Kreis Germersheim Beim Handwerk 4.0 geht es auch um Service
Die Digitalisierung werde das Handwerk nicht ersetzen, Handel und Industrie übrigens auch nicht, vielmehr gehe es um Service. Das sagte Christoph Krause vom Kompetenzzentrum digitales Handwerk am Mittwochabend beim zweiten Kreiswirtschaftsforum in Kandel vor etwa 40 Zuhörern. Eingeladen hatte Kreiswirtschaftsförderin Maria Farrenkopf.
Krause appellierte an die Handwerker querzudenken, sich zu fragen „Was passiert jenseits meines Gewerks?“. Das müsse geschehen, obwohl es dem Handwerk derzeit sehr gut gehe, denn die Industrie wolle nächstes Jahr beispielsweise noch mehr Heizungsanlagen verkaufen. Und dazu benötigt sie Handwerker. Von diesen sollte jeder Selbstständige sein Geschäftsmodell überdenken, „zusammen mit Freunden, die Kunden sein sollten“, und die Arbeitsprozesse auf Schwachstellen abklopfen. Dann gelte es junge Fachkräfte zu suchen, die helfen, das neue digitale Konzept umzusetzen. Dabei sei auch „Social Media“, also Facebook und Co wichtig, „aber dann richtig, nicht nur bunte Bildchen“. Es gelte Geschichten zu erzählen, dem Kunden das Produkt zu zeigen und ihm die Möglichkeit einzuräumen, sich sein Wunschprodukt am Bildschirm gegebenenfalls selbst zu kreieren, zum Beispiel einen Tisch. Das spare dem Handwerker auch Zeit, weil er sich die Fahrt zum Kunden sparen kann. Wie läuft die Digitalisierung aktuell ab? Krause nannte Beispiele: So kaufe ein Unternehmen Handwerksbetriebe auf, um deren Arbeitsabläufe kennenzulernen und auf der Basis eine digitale Plattform aufzubauen. Kunden könnten sich bei Servicekräften melden, beispielsweise die Maße ihres Bades durchgeben, auf deren Grundlage dann am Computer die Badezimmergestaltung und -einrichtung geplant werden könne. Dann würden Handwerker zur Umsetzung geschickt. Das könnten die Handwerker auch selbst in die Hand nehmen. Sie müssten zudem mehr Werbung fürs Handwerk machen, zeigen, wie gut es ist, selbstbewusster sein. Im Alltag gilt es laut Krause von Insellösungen für einzelne Arbeitsprozesse wegzukommen und diese zu vernetzen. Diese Prozesse müssten automatisiert werden, wozu es digitaler Hilfsmittel bedürfe, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. „Schließt Freundschaft mit dem Roboter! Wir brauchen ihn sowieso.“ Da für die Digitalisierung Investitionen erforderlich seien, sprach Krause die Hoffnung aus, dass das Land Rheinland-Pfalz wie andere Länder, Bayern und Nordrhein-Westfalen etwa, finanzielle Anreize schafft und so die Betriebe unterstützt. Eine Idee, die bei drei befragten Handwerkern auf positive Resonanz stieß. Andreas Wöschler, Malermeister aus Maximiliansau, ist mit seinem Sohn Paul gekommen, der bereits im Betrieb mitarbeitet, den er einmal übernehmen soll. Digitalisierung sei durchaus ein Thema. Er wolle als Vater den Sohn machen lassen, der einen anderen Ansatz verfolge, und ihn so in die Verantwortung bringen. Frank Herrmann, Metallbauermeister aus Hagenbach, ging mit der Absicht aus der Veranstaltung, in seinen Betrieb zu investieren. Er wunderte sich indes, dass so wenige Junge gekommen sind. Auf dem Gebiet der Digitalisierung müsse ziemlich viel getan, investiert werden, sagte Stefan Pongratz, Chef des gleichnamigen Elektrotechnikmeisterbetriebs in Jockgrim. Die Frage sei nur, wer das alles umsetzt, wer dann noch arbeitet. Es sei jetzt schon schwer, junge Leute für eine Ausbildung zu finden, die nur zu oft für mehr Geld den Betrieb wechselten. Farrenkopf zeigte sich mit der Resonanz auf die Veranstaltung zufrieden. Der Weg in die Digitalisierung sei kein Zwang, vielmehr eine Möglichkeit, eine Chance für die Handwerker.