WESTHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Flirt auf dem Strommast

Halten seit 65 Jahren eisern zusammen: Joachim und Elisabeth Krüger.
Halten seit 65 Jahren eisern zusammen: Joachim und Elisabeth Krüger.

Spannend ist ihr gemeinsamer Lebensweg. Und unter Spannung bahnte dieser sich an. Gefunkt hat es bei ihm gleich. Etwas später stand auch sie unter Strom: Mittlerweile sind Elisabeth und Joachim Krüger aus Westheim seit 65 Jahren verheiratet und haben stets eisern zusammengehalten.

Sie ist Wessi, Pfälzerin, Dorfmädel, Lustadterin. Er ist Ossi, Thüringer, Stadtbursche, Erfurter. Die Funken flogen in Lustadt. Joachim war 1953 in die Pfalz gekommen, um andere aufs Kreuz zu legen. Und schaffte das auch. Legal! Der DDR-Meister im Judo nahm an den Deutschen Meisterschaften in Ludwigshafen teil und belegte in seiner Klasse den Silberrang. Der Elektro- und Hochspannungskabelmonteur hatte vor der Abreise mit seiner Mutter verabredet, im Westen zu bleiben. Eine Bleibe fand er bei einem Sportbegeisterten in „LU“, Arbeit erst bei der Firma Pollux, dann bei der Rhein-Elektra. Für die Pfalzwerke sollte diese auch das Ortsnetz in Lustadt umbauen.

Ein Mann wie Elvis Presley

Für Krüger erfüllte sich ein Wunsch: „Ich wollte schon immer auf Freileitungen.“ Dort widmete er sich aber nicht nur der Elektrizität, sondern ihn elektrisierte auch die fesche „Liesel“, die immer wieder vorbeikam. Von oben hatte er gute Aussicht. Seine Aussichten auf die Auserwählte waren aber weniger gut: „Der hat mir nachgepfiffen, auch durchs Fenster geschaut und ausgesehen wie Elvis Presley.“ Vom Schlag getroffen war sie aber nicht. Gegenüber ihrer Mutter bezeichnete sie den jungen Mann als „frechen Stadtschisser“, der sie in Ruhe lassen soll. Funkstille? Im Gegenteil! Die Funken flogen stärker: Geplänkel vom Dach und durchs Fenster häuften sich. Und auch bei „Liesel“ kribbelte es.

Bei einem zufälligen Treffen auf dem Handkeesfescht 1954 knisterte es. Und die Anspannung der Teenager entlud sich in einem ersten Kuss. Rumms! Sie waren ein Paar. „Von dort an war ich sehr verliebt“, versichert Elisabeth. Gerne gingen sie spazieren oder fuhren mit dem Motorrad ins Kino nach Landau. Am 21. April 1956 sagten die beiden 19-Jährigen im Standesamt Niederlustadt und in der evangelischen Kirche Oberlustadt zueinander Ja. Joachim zog in die elterliche Wohnung von Elisabeth, die Ackermann hieß.

Mit dem Wohnmobil durch Europa

Joachim, der handwerklich versiert ist, spricht von einem Leben voller Arbeit: „Ich habe das immer mit Lust und Liebe getan.“ Neben seinem Beruf, dem er seit 1972 als Selbstständiger nachging, hat er neun Häuser (um)gebaut, viele wieder verkauft. Zeitweise führten die Krügers das ehemalige Lustadter Lokal „Zur Einigkeit“, hatten ein Möbelgeschäft, einen Heißmangelbetrieb und verliehen anfangs Bücher. „Liebe“ und „viel Arbeit“ sind nach Angaben des Paares, das 1983 nach Westheim zog, für das gute Miteinander verantwortlich.

Bei langen Reisen mit dem Wohnmobil tankten die beiden neue Energie. Oft waren sie „am Meer“. Mitten im Winter ging es in die Türkei. Auch Bulgarien und Griechenland sind ihnen nicht fremd. Lange besaßen sie ein Grundstück auf Elba. Vor zwei Jahren haben sie ihre beiden Häuser in Ungarn verkauft. Die nächste Reise nach Österreich und Ungarn mit dem neuen Wohnwagen haben die beiden 84-Jährigen aber bereits geplant: „Ansonsten haben wir keine großen Wünsche mehr. Uns geht’s gut.“ Für den Architekten mit einem Modell vorgeplant hat Joachim, der gerne im Garten arbeitet, das Sängerheim der Lyra Lustadt, dessen Männerchor er bis zu dessen Auflösung 2014 37 Jahre als Bass bereichert hatte. Elisabeth hat früher gerne gekocht, gebacken, gemalt und Gedichte geschrieben. Jetzt kommuniziert sie gerne mit dem Smartphone mit Familienmitgliedern. Sie liest aber immer noch gerne – Illustrierte, die Bibel und die RHEINPFALZ. Eine Feier anlässlich der Eisernen Hochzeit heute mit den drei Töchtern, dem Sohn, den neun Enkeln und den sieben Urenkeln in einer Gaststätte fällt wegen der Pandemie leider aus.

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