Kreis Germersheim
Kita-Kinder machen freiwillige Tests
Seit November stellt die Gemeinde Kindern der Kita Leimersheim Selbsttests für Zuhause zur Verfügung. „Die genaue Zahl der Eltern, die die freiwilligen Tests nutzen, können wir nicht ermitteln“, sagt Bürgermeister Matthias Schardt auf Nachfrage. Aber es gebe viele positive Rückmeldungen. „Die Selbsttests schaffen Sicherheit für Eltern und Betreuungskräfte, außerdem können so längere Schließungen wie im November vermieden werden“, so Schardt. Damals war die Kita eine gute Woche dicht, nachdem es 14 Corona-Fälle gegeben hatte. „Geschlossene Gruppen gibt es aktuell keine und wir hoffen, dass das so bleibt“, sagt der Orts- und Verbandsbürgermeister. Jetzt könnte das Angebot auch auf die Kindergärten der anderen Orte in der Verbandsgemeinde ausgeweitet werden – mit Blick auf die anrollende Omikron-Welle zumindest für die nächsten beiden Wochen. Abfragen bei den Kita-Leitungen und Elternausschüssen dazu laufen. Die Kosten würden die Ortsgemeinden tragen. „Klar ist aufgrund der Kosten aber auch, dass das keine Dauerlösung sein kann“, meint Schardt.
„Außenstellen“ der kommunalen Teststation
Auch die Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Kandel erarbeitet derzeit ein freiwilliges Testangebot. Es soll so laufen, dass zwei Mal wöchentlich eine Person der kommunalen Teststation in die Kita kommt und dort gemeinsam mit Eltern die Kinder testet, erläutert Verbandsbürgermeister Volker Poß. Auch hier laufen Abstimmungsgespräche mit den Leitungen und den Elternbeiräten aller Kitas innerhalb der VG. Das Angebot richtet sich nicht nur an die kommunalen, sondern auch die kirchlichen Kindergärten – zehn an der Zahl. Kosten kommen „im Idealfall“ bei diesem Vorgehen nicht auf die Kommunen zu, denn sie werden über die Teststation und somit über das landesweite „Testen für alle“-Angebot abgerechnet. „Träger der Tests ist die kommunale Teststation der Verbandsgemeinde Kandel“, erklärt Poß. Die Kitas seien sozusagen „Außenstellen“. „Testen, testen, testen“ – Volker Poß sieht darin ein probates Mittel „zu vermeiden, dass die Infektionszahlen in die Höhe schnellen“, gerade im Hinblick auf die Omikron-Variante. Wenn alles klappt, soll ein Probelauf am Freitag in einer Kandeler Kita stattfinden.
Spuck-Tests finden Zuspruch
Auch in den fünf städtischen Kitas in Germersheim gilt: Sofern die Eltern zustimmen, können die Kinder ab zwei Jahren getestet werden. „In der Mehrzahl der Fälle ist das so“, sagt Bürgermeister Marcus Schaile. In einigen Einrichtungen gebe es das Angebot sogar täglich. Die Tests stellt und finanziert die Stadt, die Erzieher führen sie durch. „Wir verwenden Spuck-Tests“, erklärt Schaile. „Da muss man weder in den Rachen rammen noch in die Nase hochbohren. Und jedes Kind kann spucken.“ Sicherheit und Gesundheitsschutz für Kinder und Mitarbeiter sind aus Sicht des Bürgermeisters die Kosten wert. Am letzten Tag der Weihnachtsferien gab es zudem eine spezielle Testaktion für Kita-Kinder im Straßenmuseum. „Wir wollten von allen Kindern ein Zertifikat.“ Um die 300 Eltern und Kinder hätten teilgenommen.
Nähe nicht verwehren
Die protestantische Louise-Scheppler-Kita Wörth arbeitet bei ihrem Testangebot mit der örtlichen Olympia-Apotheke zusammen. Einmal in der Woche bietet ein Mitarbeiter der Apotheke in den Kita-Räumen freiwillige Tests für Kinder und Eltern und verpflichtend für die Erzieher an, erzählt die stellvertretende Leiterin Yvonne Stojic. Die Resonanz sei zwar nicht sehr groß. Aber jeder, der teilnimmt, helfe Infektionen aufzudecken. Manche Eltern passe die Uhrzeit nicht, einige wollen den Abstrich ihren Kindern nicht zumuten. Für andere Kinder gehöre der Test schon zum Alltag, schildert Yvonne Stojic. „Wir als Team sind täglich dem Virus ausgesetzt“, gibt sie zu bedenken. Anders als in der Schule tragen die Kita-Kinder keine Maske. Sie sitzen auf dem Schoß, wollen auch mal kuscheln. „Das will man nicht verwehren“, meint die Erzieherin. „Ein gutes Gefühl hat man aber nicht immer.“
Nur freiwillige Tests mehrheitsfähig
Einige Kitas im Landkreis hätten Umfragen in der Elternschaft gestartet, um deren Haltung gegenüber regelmäßigen Corona-Tests zu erfahren, berichtet Julia Stock, Sprecherin des Kreiselternausschusses (KEA). Bei Treffen mit Kollegen auch aus anderen Landesteilen habe sie mitgenommen, dass viele Eltern sich sorgen, dass Infektionen in die Familien getragen werden. Manche möchten ihr Kind aber nicht einem regelmäßigen Test aussetzen. Und manche Kinder wehren sich „mit Händen und Füßen“ gegen einen Nasen-Abstrich. „Das Meinungsbild ist sehr breit“, so Stock. Für mehrheitsfähig hält sie deshalb generell nur freiwillige Tests.
Zu Jahresbeginn hat das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz die Forderung des Kita-Fachkräfteverbands nach einer Testpflicht an Kindertagesstätten zurückgewiesen. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es sie seit dieser Woche.