Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Krise bremst Saugbagger aus

Seit Jahren ist das Germersheimer Unternehmen auf Wachstumskurs zur Freude der Geschäftsleitung Alfons Braun, Frank Walther und
Seit Jahren ist das Germersheimer Unternehmen auf Wachstumskurs zur Freude der Geschäftsleitung Alfons Braun, Frank Walther und Dominic Hurm.

Seit Jahren erlebt die Mobile Tiefbau Saugsysteme GmbH (MTS) mit ihren Saugbaggern stetes Wachstum. Auch 2020 hat für das Unternehmen sehr gut begonnen. 15 Fahrzeuge stehen derzeit auf dem Gelände – und niemand holt sie ab. Jetzt gibt es Kurzarbeit. Die Folgen sind für die Spezialisten – wie für viele Mittelständler – nicht abzusehen.

Auf dem Hof von MTS stehen mehrere fertige Saugbagger, bei manchen fehlt nur noch das Saugsystem, sind also teilweise fertig. Insgesamt sind es 15 Fahrzeuge. „Unsere Kunden holen die fertigen Produkte nicht ab“, sagt Alfons Braun, Firmengründer und einer der Geschäftsführer von MTS. Und ist damit schon bei einem Kern des Problems: Denn kann der Kunde nicht abholen, bezahlt er nicht. Doch MTS hat den auf den Kunden speziell zugeschnitten Lkw mit Saugsystem produziert und vorfinanziert. Ein Kunde löse in der Regel die Zahlung erst aus, wenn er das Produkt hat. Zugelassen werden müsse es aus versicherungstechnischen Gründen aber in dem Land, in dem es später benutzt werde.

Sohn kassiert Strafzettel

Und dann findet man endlich einen Kunden, der seinen Lkw abholen will, und „wir treffen uns am Grenzübergang in Lauterbourg“, erzählt Braun. Die Übergabe habe auf französischer Seite direkt am Grenzübergang geklappt. Doch der Geschäftsführer sei dann ohne Auto gewesen. Also habe sein Sohn, Dominic Hurm, ihn abgeholt. Und hat einen „Strafzettel von einem französischen Polizisten kassiert – 130 Euro – wegen illegaler Einreise“, sagt Braun, um sogleich ungläubig den Kopf zu schütteln.

Ein weiteres Problem für das Unternehmen ist der Techniker-Service. Kunden benötigten teilweise Techniker, weil man das Fahrzeug nicht bei einer „Werkstatt um die Ecke“ warten lassen kann, wie Braun sagt. Um in ein Land einreisen zu können, benötigen die Techniker ein ärztliches Attest, das nicht älter als vier Tage ist. Mit den bisherigen Corona-Tests sei das nicht möglich. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, alles ist unterbrochen“, sagt Braun.

Das trifft dem Ingenieur zufolge natürlich auch auf die Lieferkette zu. Zwar könne MTS sofort weiterarbeiten, die auf dem Hof stehenden Lkw fertigmachen, doch danach fehle für weitere Aufträge das Material. „Wir können vier Wochen überbrücken“, sagt Braun und verdeutlicht: Der Getriebezulieferer sitze in der Lombardei „mit ihren brutalen Ausgangssperren“, ein weiterer in Rumänien. Der bekomme keinen Stahl. Ganze Regionen werden lahmgelegt. „Wie wird es weitergehen?“, fragen sich Braun und sein Sohn.

Plötzlich ist eine Vater-Sohn-Diskussion in Gang. Was geschieht mit Zulieferern, wenn diese so in Schieflage geraten, dass sie vor dem Aus stehen? „Werden wir uns beteiligen?“, fragt Braun. „Das Know-how sitzt dort, wir brauchen das Fachwissen“, gibt Dominic Hurm die Antwort. Könnte MTS das leisten? Wie steht es um MTS selbst?

Wachstum bis Februar

140 der 150 Mitarbeiter bei MTS sind Braun zufolge in Kurzarbeit. Vater und Sohn sind über die Hilfsinitiativen des Bundes und der Länder sehr froh. Braun will seinen Mitarbeitern nämlich nicht kündigen, da es „viel Energie benötigte, die Mitarbeiter zu finden“. Braun hofft auch, dass die Politik, namentlich Finanzminister Scholz, ihre Ankündigung wahr macht, das Geld wirklich steuerfrei auszuzahlen. Für die Mitarbeiter hoffe er, dass die staatliche Hilfe schnell kommt. Für die Firma bedeute es, dass Geld gespart werden könne.

MTS selbst ist in den „vergangenen 20 Jahren langsam gewachsen – ohne Fremdkapital“, wie Braun stolz sagt. 2019 sei ein hervorragendes Jahr gewesen. Gegenüber 2018 sei der Umsatz um rund 30 Prozent gewachsen. „Für 2020 hatten wir uns noch mehr vorgenommen“, sagt Braun. „Im Februar haben wir 16 Fahrzeuge ausgeliefert“, ergänzt Hurm. Jedes Fahrzeug koste um die 400.000 Euro. „Wir waren für dieses Jahr ausgebucht“, sagt Braun. Nun hoffen beide, dass die Zahlen von 2019 noch erreicht werden. Und auch, dass die Kunden nicht abspringen, die Aufträge wegbrechen. Da nicht alle Länder ihre Beschränkungen zeitgleich aufheben, geht Braun davon aus, dass das Geschäft langsam anzieht. Ein holländisches Unternehmen wolle ein Fahrzeug jetzt abholen.

Mobile Saugbaggersysteme können auf die unterschiedlichsten Trägerfahrzeuge montiert werden.
Mobile Saugbaggersysteme können auf die unterschiedlichsten Trägerfahrzeuge montiert werden.
Das Foto zeigt Fahrzeuge, die in einer Halle des Unternehmens stehen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2018.
Das Foto zeigt Fahrzeuge, die in einer Halle des Unternehmens stehen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2018.
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