Bad Dürkheim
Wie lange reichen 50 Euro auf dem Wurstmarkt?
„Papa, das wird schwer“
Wenn wir auf den Wurstmarkt gehen, dann müssen wir nicht jeden Euro zweimal umdrehen. Wir gehören nicht zu den Familien, in denen über die Ausgaben Buch geführt werden muss. Das ist ein Privileg und alles andere als selbstverständlich.
Am Samstag betreten wir um kurz vor 17 Uhr das Festgelände, acht Minuten später sind die ersten acht Euro weg. Zwei Crêpes mit Zucker und Zimt für unsere beiden Töchter Emilia und Livia. Dazu eine Schorle für uns in den Schubkärchlern für 5,50 Euro und zwei Wasser für die Töchter für vier Euro. Apropos Wasser: Auf dem Wurstmarkt ist der Preis fair, bei der Hockey-EM in Mönchengladbach haben wir kürzlich fast das Doppelte für eine ähnliche Menge bezahlt. Schorle gab es dort übrigens nicht.
Wir schlendern weiter Richtung Geistervilla. Eine Fahrt in der Geisterbahn gehört zu unseren Wurstmarktgewohnheiten. Doch wir machen stattdessen einen Abstecher ins Laufgeschäft Crazy Vegas. Zwölf Euro für drei Personen kostet der Eintritt – ein Spaß, der sich lohnt. „Papa, das wird schwer“, sagt Livia mit Blick auf ein paar längs und quer gespannte Seile auf unserem Weg – und mit dem Wissen, dass die Schorle längst leer ist, der Papa aber trotzdem da durch muss. Zehn Minuten später liegen Waschanlage, Glaslabyrinth und Rutsche hinter uns. Wir gehen weiter zum Dosenwerfen. Zwei Spiele und fünf Euro später entscheiden wir, die Trostpreise später einzulösen. Meine Frau wünscht sich Pflanzenlosen: Zehn Euro machen unter dem Strich 175 Punkte. Die Mini-Orchidee ist noch ein Stück entfernt, die Aloe Vera auch. Derweil will eine junge Frau den Mädels ihre Karte für das Riesenkarussell „In 80 Tagen um die Welt“ schenken. Ihr Bruder habe ihr das sieben Euro teure Ticket geschenkt, doch sie habe Höhenangst. Die Kinder, die kurz zuvor noch gebannt nach oben zu den 60 Meter über dem Wurstmarkt schwebenden Gondeln geschaut hatten, bekommen Angst vor der eigenen Courage und lehnen ab. Emilia plagen daraufhin Zweifel ob der Entscheidung, uns der Durst. Wir kehren zurück in die Schubkärchler, wo wir um 18.38 Uhr mit einer Schorle und zwei Gläsern Wasser die 50-Euro-Grenze erreichen. Der Abend ist aber noch nicht vorbei, Prager Schinken, Pommes und zwei Schoko-Obst-Spieße für die Kinder sprengen das Versuchsbudget. Ein schöner Wurstmarktbesuch geht zu Ende. Aber auch ein teurer? Das ist wohl immer eine Frage der Perspektive. (spk)
Die fliegenden Frösche zahlen sich für Kolya aus
Wir erreichen die Brühlwiesen am Sonntagabend kurz nach 18 Uhr gut gesättigt und ohne Durst: eine Dürkheimer Freundin und Arbeitskollegin hatte am Mittag zum Geburtstag eingeladen und das üppige Büffet ermöglicht unserer Familie einen Wurstmarkt-Besuch, bei dem wir uns ganz auf die Fahrgeschäfte und sonstige Vergnügen konzentrieren können. Nicht die schlechteste Variante für unser Budget, wie sich wenig später herausstellen wird. Nach fünf Minuten hat der zehnjährige Sohn die Riesenschaukel XXL entdeckt, ein Muss für 6 Euro. Mich zieht es zum Familienvergnügen „Fliegende Frösche“. Zweimal spielen kostet 10 Euro. Die sich gelohnt haben, beim dritten Schlag befördert Kolya den Plastikfrosch in das höchste Eimerchen: der Hauptgewinn. Fortan schlendert er mit einem grasgrünen Plüschfrosch über den Wurstmarkt. Zu dritt drehen die achtjährige Tochter Smilla, Kolya und ich rasante Runden im Musikexpress: Weitere 10 Euro sind weg. Für vier Euro am Greifautomaten angelt Kolya kurz vor 19 Uhr erwartungsgemäß nichts: 30 Euro sind schon weg. Zu dritt geht es für den Papa und die beiden Kinder in die Geistervilla (15 Euro), bevor wir bei den Schubkärchlern eine Rieslingschorle für 5,50 Euro holen und damit das Budget schon ohne Pfand um 19.10 Uhr um 50 Cent überschreiten. Danach fährt Smilla noch den Alpen Coaster (6 Euro) und Kolya „The King“ (5 Euro), gemeinsam teilen sie sich einen Schokospieß (5 Euro) und die älteste Tochter, die wegen eines Trainingslagers den Wurstmarkt-Besuch verpasst, bekommt gebrannte Mandeln für 4 Euro mitgebracht. Die Toiletten in der Salierhalle kosten 50 Cent pro Person, auch für Kinder. Nach zwei Stunden verlassen wir die Brühlwiesen: Schön war es definitiv. Ein Besuch des größten Weinfestes kann allerdings für Familien, deren Kinder am liebsten jedes Fahrgeschäft mindestens einmal fahren wollen, auch richtig schnell teuer werden. (hah)
Fahrräder am Zaun entlasten das Budget
Eigentlich hatten wir vor, den neuen bewachten Fahrradabstellplatz zu testen. Östlich der Saline soll er sein. Wir sind östlich der Saline, sehen aber nur Parkplätze für Autos. Die netten Vollzugsbeamten, die an der Saline entlang patrouillieren, wissen auch nicht weiter. „Ketten Sie doch die Räder einfach hier zu den anderen an den Zahn. Wir sind hier sowieso regelmäßig unterwegs“, meint einer der Beamten. Also bewachter Parkplatz für umme? Das ist super fürs Budget! Zumal wir sowieso nur mit normalen Rädern unterwegs sind. Um 17.30 Uhr treffen wir unsere Freunde am Riesenrad, von dort geht’s in Weindorf. Bloß wo hinsetzen? Wir ergattern zunächst einen Platz im überdachten Bereich neben einer Gruppe lautstarker junger Männer, die uns mit ihren E-Zigaretten einräuchern. Hier ist es einfach zu laut und zu heiß. Zum Glück wird draußen gerade ein runder Tisch frei. Hinhechten, hinsetzen: unser! Wir sind überglücklich und werden diesen Platz den ganzen Abend nicht mehr verlassen. Deshalb fällt auch eine Fahrt mit dem Riesenrad flach. Wer mal kurz aufsteht, um Essen zu holen, muss seinen Stuhl verteidigen. Es gibt sogar ein Angebot von verzweifelten Besuchern, die Stühle für eine gewisse Dauer mieten wollen. Wir lehnen ab, obwohl: Man hätte ja mal fragen können, welche Gebote wir für eine halbe Stunde bekommen hätten ...
Die erste Runde geht auf uns. Wegen der Hitze lassen wir es erstmal langsam angehen. Zwei Rieslingschorle und zwei Flaschen Wasser für 19 Euro ohne Pfand. So langsam aber sicher kriegt jeder Hunger. Am Freitag hatte ich einen halben Meter Bratwurst für sechs Euro gesehen. Da eine normale Pfälzer Bratwurst fünf Euro kostet, wäre die größere Portion auf jeden Fall ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Beim Rundgang stellen wir fest, dass der halbe Meter auf einmal sieben Euro kostet. Samstagspreise? Mein Mann will sich trotzdem in die lange Schlange vorm Grill einreihen. Er kommt nach einer halben Stunde wieder und hat für Pommes (die bekommt die Tochter) und Riesenwurst für sich 11 Euro bezahlt. Mein Salat im Weindorf ist zwar hoffentlich gesünder, schlägt dafür aber mit 12,50 Euro zu Buche. Dazu lasse ich mir einen Sauvignon blanc für 6,50 Euro schmecken. Dann noch eine Klo-Runde (Dreimal 70 Cent) und die 50 Euro sind weg. Lustigerweise gibt es nur vor dem Männerklo eine lange Schlange, während die Damen einfach so reinspazieren können. Es ist 19.30 Uhr. Bei dem schönen Wetter will natürlich jetzt noch keiner nach Hause. (led)
Der Oktopus hängt schon am Greifarm
Die Wurstmarkt-erprobte Freundin liefert passend zum Thema das richtige Zitat: „Früher war ich ja jeden Tag auf dem Wurstmarkt, heute kann man sich das nicht mehr leisten“, sagt sie kopfschüttelnd und liest die Preise an den Essensständen vor: Ein Knödel 8 Euro, ein Wrap 9 Euro. Ja, das ist ordentlich. Dass sie ein bisschen später alle guten Vorsätze zur Sparsamkeit vergessen hat, versteht sich natürlich aber von selbst. Es ist Wurstmarkt, es ist Eröffnung, heute spart keiner. Ich auch nicht. Eigentlich will ich die 50 Euro sogar relativ schnell auf den Kopf hauen. Um nicht zu lange jeden Betrag protokollieren zu müssen. 19 Uhr. Schubkarchstand 19. Zwei Schorle, zwei Viertel Wein, ein Wasser. Die fröhliche Damenrunde läuft sich warm. Was es kostet, verstehe ich nicht so richtig. Es ist viel zu laut, die Bedienung ruft irgendwas, ich rufe irgendwas zurück. Am Ende habe ich noch 15 Euro. Passt.
Dass es dann doch bis 22 Uhr dauert, bis die 50 Euro weg sind, liegt zum einen an dem Pfandrückgeld, zum anderen an der Schubkarchstandgemütlichkeit. Wir sitzen in der Mitte, wir gehen hier erst mal nicht weg. Erst als der Hunger kommt, geben wir den Platz auf. Es gibt Langos (mit Lauch). Minus 7 Euro. Es folgt eine Runde Pferderennen für 2,50. Die Älteren werden sich erinnern: Das kostete einst einen Euro. Für drei Euro versuche ich einen rosafarbenen Oktopus aus einem der Greifautomaten zu holen. Beim dritten Versuch hält die Zange das Meerestier zwar fest im Griff. Aber wir wissen alle, wie das endet ... Ich erinnere mich kurz an meine Kindheit. Damals hat ein mit der Familie befreundeter Familienvater bestimmt 50 Mark in diesem Ding versenkt. So hätte ich die 50 Euro natürlich auch schnell loswerden können. Ich lasse es gut sein und schließe die 50 Euro-Ausgabe mit einem Lebkuchenherz für 15 Euro. Dass ich erstmals in meinem Leben beim Frösche-Katapult getroffen habe, ist leider erst danach passiert. Und muss daher genauso im Dunklen bleiben wie die Ausgaben der weiteren Tage. Denn: Natürlich geht es ja trotzdem (fast) jeden Tag auf den Wurstmarkt. (jpl)