Hinterland Karlsruhes ist als Naherholungsgebiet für gestresste Städter gut (auch für die, die im Hardtwald wohnen! Man möge mir nicht erzählen, diese Menschen würden nicht auch in die Weinberge fahren oder nach Frankreich). Aber als Wohnort für Menschen, die einfach nur leben wollen und einer Arbeit nachgehen, die dummerweise nicht auf „unserer“ Rheinseite liegt, ist unsere Region anscheinend nicht geeignet. Und meine Nachricht, die ich an die Naturschützer auf diesem Wege schicken möchte: Es ist kein Naturschutz, wenn durch Staus Unmengen an Abgasen ausgestoßen werden. Und NEIN: Der Personennahverkehr ist NICHT ausreichend. Falls Sie dieser Meinung sind, stellen Sie sich bitte in den Stoßzeiten in die Bahn - ach nein, geht ja nicht, die ist ja schon voll. Meine nüchterne Einschätzung ist, dass es diese zweite Brücke nicht geben wird, nicht jetzt und nicht in Zukunft. Warum auch? Es gibt ja genügend Argumente dagegen.