Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffnung auf Lockerungen nach der Impfung

Weitere Lockerungen für Pflegeheime soll es geben, wenn die erneute Impfrunde durch ist. Das Foto entstand bei der ersten Runde
Weitere Lockerungen für Pflegeheime soll es geben, wenn die erneute Impfrunde durch ist. Das Foto entstand bei der ersten Runde in Westheim.

KREIS GERMERSHEIM. Fast 90 Prozent aller Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind mittlerweile geimpft. Doch der Alltag in den Heimen hat sich kaum geändert. In den Heimen im Landkreis ist die Hoffnung auf Lockerungen der Kontaktbeschränkungen zumindest innerhalb der Heime groß. Doch hierzu ist eine neue Landesverordnung nötig. Die Landesregierung deutet erste Lockerungen an.

„Ob geimpft oder nicht, das macht aktuell keinen Unterschied“, sagt Joachim Grabe, der Einrichtungsleiter des AWO Seniorenhaus in Jockgrim. Die geltende Landesverordnung für Alten- und Pflegeheime sehe keine Ausnahmen für geimpfte Personen vor. Das Essen finde weiter auf den einzelnen Etagen statt und etagenübergreifende Begegnungen und Veranstaltungen seien in seinem Pflegeheim weiterhin nicht möglich. Auch in Germersheim sind der große Speisesaal und die Cafeteria noch immer für alle Bewohner geschlossen. Die 15 Bewohner aus den drei Wohnbereichen essen gemeinsam auf ihrem Stockwerk. „In den Wohnbereichen sind die Regelungen wie in einer Familie, nur dass die Familie bei uns größer ist“, sagt der Pflegedienstleiter des Caritas-Altenzentrum St. Elisabeth Claudio Gruber. Auch gemeinsame Ausflüge in den Garten könnten die Wohngruppen nur nacheinander machen. Draußen seien jetzt wieder Angebote der Kirche oder anderer sozialer Organisationen zum Spazierengehen möglich. „Drin ist aber nichts möglich. Da hat sich nichts geändert“, sagt Gruber.

Auch Jasmin Grundler von der Senioren-Residenz in Lustadt vermisst viele Veranstaltungen: „Gemeinsame Ausflüge, Musikabende oder der Singkreis, das fällt alles weiterhin aus.“ Die Bewohner seien aber sehr froh, draußen spazieren gehen zu können, sagt Hendrik Kleinfeldt vom Altenpflegeheim Palatina in Westheim. „Sie können auch abgeholt werden. Es ist ein großer Vorteil, mal raus gehen zu können.“ Doch für die häufigeren Begegnungen im Freien ist mehr die wärmere Jahreszeit als eine neue Regelung nach der Impfung verantwortlich: „Die Bewohner konnten schon immer raus gehen. Da haben wir schon immer drauf geachtet“, sagt Gruber.

„Immer auf 100 Prozent“

„Die Ausnahmesituation hält an, wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen weiter hochhalten“, sagt Kleinfeldt. Zwar sei es nach den erfolgten Impfungen „ein bisschen entspannter geworden“, doch es bleibe die Angst, dass es wieder los gehe. „Man läuft immer auf 100 Prozent, weil immer die Furcht da ist, es könnte doch zu einer Infektion kommen“, sagt der Heimleiter. Die Bewohner werden weiter zweimal pro Woche getestet. „Das ist aufwendig und ärgerlich“, sagt Gruber, der sich immerhin über die neuen Nasenabstrichtests freuen kann. „Jetzt mit den weniger unangenehmen Popel-Tests haben wir eine höhere Akzeptanz.“ Auch die allgemeinen Einschränkungen im Zusammenleben würden weitgehend akzeptiert. „Für die Bewohner ist das mittlerweile ganz normal“, sagt Gruber, sie hätten sich wie wir alle weitgehend an die neuen Beschränkungen des Alltags gewöhnt.

Für das Personal in den Heimen bleibt ein „hoher organisatorischer Aufwand“, sagt Grabe. „Bei den Dienstplänen müssen wir darauf achten, dass möglichst die gleichen Mitarbeiter die Bewohner betreuen. Dazu kommen die vielen Tests.“ Auch jeder Besucher wird weiter am Einlass schnellgetestet und vielfach ist eine vorherige Anmeldung nötig. Das Testangebot außerhalb erleichtere das Prozedere ein wenig, da auch frische Schnelltests von anderen medizinischen Stellen akzeptiert werden, sagt ein anderer Heimleiter.

Lockerungen in Aussicht

Im Mai werden auch die letzten Bewohner und Mitarbeiter der Pflegeheime im Landkreis Germersheim gegen das Coronavirus geimpft. Nach einem Corona-Ausbruch im Haus Edelberg in Bellheim konnten dort viele im ersten Durchgang nicht geimpft werden. Am 8. Mai sollen 57 Bewohner und 46 Mitarbeiter nun ihre erste Dosis erhalten. Ebenfalls ab Mai sollen in Bellheim alle Bewohner, die wollen, wieder gemeinsam im Speisesaal des Hauses essen können, sagt Bernhard Rössler.

Auf solche Lockerungen hoffen viele Heime. Die Landesregierung will dabei die zweite Impfrunde in den Heimen abwarten, die alle berücksichtigen soll, die beim ersten Mal nicht impffähig waren, nicht wollten oder noch nicht im Heim waren. Bis Ende April sollen landesweit 90 Prozent der Heimbewohner geimpft sein. „Sobald die Zweitimpfungen abgeschlossen sind, sind auch Änderungen der Regelungen für diese Personengruppe angedacht. Diese möglichen Lockerungen im Bereich der Altenpflegeeinrichtungen werden aktuell in der zuständigen Fachabteilung geprüft“, teilte das Gesundheitsministerium des Landes auf Anfrage mit.

„Sobald es Lockerungen gibt, setzen wir die um“, sagt Grabe. Erste Öffnungsschritte wären für ihn das gemeinsame Essen aller und andere etagenübergreifende Veranstaltungen. „Das ist das erste, was wir machen wollen.“ Er hofft, dass die neue Verordnung wieder mehr Kontakte zulassen wird. „Die Einschränkungen treffen hochbetagten Menschen. Persönliche Begegnungen sind nicht nur sehr wertvoll, sondern könnten für sie auch die letzten sein.“

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