Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Lack zerkratzt: Keine Firma will es gewesen sein

Josephine Rödel will nicht auf dem Schaden sitzen bleiben.
Josephine Rödel will nicht auf dem Schaden sitzen bleiben.

Ein umfallendes Baustellenschild hat Josephine Rödels Auto zerkratzt. Ihre Suche nach Verantwortlichen war ergebnislos, von der Verwaltung fühlt sie sich nicht Ernst genommen.

Ein Riesenärgernis: Im Januar fällt Josephine Rödel vor ihrem Haus in Kandel ein Baustellenschild aufs Auto. Die ganze rechte Vorderseite ihres grünen VW ist zerkratzt. Nebenan wird gerade ein Haus abgerissen, verschiedene Baufirmen geben sich die Klinke in die Hand. Keiner wills gewesen sein. Rödel fühlt sich vor allem von der Verbandsgemeinde im Stich gelassen.

Eine Kostenschätzung hat Rödel noch nicht machen lassen. Billig wird es jedenfalls nicht, die Kratzer beim Lackierer ausbessern zu lassen. Darum hat sie sich gleich auf Detektivarbeit gemacht. „Ich habe bei der Verbandsgemeinde nachgefragt, welche Firma das Schild aufgestellt hat. Das konnten sie mir nicht genau sagen, stattdessen habe ich eine Liste mit Firmen bekommen, die an der Baustelle in der Nähe beteiligt waren.“ Bei allen klingelte sie durch, ein Verantwortlicher kam dabei aber nicht zum Vorschein.

Kein Hinweis auf die Verantwortlichen

„Das Verkehrsschild gehört nicht uns und wurde nicht von uns aufgestellt“, schreibt ihr eine Firma. „Unsere Schilder wurden 20 Meter weiter vorne aufgestellt und haben hinten eine Aufschrift.“ Diese Markierungen, die hier angesprochen waren, waren für Rödel der nächste Anhaltspunkt. Der Pfosten, an dem das Schild angebracht war, war grün markiert. Ein Hinweis auf die verantwortliche Firma?

Leider nein. Zwar lässt sich anhand der Markierung nachvollziehen, dass das Schild einer Firma aus Landau gehört. „Die ist allerdings eine Leih- und Verkaufsfirma für Straßenschilder. Daher bringt mich diese Markierung nicht sehr viel weiter“, so die Kandelerin. „Da die Firma mir laut ihrer Aussage am Telefon nichts dazu sagen können da sie es angeblich in ihrem Systeme nicht nachvollziehen können welche Firmen bei Ihnen Schilder leihen oder kaufen.“

Sieben Firmen kommen infrage

Vielmehr ärgert sich Rödel trotzdem über die Verwaltung. Die müsste doch eigentlich wissen, wer wo welche Schilder aufstellt, findet sie. Wie Verbandsbürgermeister Volker Poss bestätigt, hat die Verbandsgemeinde für eine Baumaßnahme in Rödels Straße sieben Firmen die Aufstellung von Verkehrszeichen genehmigt. Aber: „Leider kann von uns nicht nachvollzogen werden, welche Firma in dem besagten Zeitraum Mitte Januar 2023 an der Baustelle tätig und für die verkehrssichere Aufstellung des Schildes verantwortlich war. Insoweit kann der Schadensverursacher unsererseits leider nicht zweifelsfrei ermittelt werden“, so Poss.

Aber wie kann das sein? Werden die Genehmigungen nur für bestimmte Tage und an einem genauen Ort erteilt, oder können die Firmen für einen längeren Zeitraum die Baustelle beschildern, wie es ihnen passt? Natürlich nicht, erklärt VG-Mitarbeiter Kai Scherrer. „Im Antrag ist der genaue Beginn und das voraussichtliche Ende anzugeben. Die Genehmigung kann jedoch mit Angaben von Gründen verlängert werden. Die Firmen können somit nicht flexibel entscheiden sondern müssen die tatsächlichen Bauzeiten beantragen.“

Teilweise gleichzeitig gearbeitet

Im Fall von Josephine Rödel sei das Problem gewesen, dass die Firmen nicht nacheinander sondern teilweise gleichzeitig dort gearbeitet hätten. Da es sich bei dem Schild „Achtung Baustelle“ um ein grundsätzliches Verkehrszeichen handele, welches jede Baufirma aufstellen müsse, könne es durchaus sein, dass die ein oder andere Baufirma dieses nicht aufgestellt hat, da bereits ein solches Verkehrszeichen im betroffenen Straßenabschnitt aufgestellt war.

Rödel ist das zu einfach. „Ich finde das sehr unverschämt sich so aus der Angelegenheit raus zuziehen. Meines Wissens muss jede Baufirma genau Angaben dazu machen welche Materialien„ (Schilder, Zäune...) sie aufstellt. Und die Verbandsgemeinde könnte sich wenigstens die Mühe machen und mir diese Anträge zukommen lassen für meine eigenen Recherchen damit ich überprüfen und beweisen kann das eine Baufirma dort überhaupt etwas aufgestellt hat.“

Noch will sie nämlich nicht aufgeben. Sie hat vor, sich rechtlich beraten zu lassen und bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt aufzugeben. Wenn Sie keinen Erfolg hat, bleibt sie auf dem Schaden sitzen, weil ihre Versicherung nicht zahlen wird.

Die Kratzer ziehen sich über den ganzen Kotflügel.
Die Kratzer ziehen sich über den ganzen Kotflügel.
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