Wein am Rhein RHEINPFALZ Plus Artikel Kern macht aus Wein auch Sekt

Dominik Kern kümmert sich um die Trauben.
Dominik Kern kümmert sich um die Trauben.

In Kalifornien hat Dominik Kern in jungen Jahren auch den Barriqueausbau gelernt. Nun kann er dieses Wissen und Können im eigenen Weingut anwenden. Aber nicht nur das.

Zwischen Ottersheim, Knittelsheim, Herxheim und Offenbach erstrecken sich auf 27 Hektar die Rebzeilen des Weinguts Kern, das an Ottersheims Ortsdurchfahrt zu finden ist. Löß-, Lehm- und Sandböden mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften sorgen für eine bunte Mischung bei den Weincharakteren, erzählt der Chef des Weinguts, Dominik Kern.

Vor noch nicht allzu langer Zeit hat der 40-jährige verheiratete Vater von drei Kindern es von seinem Vater Gerhard übernommen. Der 64-Jährige hat sich zwar aus der ersten Reihe zurückgezogen, ist aber ebenso noch im Betrieb aktiv wie seine Frau Sabine, die seit Jahren den Verkauf im Laden auf dem Hof managt. Unterstützt werden die Drei von einem Festangestellten. Handarbeit ist beim Bearbeiten der Weinstöcke angesagt. Für die Ernte, angebaut werden vor allem Riesling, Müller-Thurgau, der eine Renaissance erlebe, und Spätburgunder, greift Kern auf einen Vollernter der neuen Generation zurück, der die Trauben direkt von störenden Elementen befreit. „Der ersetzt 40 Leute.“

Verkauf wird der Wein in erster Linie im eigenen Laden. Die Seele des Verkaufs ist seit Jahren Dominik Kerns Mutter Sabine.
Verkauf wird der Wein in erster Linie im eigenen Laden. Die Seele des Verkaufs ist seit Jahren Dominik Kerns Mutter Sabine.

Für die Lagerung stehen zahlreiche Edelstahltanks zur Verfügung mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 180.000 Litern. Für Merlot, Dornfelder, Spätburgunder und Chardonnay stehen auch 20 Barrique-Fässer zur Verfügung. Die Barrique-Weine werden in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt. Wie der Ausbau in diesen Fässern funktioniert, habe er nicht zuletzt vor Jahren in Kalifornien in den USA gelernt, wohin es ihn während seiner Ausbildung verschlagen habe. Das dortige Weingut habe Tausende dieser Fässer gehabt.

Eine Hälfte seines Ertrags wird laut Kern als Most direkt aus der Presse an Kellereien verkauft. Die andere Hälfte „bauen wir selbst aus“. 50 Prozent davon landeten im Fass, der Rest in der Flasche. Abgefüllt werden rund 100.000 pro Jahr, überwiegend Ein-Liter-Flaschen, sagt Kern. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen nehme er seine Flaschen wieder zurück und lasse sie reinigen, ehe er sie neu befülle. Verkauft werde der Wein in erster Linie im eigenen Laden. Online-Handel betreibe er auch, wobei hier der Versandkostenanteil steige.

Dominik Kerns Rebstöcke wachsen bei Ottersheim, Knittelsheim, Offenbach und Herxheim.
Dominik Kerns Rebstöcke wachsen bei Ottersheim, Knittelsheim, Offenbach und Herxheim.

Die Kundschaft komme vor allem aus dem näheren Umkreis. Probieren können die Kunden am Tresen im kleinen Verkaufsraum neben dem Verkaufslager, wo nach Kerns Aussage über 25 verschiedene Sorten Wein – rot, weiß, rosé – auf Abholer warten. Für Verkostungen im größeren Stil habe er weder den Platz noch das Personal. Zu haben sind Kerns seit Jahren wiederholt mit Gold-, Silber- und Bronze-Kammermünzen ausgezeichnete Tropfen aber auch auf Weinfesten in der Region sowie auf Weinmessen wie „Wein am Dom“ in Speyer. Nach der klassischen Champagnermethode hergestellter Sekt – drei weiße und ein roter Spätburgunder-Merlot – steht ebenso auf der Preisliste wie Secco, Traubensaft und Glühwein. Die Preisspanne reicht laut Kern von drei bis zehn Euro. Abgesehen von den ganz teuren Weinen haben die Anbieter höherpreisiger Weine in jüngster Zeit Marktanteile verloren, weiß er. Angesichts der momentanen Wirtschaftslage und Krisen achteten die Leute offensichtlich mehr auf den Preis. Mit seinem Motto „gute Qualität zum guten Preis“ fahre er gut.

Die allgemeine Preisentwicklung spürt auch Kern. Wegen steigender Kosten, unter anderem für Energie und Glas habe er vor einiger Zeit seine Preise anpassen müssen. „Der Glaspreis hat sich verdoppelt, teilweise waren keine Weinflaschen mehr zu bekommen.“

Die Pflege der Reben ist Handarbeit. Bei der Ernte greift Kern auf seinen modernen Vollernter zurück.
Die Pflege der Reben ist Handarbeit. Bei der Ernte greift Kern auf seinen modernen Vollernter zurück.

Kerns Rebstöcke sind bis zu 30 Jahre alt. Erst dieses Jahr hat er einen Weinberg von 1963 neu angelegt. Ein Versuch: Aus den Trauben will er Cabernet blanc herstellen.

Das Weingut führt Dominik Kern nun in dritter Generation. Der landwirtschaftliche Betrieb ist deutlich älter. Bereits sein Ur-Ur-Großvater habe ihn bewirtschaftet. Früher sei das ein klassischer Mischbetrieb gewesen unter anderem mit Gemüse-, Getreideanbau und Viehhaltung. „Der Verkaufsraum war der Kuhstall.“ Weil seine Großmutter eine Tabakallergie hatte, wurde verstärkt auf den Weinbau gesetzt, der heute ausschließlich betrieben wird, so Kern. Sein Opa Ewald (90) und dessen Frau Nelly (88) lassen sich noch regelmäßig im Weingut blicken, wo sie ebenso wohnen wie ihre Kinder. Der Enkel, Dominik Kern, und seine Familie, die an anderer Stelle in Ottersheim wohnen, würden auf dem Weingut-Gelände zwar gern ein Wohnhaus errichten, aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik; genauso wie ein Hallenneubau und eine geplante 30-Kilowatt-Photovoltaikanlage, die an unterschiedlichen Hindernissen hängen.

Und was empfiehlt Kern für laue Sommerabende? Seinen Lieblingswein, einen trockenen Riesling, oder einen Spätburgunder Rosé – was Leichtes.

Info

Weingut Kern, Ottersheim, Lange Straße 90/92 , Telefon: 06348 77 64, E-Mail: WeingutKern@t-online.de, Internet: https://weingut-kern-ottersheim.de/.

Die Serie

Nicht nur an der Weinstraße bauen Pfälzer Winzer Reben an. Auch entlang des Rheins haben sich Weinbaubetriebe etabliert. Wir stellen die Weingüter im Landkreis Germersheim in einer Serie vor.

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