Freckenfeld
Das Gästehaus Jakobshof bangt um seine Existenz
Leere Zimmer. Leere Betten. Draußen zieht der warme Frühling in das von Touristen so geschätzte Naturschutzgebiet Bienwald ein. Drinnen aber steht im Jakobshof bis auf Weiteres alles still. Geschäftsführerin Isabel Busch ist verzweifelt. Die gelernte Köchin und Hotelfachfrau hat vor zehn Jahren mit Unterstützung ihrer Eltern das von 1906 stammende Bauernanwesen gekauft, saniert und als Gästehaus für zwölf Besucher umgebaut. Dazu eine Partyscheune für Familienfeste oder Betriebsfeiern. Im Sommer 2011 war Eröffnung.
Mit viel Einsatz ging es voran, jedes Jahr verbesserten sich Auslastung und Umsatz ein bisschen. Man konnte keine großen Sprünge machen, aber verlässlich den Kredit bedienen. Sowas macht Unternehmer stolz und glücklich. „Wir haben alles langsam in Etappen aufgebaut“, sagt Isabel Busch: „Und jetzt kam Corona!“
Bis Ende April noch liquide
In den Winterwochen beherbergt Isabel Busch hauptsächlich Geschäftsleute und Monteure, die in der Region arbeiten. „Für diese Gäste hätten wir in den letzten Tagen noch offen gehabt, aber die Betriebe haben ihre Leute wegen Corona gar nicht mehr rausgeschickt“, sagt die Chefin vom Jakobshof. Weil die Messen in Karlsruhe abgesagt wurden, blieben Gäste aus, noch Wochen bevor am 17. März das Verbot touristischer Übernachtungen erlassen wurde. Der Bienwald-Marathon im März, der ebenfalls meist Gäste mit sich bringt, wurde auf Oktober verschoben. Ob aber der Jakobshof den Herbst überhaupt noch erlebt, ist derzeit fraglich. „Bis Ende April bin ich noch liquide“, sagt Isabel Busch, die letzten Endes als „Ein-Frau-Betrieb“ arbeitet, vom Wäsche waschen bis Rezeptionsdienst. Die für viele Unternehmen jetzt angebotene Regelung zur Kurzzeitarbeit bringt ihr nichts.
Mit dem traurigen wirtschaftlichen Elend ist Isabel Busch jedoch nicht allein. Betroffen sind kleine wie große Betriebe. Über 60 Mitglieder sind im Tourismusverein Südpfalz-Kandel organisiert, der telefonisch momentan viel Auskunft gibt. Geschäftsführerin Sabine Bock spricht von einer dramatischen Lage. Sie wirke sich aber auf die Unternehmen unterschiedlich aus. „Manche Mitglieder sehen es gelassen“, sagt Sabine Bock, „andere sind schlichtweg in ihrer Existenz bedroht.“
Hausbanken vermitteln Darlehen
Beim Dachverband Südpfalz-Tourismus Landkreis Germersheim ist man geschockt. Dort wollte man eigentlich dieser Tage „voller Freude in die Outdoor-Saison starten“, stattdessen wurden Corona-Infos auf die Webseite geladen und die Betriebe angeschrieben, um über Umgang mit Stornierungen und Wirtschaftshilfen zu informieren. „Wir gehen davon aus, dass jeder Einzelunternehmer die Hilfen in Anspruch nimmt, die er für sich für richtig hält“, lässt der Südpfalz-Tourismus-Verein verlauten.
Aber durch die vielen Möglichkeiten muss man erst mal durchblicken. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz bietet etwa verschiedene Programmdarlehen an, die über die Hausbanken vermittelt werden. Um Tilgungsaussetzungen für die Kredite zu erhalten, müssen formlose Anträge gestellt werden und in Abstimmung mit der Hausbank vereinbart werden. Das allerdings flutscht derzeit, wo viele Banker im Homeoffice stecken, nicht ganz so leicht. Auch die bundesweite KfW bietet spezielle, auf die Corona-Krise zugeschnittene Finanzierungsmöglichkeiten. „Ich habe erstmal alles meinem Steuerberater überlassen“, sagt Isabel Busch: „Er will ein Konzept erarbeiten, welche Förderung uns hoffentlich auffangen kann.“
Sehnsucht nach dem Weihnachtsmarkt
Immer am zweiten Advent lädt der Jakobshof zu einem Weihnachtsmarkt ein. Den hatte Isabel Busch ursprünglich als Werbe-Event initiiert. Das Dorf und seine Leute sollten vertraut werden mit dem, was sich an dem alten Bauernhaus so tut. Ob es den Weihnachtsmarkt 2020 geben wird? Dass sie einmal vor Saisonstart im März Sehnsucht nach dem Weihnachtsmarkt haben würde, hätte sich Isabel Busch auch nicht träumen lassen. Corona bringt alles durcheinander.