Kreis Bad Duerkheim Schmerzhafter Einschnitt

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„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

(Johannes 12,24) Im Festkalender des Kirchenjahres befinden wir uns in der Passionszeit oder Fastenzeit. Wir gedenken des Leidensweges Jesu, der mit seiner Hinrichtung am Kreuz in Jerusalem endet. Die vierzig Tage währende Fastenzeit bezieht sich auf die Zeitspanne, als Jesus nach seiner Taufe im Jordan die Einsamkeit aufsuchte, um sich über seine Berufung und seinen Auftrag Gewissheit zu verschaffen. Während jener vierzig Tage hat er gefastet und gebetet, und wurde dreimal durch den Satan in Versuchung geführt. Es handelt sich also um einen inneren Reinigungs- und Klärungsprozess. Die liturgische Farbe der Passionszeit ist violett, die Farbe der Wandlung. Womit bringen Sie violett in Verbindung? Mit aromatisch duftendem Lavendel, mit süßen Pflaumen oder süßsauer schmeckenden Brombeeren? Alles kreatürliche Leben ist der Wandlung und der Vergänglichkeit unterworfen. Das erkennen wir im Jahreszyklus am Wechsel der Jahreszeiten. Im Wort vom Weizenkorn greift Jesus auf ein Bild aus der Natur zurück, um einen geistlichen Transformationsprozess zu beschreiben. Demnach besteht das Leben des Menschen nicht nur im Geboren werden, Aufwachsen und Reifen, Älterwerden und Sterben, sondern dieser Weg hat sein Ziel in der Auferstehung und in der Vollendung bei Gott. Wenn im biblischen Wort vom Fruchtbringen die Rede ist, bezieht sich sowohl auf dieses irdische, endliche Leben als auch auf das ewige Leben. „Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“, sagt denn auch Mephisto in Goethes Faust. In der Gemeindearbeit erleben wir es immer wieder, dass Gruppen und Kreise, Gremien und Organisationsformen an ihre Grenzen stoßen, den ursprünglichen Zweck, zu dem sie gegründet wurden, nicht mehr erfüllen oder ins Alter gekommen sind und Erneuerung brauchen. Das zu erkennen fällt manchmal schwer und schmerzt. Manchmal kommt eine Geschichte oder eine Sache an ihr Ende. Es bedarf eines schmerzhaften Einschnitts, ob es die handelnden Personen wahrhaben wollen oder nicht. Damit etwas Neues entstehen kann, muss das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben. Dann ist eine Zeit der Brache angesagt, eine Auszeit. Mit viel Schwung und Dynamik haben sich die Frauen und Männer im Ökumenischen Arbeitskreis engagiert, Jahresprogramme wurden geplant und organisiert. Mit Herz und Verstand hat man sich der Sache angenommen, hat die Begegnungen der Christen unterschiedlicher Konfessionen gesucht und genossen, Familien aus konfessionsverbindenden Ehen unterstützt und seelsorglich begleitet, die diakonische und soziale Arbeit vor Ort mithilfe der Christlichen Sozialstation getragen. In der Überzeugung, dass das Verbindende wichtiger ist als das Trennende und dass der Herr der Kirche, Christus, uns zur Einheit ruft, wurden gegenseitige Vorurteile abgebaut und Ängste um den Verlust des je eigenen Profils überwunden. Die in der ökumenischen Arbeit Engagierten haben gelernt, die Traditionen und Rituale der anderen Konfession als Bereicherung des Christseins zu verstehen. Doch wahr ist auch, dass es mit den Jahren und Jahrzehnten Abnutzungserscheinungen gibt, und nicht wenige sich von den Kirchen und von herkömmlichen Formen abgewandt haben. Ich denke, es ist Zeit zum Innehalten und zur Neubesinnung. Fragen wir danach, was der Geist des Lebens heute von uns fordert. Lassen wir uns inspirieren durch das Wort Christi: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24) - Frank Biebinger, Pfarrer, Bad Dürkheim

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