Kreis Germersheim Kandel: Rheinstraße wird Großbaustelle
Der lange geplante Ausbau der Rheinstraße, Teil der B 427, wird rund 3,8 Millionen Euro kosten. Die Arbeiten sollen Mitte/Ende Oktober beginnen und zwei Jahre lang eine der Schlagadern der Stadt lahmlegen. Bei einer Anwohnerversammlung sorgte die Frage nach Parkplätzen für Zündstoff.
Die Rheinstraße ist in Kandel schon seit geraumer Zeit Gegenstand vieler Diskussionen. Bereits 2014 gab es eine erste Anliegerversammlung zum geplanten Ausbau, durch den die Straße auch ihren Rennstrecken-Charakter verlieren soll – ein wichtiger Punkt für viele der Anwohner, die vom Durchgangsverkehr lärmgeplagt sind. Breitere Gehwege beziehungsweise eine schmälere Fahrbahn sowie Pflanzinseln sollen dafür sorgen, dass das hart erkämpfte „Tempo 30“ eingehalten wird. Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt seit Dezember 2016 dauerhaft, nachdem eine Bürgerinitiative jahrelang dafür eingetreten ist. Beim Blick auf die präsentierten Zahlen wird deutlich: Der Kampf gegen den Lärm hat seinen Preis. Die Gesamtkosten für den Ausbau von rund 3,8 Millionen Euro teilen sich auf drei Baulastträger auf. Für die Erneuerung der Fahrbahn entstehen dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro, die Kandeler Verbandsgemeindewerke müssen für Kanalarbeiten 1,3 Millionen aufbringen, eben soviel die Stadt Kandel für die Arbeiten am Gehweg. Daraus ergibt sich seitens der Stadt ein beitragsfähiger Investitionsaufwand von rund 1,25 Millionen Euro, wovon wiederum die Hälfte umzulegen ist. Konkret: Die Anlieger der Rheinstraße müssen 626.000 Euro bezahlen.
Baron: "Die Zahlen sind nur Schätzungen"
Nach dem Berechnungsbeispiel von Andreas Baron von der Verbandsgemeindeverwaltung muss ein Eigentümer eines 500 Quadratmeter großen Grundstücks einen Ausbaubeitrag von 4100 Euro leisten, ist das Areal 700 Quadratmeter groß, beträgt die Summe 5800 Euro. Grundlage der Berechnung sind laut Baron die Werte aus der Erneuerung der Straßenbeleuchtung in der Rheinstraße. Demnach beläuft sich die beitragsfähige Gesamtfläche auf 115.000 Quadratmeter, woraus ein Preis von 5,50 Euro pro Quadratmeter resultiert. Weil sich an den Ausgangswerten noch Änderungen ergeben könnten, wies Baron darauf hin, dass „die Zahlen nur Schätzungen sind“. Fällig wird der Betrag nicht auf einmal, sondern vermutlich in drei Raten. Zwar mussten einige der anwesenden Rheinstraßen-Anwohner bei diesen Summen mächtig schlucken, für mehr Diskussionen sorgte allerdings ein anderes Thema. „Wo parken wir während der Bauphase alle?“, lautete die Frage aus dem Publikum. Oberste Prämisse sei: „Auf dem eigenen Grundstück“, antwortete Stadtbürgermeister Günther Tielebörger (SPD). „Außerdem sind Parkausweise, die das Abstellen der Fahrzeuge in der Juststraße erlauben, eine Möglichkeit.“
Parkproblem nicht gelöst
Das Problem an diesem Vorschlag: Die eigenen Grundstücke sind während der Arbeiten teils nicht befahrbar, zudem gibt es in der Juststraße kaum freie Parkplätze. Beschwichtigend konnte Tielebörger ins Feld führen, dass die Zufahrten nicht länger als zwei, drei Tage blockiert seien, außerdem „wurde beim Ausbau der Juststraße gemeinsam mit der Baufirma auch eine Lösung gefunden“. Viel Anklang fand in diesem Zusammenhang der Vorschlag von Verbandsbürgermeister Volker Poß (SPD), dem ein wöchentliches Treffen vorschwebt, bei dem alle Beteiligten inklusive der Anwohner über etwaige Probleme sprechen können. Am Ende blieb festzuhalten, dass eine Lösung des Parkproblems zum jetzigen Zeitpunkt nicht gefunden werden konnte. Vielmehr müsse das zu gegebener Zeit vor Ort passieren, wie Poß betonte. Eine weitere Frage, die ebenfalls nicht konkret beantwortet werden konnte, ist die der Müllabfuhr. „Auch das können wir heute nicht lösen“, sagte Tielebörger. Er sicherte jedoch unmissverständlich zu: „Der Müll wird immer abgeholt werden.“
Erst Gremien, dann Stadt- und Verbandsgemeinderat
Nach einer guten Stunde resümierte der Stadtbürgermeister, dass es aus seiner Sicht keinen Aufstand gegen die präsentierte Planung gebe. Als nächstes befassen sich die zuständigen Gremien mit dem Thema, ehe im Stadtrat am 14. September und im Verbandsgemeinderat am 25. September die jeweiligen Bauvergaben beschlossen werden sollen.