Kreis Germersheim Das „Römerschiff“ wird für die Saison fit gemacht
Bald wird wieder eingekrant in Neupotz am Setzfeldsee. Doch vorher noch bekommt die Lusoria Rhenania, das „Römerschiff“, den letzten Schliff. In den Wintermonaten liegt es in seinem Quartier in der Südpfalzkaserne in Germersheim in der Halle, wo es vor acht Jahren gebaut wurde.
Auf einer Werkbank schwirren die Schleifmaschinen, da können die herausnehmbaren Teile, wie die Bodenplatten, besser bearbeitet werden. Im Boot selbst werden die Innenplanken per Hand geschmirgelt und dann mit Leinöllack in mehreren Schichten gestrichen. Denn wenn das Schiff wieder in das Wasser kommt, soll es gut daliegen. Der Bootslack leidet nicht nur unter dem Sonnenlicht und dem Wasser. Fast 7000 Gäste, die im letzten Jahr befördert wurden, rudern lernten und zudem noch einiges zur Römischen Geschichte und der Natur in der Rheinauen hörten, haben ihre Spuren hinterlassen. Die Handgriffe sitzen, es wird zügig gearbeitet. Erst beim Mittagessen bei Linsen mit Würstchen wird eifrig diskutiert. Nicht nur über die alljährlichen Arbeiten, auch über mögliche Verbesserungen am Schiff, die die Fahrten erleichtern und den Verschleiß mindern. Da wird getüftelt, überlegt und berechnet. So an der Halterung des Ruderblattes, die nun neu konstruiert wurde. Da ist Fachwissen gefragt und Heiner Borutta – im früheren Leben als Ingenieur tätig – erklärt begeistert wo der Druck auftrifft, wie viel „Kilo“ wirken, welcher Winkel nun günstiger ist. Schon jetzt sind 100 Anfragen für dieses Jahr vorgemerkt. Sogar Gruppen aus dem Ausland, aus Linz und aus Basel haben reserviert. Ab April geht es wieder los. Bis dahin sind die Gubernatoren – die Schiffsführer – unter sich. Wer Zeit hat trifft sich immer donnerstags in der „Winterwerkstatt“, einige Termine sind samstags. In circa 500 Arbeitstunden wurde diesmal nicht nur das Schiff selbst renoviert. „Für das Bootshaus am Anleger wurde eine neue Möblierung gezimmert. Alles in Eigenplanung und Eigenbau“, berichtet Dieter Heim, der Geschäftsführer des „Vereins zur Förderung von Umweltbildung und römischer Geschichte“. Er koordiniert sämtliche Abläufe, nicht nur im Winter. Im Sommer ist er für den „Fahrplan“ zuständig und fährt natürlich auch selbst das Schiff. Vereinsintern finden Fortbildungen statt. Heim sorgt für ein spannendes Programm. Er lädt Dozenten ein, die über Römische Geschichte referieren, wie die Archäologin Christina Wawrzinek aus Wilhelmshaven, die über antike Häfen im Mittelmeer informierte. Begeistert waren die Mitglieder bei einem Besuch in der Keramikwerkstätte Schnorr in Rheinzabern, wo an praktischen Beispielen die Herstellung der römischen Terra Sigillata Keramik gezeigt wurde. Und die Besucher auch selbst eine Schüssel anfertigen durften. Die diesjährige Exkursion führt nach Trier, wo der Experimentalarchäologe Christoph Schäfer von der Uni Trier die Gruppe begleiten wird. Schäfer war zusammen mit dem Bootsbaumeister Matthias Helterhoff für den Bau der Lusoria verantwortlich. Helterhoff kommt wie jedes Jahr, um demnächst die Endkontrolle abzunehmen und um zu kalfatern: Eigenhändig bringt er Hanf und Teer zwischen die Schiffsplanken ein. Denn dicht muss sie sein, die Lusoria, bevor sie im März wieder nach Neupotz transportiert wird.