Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Hilfe eines Roboters im Klassensaal mit dabei

So sieht ein Avatar aus, hier mit seiner Entwicklerin, der Norwegerin Karen Dolva.
So sieht ein Avatar aus, hier mit seiner Entwicklerin, der Norwegerin Karen Dolva.

Ein kleiner Roboter „vertritt“ derzeit die 16-jährige Mia im Klassenzimmer der Integrierten Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim. Die Technik ermöglicht es Mia, am Schulalltag teilzuhaben, wenn sie aufgrund ihrer Krankheit nicht im Klassenzimmer sein kann.

In der Klasse 10 a der Integrierten Gesamtschule (IGS) Deidesheim/Wachenheim sitzt derzeit auf einem der Tische zwischen den Kindern mit leuchtenden „Augen“ ein kleines weißes Wesen: ein Avatar. Er vertritt die 16-jährige Mia Strack, die nach einem Gehirntumor noch nicht ständig wieder in Präsenz am Unterricht teilnehmen kann.

Mit seinen knapp 30 Zentimetern ist der Avatar gerade einmal so groß wie ein Stand- oder Smoothie-Mixer. Als Mias Vertreter kann er für sie sehen, für sie hören und für sie sprechen, wenn die Schülerin ihn von daheim aus mit einem Tablet steuert. Natürlich muss er im Klassenraum der 10 a angeschlossen sein. Daran denken sehr zuverlässig Mias Mitschülerinnen und Mitschüler, lobt Stufenleiterin Katharina Paragliola. „Und sobald er dann eingeschaltet ist, gehen zwei kleine Lichter an, wie Augen.“

Der kleine Avatar kann grundsätzlich in allen Fächern dabei sein. Er kann alles sehen, alles hören, was auch Mia sehen und hören würde. Er kann, von Mia vom Tablet aus gesteuert, den Kopf drehen, heben und senken, kann also mit seinen „Blicken“ der Lehrerin oder dem Lehrer folgen. Und er kann sich sogar um 360 Grad drehen.

Den Anschluss nicht verpassen

Er könnte also auch mit den hinter Mia Sitzenden schwätzen? „Ja, natürlich könnte er das“, sagt Kai Leimig vom Verein Tumor- und Leukämiekranke Kinder Mainz, der Mia den Avatar zur Verfügung stellt, und lacht. Und tatsächlich geht es ja „nicht nur darum, am Unterricht teilnehmen zu können, es geht auch darum, die sozialen Kontakte zu erhalten“, fügt er hinzu. Die nämlich fehlen den Patienten in der Regel am meisten. Anfangs würden die Kinder das oft als nicht so schlimm empfinden. Nicht in die Schule zu müssen, sei ja mal ganz schön, werde aber doch langweilig. Und nicht zuletzt ist es für die Patienten auch wichtig, den schulischen Anschluss nicht zu verlieren.

Für Mia ist der Avatar längst „mein Freund geworden“, sagt sie am Telefon. Er gibt ihr weiter, was er im Unterricht hört. Er sagt der Klasse, was sie ihm sagt. „Und man versteht sehr gut, was Mia sagt“, so Paragliola. Auch wenn sie in Folge ihrer Krankheit noch langsam spricht.

Schnell zur Normalität geworden

Mia kann, wie sie selbst sagt, auf diese Weise im Unterricht „immer dabei sein. Zu Hause und auch im Krankenhaus“, wo sie immer einmal wieder behandelt werden muss. Ohne den Avatar hätte sie keine Schule, kein Lernen. Und auch für die Eltern ist der Avatar eine große Hilfe. „Es ist ein Segen, dass wir ihn haben“, sagt Mias Mutter.

„Ich bin froh, dass es so was gibt“, sagt auch Paragliola. Für Mias Klasse sei die Situation schnell zur Normalität geworden. „Das sind Zehntklässler, junge Erwachsene. Die gehen ganz entspannt damit um.“ Sicher auch deshalb, weil die Schüler der IGS als Schwerpunktschule, in der Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen, ohnehin „sehr sozial“ seien.

Entwickelt wurde der Avatar von einem norwegischen Start-up-Unternehmen eigens für Kinder wie Mia. Insgesamt fünf sind derzeit in rheinland-pfälzischen Schulen im Einsatz. Die Kosten belaufen sich mit Support für ein Jahr auf 4500 Euro. Muss der Einsatz verlängert werden, fallen für ein weiteres Jahr weitere 1000 Euro für den Support an. Wird er nicht mehr gebraucht, kann er einem anderen Kind helfen.

Finanziert werden die Avatare über Spendengelder. Zur Verfügung stellt sie der Verein Tumor- und Leukämiekranke Kinder Mainz. Als Elternverein legt er den „Fokus auch auf die Situation der Kinder und Familien“, sagt sein Vorsitzender, der Diplom-Pädagoge Kai Leimig. Er arbeitet im psychosozialen Team auf der Station mit und berät mit dem Team, welche Kinder für die Arbeit mit dem Avatar in Frage kommen. „Die Schule muss natürlich mitspielen. Der Datenschutz muss gewährleistet sein. Das alles regeln wir.“

Der Klasse 10 a der IGS hat der Verein zudem in mehreren Unterrichtseinheiten eine detaillierte Einführung gegeben und „eine sensationell gute Arbeit“ geleistet, so Paragliola. Darum, dass für den Avatar während der Umbauarbeiten in der IGS auch das W-Lan-Netz funktioniert, habe sich ein Team von Lehrern gekümmert.

Info

Nähere Informationen zu dem Projekt unter www.krebskrankekinder-mainz.de

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