Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Höhere Mehrwertsteuer für Gastwirte „ein Schlag ins Gesicht“

Andreas Jäger vom Bayerischen Hof in Wörth muss die Speisekarte überarbeiten.
Andreas Jäger vom Bayerischen Hof in Wörth muss die Speisekarte überarbeiten.

Ab 2024 sollen Speisen in der Gastronomie wieder voll besteuert werden. Die Wirte sind wütend auf die Politik. Auch in preisgünstigen Restaurants in der Region müssen Gäste mit höheren Preisen rechnen.

Lange wurde gerungen. Doch jetzt hat die Bundesregierung beschlossen, das Essen in der Gastronomie ab dem kommenden Jahr wieder mit dem vollen Mehrwertsteuersatz zu berechnen. Im Zuge der Corona-Krise war das gastronomische Essen temporär nur noch mit sieben Prozent besteuert worden. Viele Gastronomen hofften auf eine Fortsetzung dieser Regelung.

„Ich bin überrascht und total enttäuscht von der Politik“, sagt Daniela Gehrlein vom Karpfen in Neupotz. Sie ist lange noch davon ausgegangen, dass die Bundesregierung vor Weihnachten noch einen Rückzieher machen würde. Von der Entscheidung seien nicht nur die Wirte betroffen. „Das trifft jetzt alle. Die Welt voller schlechter Nachrichten. Da ist essen gehen und sich verwöhnen lassen, doch eine wichtige Abwechslung für die ganze Bevölkerung. Jetzt können das viele wahrscheinlich nicht mehr machen.“ Betroffen sei der gesamte Mittelstand.

Gäste schon jetzt zurückhaltender

Andreas Jäger aus dem Bayerischen Hof in Wörth muss in den kommenden Wochen die Speisekarte komplett überarbeiten. „Wir werden die Preise anheben müssen. Die Energiepreise sind hoch gegangen und auch die Fleischpreise gestiegen. Wenn jetzt die zwölf Prozent Umsatzsteuerersparnis wegfallen, haben wir keinen Raum mehr zum Spielen.“ Die letzte Preiserhöhung sei kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie erfolgt. „Alle Gastronomen müssen jetzt gucken, wo sie bleiben. Eine volle Gaststätte bringt nichts, wenn am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt“, sagt Jäger. Trotz der allgemeinen Preissteigerungen sei der Bayerische Hof im Moment auch durch einige Weihnachtsfeiern gut besucht, aber unter der Woche seien die Gäste zurückhaltender. „Die Leute schauen genauer, was sie zu welchem Preis bestellen“, sagt Jäger.

„Es ist ein Schlag ins Gesicht“, sagt auch Wula Tzana vom Restaurant Poseidon in Landau. In dem griechischen Restaurant kostet derzeit kaum ein Hauptgericht mehr als zehn Euro. „Wir wollen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und kämpfen mit Händen und Füßen gegen jede Preiserhöhung.“ In den letzten zwei Jahren seien die Preise nur im Cent-Bereich erhöht worden. Doch mit der Mehrwertsteuererhöhung jetzt müsse man auch im Poseidon bald mehr für das Essen bezahlen. „Die aktuellen Energie- und Einkaufskosten sind nicht fair. Wir wollen aber in der Qualität gleichbleiben, daher können wir beim Einkauf nicht sparen“, sagt Tzana, die keine andere Möglichkeit als eine Preiserhöhung mehr sieht.

Wollen alle Gäste gleich behandeln

Für Tzana ist durch die Steuererhöhung ein zentrales Prinzip des Poseidons in Gefahr. „Wir wollen allen Menschen ermöglichen mindestens ein, zwei Mal im Monat zu uns zu kommen. Von Sozialhilfe bis Menschen, die 5000 Euro haben, jeder bekommt bei uns die gleiche Behandlung. So wollen wir das erhalten und das ist jetzt in Gefahr.“ Noch beraten sie im Poseidon, wie hoch die Preiserhöhung ausfallen müsse. „Unser Hauptanliegen ist, dass es die Gäste nicht zu sehr trifft. Das wollen wir vermeiden, sonst sitzen wir bald im leeren Lokal.“ Schon in den letzten Jahren habe Tzana stets auf die Bedürfnisse der Gäste geachtet. „Wir haben auf Gewinn verzichtet, um erschwingliche Preise zu sichern.“

Auch Manh Tan Nguyen vom Restaurant Kanton in Landau sieht sich gezwungen, an der Preisschraube zu drehen. „Die Preise müssen erhöht werden. Alles ist teurer geworden. Mit sieben Prozent Steuern konnten wir das noch auffangen, aber das geht jetzt nicht mehr.“ Noch hofft er, dass der Gaststättenverband Dehoga in letzter Minute etwas bei der Politik erreichen kann. „Ich rechne aber nicht damit, dass noch etwas zu retten ist. Wir sind abhängig vom Staat und können nichts anderes machen“, bedauert Nguyen die nötigen Preiserhöhungen.

Hoffnung auf Getränkekonsum

Im Neupotzer Karpfen will Gehrlein auf höhere Preise verzichten. „Ich kann keine zehn Prozent mehr aufschlagen. Das wäre zu viel. Wir mussten in den letzten Jahren schon die Preise erhöhen.“ Wenn sie jetzt nochmal mehr verlange, kämen ihre Stammgäste nicht mehr, fürchtet Gehrlein. Sie hofft darauf, dass sie die Verluste anderweitig wettmachen kann. „Die Wirte verdienen nicht am Essen, sondern an den Getränken.“ Für Getränke wurde auch in den vergangenen Monaten immer der volle Mehrwertsteuersatz angelegt. „Nach einem halben Jahr schaue ich mir an, wie sich das entwickelt.“

Sie fürchtet trotzdem Konsequenzen für alle. „Wir sind ein etablierter Betrieb und müssen keine Pacht zahlen, aber für andere wird es schwer.“ Auch ihre Angestellten und letztlich die gesamte Bevölkerung sei von der Entscheidung getroffen. „Es wird dann auch weniger Trinkgeld geben. Eigentlich arbeitet man in Gastronomie, da es hier etwas mehr als den Mindestlohn gibt. Meine Angestellten werden künftig weniger Geld zum Ausgeben haben. Das ist eine Spirale nach unten.“ Auch der Steuersäckel werde durch die Entscheidung nicht größer, schätzt Gehrlein. „Ich schätze, dass künftig 20 Prozent weniger umgesetzt wird. Da ist dem Staat auch nicht mit geholfen.“

 Ohne Preiserhöhung geht es nicht, sagt Wula Tzana vom Restaurant Poseidon in Landau.
Ohne Preiserhöhung geht es nicht, sagt Wula Tzana vom Restaurant Poseidon in Landau.
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