Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Diebesgut Zuchtvögel: „40 Vögel für 30 Euro, da kommt was zusammen“

Schneeeule Smilla erlitt bei einem Einbruch eine schwere Verletzung über dem Auge.
Schneeeule Smilla erlitt bei einem Einbruch eine schwere Verletzung über dem Auge.

Aus dem Vogelpark des Vogelzucht- und Waldvogelliebhabervereins Wörth im Kreis Germersheim sind bei einer Einbruchserie etliche Vögel verschwunden, Schneeeule Smilla erlitt eine schwere Verletzung. Was hat es mit dem Vogelklau auf sich? Ein Anruf beim Vereinsvorsitzenden.

Der Vogelzuchtverein betreibt am Altrhein nördlich des Wörther Altorts seit 1992 seinen Vogelpark, der auch öffentlich zugänglich ist. Juni Huber hat mit Vereinschef Theo Binkele über die Einbruchserie gesprochen.

Herr Binkele, was ist bei Ihnen passiert?
In unseren Vogelpark wurde in den vergangenen drei Wochen drei Mal eingebrochen. Jedes Mal wurden Vögel mitgenommen.

Wie hoch ist denn der Schaden?
Der Schaden beläuft sich etwa auf 5000 Euro, es könnten auch 7000 oder mehr sein. Die Preise für die Vögel schwanken, für einen Lori zum Beispiel zwischen 600 und 2400 Euro – je nachdem, wie zutraulich die sind. Da habe ich dann nur 750 Euro angenommen, es könnte aber auch viel mehr sein.

Welche Tiere fehlen Ihnen denn?
Mehrere Kanarienvögel, ein Rostkappenpapagei, mehrere Wellensittiche, mehrere Nymphensittiche, zwei Loris, zwei Agaporniden und ein spezieller dunkelblauer Wellensittich, der relativ viel wert ist.

Ihre Schneeeule Smilla hat sich bei einem der Einbrüche offenbar gewehrt und wurde schwer am Auge verletzt. Wie geht’s ihr?
Sie ist auf dem Weg der Besserung, aber es wird noch Wochen dauern, bis sie sich erholt hat. Unser Zuchtwart hat sie untersucht; das Auge ist noch da, oberhalb des Auges ist ein Loch, dessen Ursache wir uns nicht erklären können. Derzeit schont sie das Auge, wenn die Sonne scheint, das sieht dann schlimm aus. Wenn die Sonne weg ist, macht sie das Auge auf. Wir gehen davon aus, dass es wieder heil wird.

Wie kommt man denn überhaupt auf die Idee, Vögel zu stehlen?
Es ist bisher jedenfalls in der Geschichte des Vereins noch nie vorgekommen, wir sind alle total erschüttert, dass so etwas überhaupt gemacht wird. Und dann auch noch dreimal innerhalb von zwei Wochen!

Glauben Sie, dass das dreimal dieselben Leute waren?
Davon gehen wir aus, ja.

Denken Sie, dass die Einbrecher wussten, welche Vögel sich als Diebesgut rentieren?
Es wurden nicht nur wertvolle Vögel gestohlen. Von den Kanarienvögeln beispielsweise haben sie einfach mehr mitgenommen; ich gehe davon aus, dass sie schon ihre Abnehmer haben. Wenn man da 40 Vögel für 30 Euro nimmt, dann kommt auch was zusammen.

Wie transportiert man denn gestohlene Vögel ab? Schlagen die Tiere keinen Krach?
Wir vermuten, dass die Einbrecher Kartons, Säcke oder Käfige verwendet haben. Die Vögel machen normalerweise schon Krach, nachts sind sie etwas zurückhaltender. Wir sind mit dem Vogelpark so abseits, dass es niemand gehört hat. Wir haben die Nachbarn gefragt, von denen hat niemand was gehört. Vielleicht war Smilla etwas lauter – sie ist ja ein Nachtvogel – und wurde deshalb attackiert. Das sind aber nur Vermutungen.

Wurden Ihre Vögel womöglich auf Bestellung gestohlen?
Wir ziehen alles in Erwägung. Ob die Vögel gestohlen wurden, weil man sich versprochen hat, sie teuer verkaufen zu können, oder ob da Leute waren, die welche von unseren Vögeln haben wollten – wissen wir nicht.

Gibt es einen Schwarzmarkt für Vögel?
Ich bin überzeugt davon, dass es den gibt. Wo und an wen da verkauft wird, ob an private Liebhaber hier in der Gegend oder weiter weg oder sogar ins Ausland – keine Ahnung. Ich denke aber, dass die Vögel schon verkauft sind.

Gibt es für Vogel aus dem regulären Handel und aus seriöser Zucht Zertifikate oder andere Dokumente?
So was gibt es. Für unsere Papageien haben wir Belege, wo wir sie gekauft haben. Bei Greifvögeln – von denen keine gestohlen wurden – gibt es eine Dokumentationspflicht, die sind beringt und wären viel schwerer zu verkaufen.

Jetzt haben Sie im Vogelpark die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.
Ja, wir haben Wildkameras aufgestellt. Das war aber nicht sehr effektiv, weil die Kameras ansprachen und Aufnahmen gemacht haben, sobald sich Blätter bewegt haben – da war dann schnell die Speicherkarte voll. Jetzt haben wir eine komplette Videoanlage, deren Bilder aufs Handy gesendet werden. Die wurde zum Glück von Privatleuten gesponsort. Auch die Polizei unterstützt uns bei unseren Nachtwachen.

Wie komme ich denn auf seriösem Wege an einen wertvollen Vogel heran?
Da kann ich nur dazu raten, sich an renommierte Vogelvereine, Zoos oder Züchter zu wenden. Wer von privat kauft, sollte sich die Papiere aushändigen und diese von Fachleuten prüfen lassen.

Der Vogelpark hat auch Vögel angeboten bekommen, nachdem die Einbrüche publik wurden.
Ja, am Donnerstag brachte ein Ehepaar einen Kakadu vorbei, der wegen eines Umzugs abgegeben werden muss. Nächste Woche will uns jemand einen Nymphensittich bringen. Ein Züchter hat uns fünf Zuchtpaare zur Übernahme angeboten aus einem kleinen Zoo, der aufgelöst werden soll. Über dieses Angebot sind wir sehr glücklich.

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