Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kind getauft und Messen gefeiert: Haftstrafen für falschen Priester

Geistliche im Gebet: Der Mann, der verurteilt wurde, hat sich als Priester ausgegeben, ohne geweiht worden zu sein.
Geistliche im Gebet: Der Mann, der verurteilt wurde, hat sich als Priester ausgegeben, ohne geweiht worden zu sein.

Gleich mehrfach verurteilt ist inzwischen ein 22-jähriger Lingenfelder, der sich als hauptamtlicher Mitarbeiter des Bistums Speyer ausgegeben, als Priester Messen mitgefeiert und sogar ein Kind getauft hat. Er muss für längere Zeit hinter Gitter, sollten die Urteilssprüche rechtskräftig werden.

Sowohl das Bistum Speyer als auch das Bistum Rottenburg-Stuttgart hatten Fälle zur Anzeige gebracht, die nun von der Justiz zu bewerten waren. Das Bischöfliche Rechtsamt in Speyer hatte den Mann des Betrugs beschuldigt, unter anderem weil er, um den äußeren Anschein der Zugehörigkeit zum Bistum zu erwecken, die E-Mail-Adresse sew.bistum.speyer@gmail.com verwendet habe, die aber keine offizielle Mail-Adresse des Bistums ist.

Die Leidenschaft für kirchliche Themen, die der Lingenfelder in seiner Schulzeit erkennen ließ und für die er im Frühjahr 2018 den Religionspreis der Speyerer Dompfarrei Pax Christi und der Pfarrei Heilige Hildegard von Bingen Römerberg-Dudenhofen erhielt, brachte ihm nun zwei Verurteilungen ein. Weil er nicht, wie damals angekündigt, ein Studium der katholischen Theologie begann, sondern sich einfach so als Priester ausgab.

Urteile noch nicht rechtskräftig

Nach der Anzeige des Bistums Speyer wurde der Lingenfelder vor dem Amtsgericht Landau zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. In dem Urteil wurden mehrere Betrugsfälle sowie ein Fall von Missbrauch von Titeln zusammengefasst. So habe der junge Mann die Amtstracht eines katholischen Pfarrers getragen und ohne Berechtigung eine Segnung durchgeführt, teilte das Gericht mit. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig, da der Lingenfelder Berufung eingelegt habe. Die Angelegenheit liegt nun beim Landgericht Landau, der Beginn des Verfahrens steht noch nicht fest, da auch ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben worden sei, erklärte das Gericht auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Jedoch ist diese Verurteilung nicht die einzige. Das Amtsgericht Stuttgart hat den Pfälzer zu einer Haftstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Hier wurde ihm laut einer Recherche des SWR zur Last gelegt, in Winnenden als Priester aufgetreten zu sein, Kinder getauft, Gottesdienste gehalten und wertvolle Gegenstände gestohlen zu haben. Verurteilt worden sei er wegen Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie wegen Betrugs und Computerbetrugs. Allerdings ist auch dieses Urteil noch nicht rechtskräftig.

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