Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Impfzentrum öffnet bald wieder

Bald soll sich die Tür zum Impfzentrum Wörth wieder öffnen.
Bald soll sich die Tür zum Impfzentrum Wörth wieder öffnen.

Das Impfzentrum Wörth wird in jedem Fall wieder hochgefahren. Am Dienstag entscheidet sich, ob als Landesimpfzentrum oder unter kommunaler Regie. Der Landrat nennt schon einen möglichen Starttermin und die erste verfügbare Charge an Impfdosen. Der Amtsarzt mahnt indes, dass Impfungen alleine nicht ausreichen werden.

Auf einmal geht alles ganz schnell: Bei einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Kreisausschusses wurde am frühen Montagabend der Grundstein für die Reaktivierung des Impfzentrums im Hafengebiet von Wörth gelegt. Denn der Landrat wurde vom Ausschuss bevollmächtigt, „unverzüglich, ohne auf die ausdrückliche Zustimmung aus Mainz zu warten“ wieder die erforderlichen Schritte einzuleiten. Dazu zählen unter anderem die Verlängerung der Mietvereinbarung und das Rekrutieren von Personal. Das bedeutet im Klartext: Das Impfzentrum in Wörth wird in jedem Fall wieder seine Tore öffnen, sei es nun unter der Ägide des Landes oder unter der Regie des Kreises.

Die Inzidenz im Landkreis liegt Stand Montag bei knapp 425, der Kreis Südliche Weinstraße und die Stadt Landau schließen langsam auf. Entsprechend groß war die Verärgerung in der Südpfalz am Freitag: Die Landräte Fritz Brechtel und Dietmar Seefeldt sowie der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (alle CDU) hatten aus einer Schalte der kommunalen Spitzen mit dem Gesundheitsministerium mitgenommen, dass zwar vier Impfzentren wieder hochgefahren werden. Die Einrichtung in Wörth sollte aber nicht dabei sein. Nun steht am Dienstag ein weiteres Gespräch an.

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Jetzt starten, damit man Ende November öffnen kann

Landrat Brechtel zeigte sich im Vorfeld ausgesprochen optimistisch: „Die nicht offziellen Nachrichten sind positiv“, sagte er im Kreisausschuss. Möglicherweise würden alle Impfzentren im Standby-Modus wieder hochgefahren, „da wären wir automatisch auch dabei“. Mit der Bevollmächtigung geht der Landkreis nun quasi in Vorleistung. „Wir können nicht warten. Wenn wir Ende November starten wollen, dann müssen wir jetzt beginnen“, sagte Brechtel.

Ende November heißt vielleicht konkret 24. November. Denn dann werden die Impfzentren im Land mit einer ersten Charge von 2000 Impfdosen beliefert. Soviel wusste der Landrat schon von einer Konferenz der Impfkoordinatoren zu berichten.

Zuvor hatte Amtsarzt Christian Jestrabek eindringlich für die Öffnung des Impfzentrums geworben. Gleichzeitig machte er klar, dass für ihn aber auch andere Aspekte wichtig sind, um die Welle zu brechen. Derzeit „katapultieren wir uns in eine dramatische Lage“, sagte er kritisch. „Das Einzige, was uns beruhigen kann: Es gibt noch keine weiteren Todesfälle.“

Nachverfolgung ist nicht mehr möglich

Gerade gelten 999 Menschen im Kreis als nachweislich positiv mit einer Infektion mit dem Coronavirus getestet und „in Überwachung“. Allerdings sei auch im Kreis keine Kontaktverfolgung mehr möglich, sagte Jestrabek. „Jeder Fall hat 20 bis 30 Kontakte. Das kann man nicht abtelefonieren, das ist nicht zu leisten.“

Das sei bedauerlich, da sich das Durchschlagen von Infektionsketten als ein probates Mittel erwiesen habe. Die Aspekte der Hygiene – Maske tragen, Abstand halten, desinfizieren – kommen derzeit seines Erachtens zu kurz. „Die Bevölkerung verhält sich, als ob man durch Einschränkungen genug Abbitte geleistet habe.“ Die Impfung ist seines Erachtens in gewisser Hinsicht überschätzt: Sie schützt zwar vor schweren Verläufen, aber nicht davor, dass man sich infiziert. „Wir sind nicht gefeit, wir sitzen nicht in einer Rüstung“, mahnte der Amtsarzt. Deshalb sieht er die Fixierung auf die Auslastung der Intensivbetten mit Sorge: „Wenn wir diese Hoheit verloren haben, ist es zu spät.“

Der Amtsarzt plädierte daher für einen zweigleisigen Ansatz: Das Impfzentrum sollte zum Beispiel für Booster-Impfungen genutzt werden, Impfbusse sollten Station machen und Impfteams in betroffene Seniorenheime gehen. Gleichzeitig sollten auch die niedergelassenen Ärzte weiter impfen.

Die Mitglieder des Kreisausschuss begrüßten sämtliche Ideen und Maßnahmen. Mit zehn Ja-Stimmen und einer Enthaltung (AfD) stimmten sie der Bevollmächtigung des Landrats zu. Eine Anregung kam noch vom Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD): Der Kreis solle sich direkt dafür einsetzen, dass das Impfzentrum bis mindestens März 2022, noch besser bis Ostern, betrieben werden könne. Das würde auch das Einstellen von Haushaltsmitteln erleichtern. Nur für den Fall, dass man das Impfzentrum doch selbst betreiben müsste.

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