Gaggenau Dorado für Fans alter Reklame

Udo Eisele in seinem Lager und Showroom, einem ehemaligen Raiffeisenmarkt.
Udo Eisele in seinem Lager und Showroom, einem ehemaligen Raiffeisenmarkt.

Einst hingen Emailbilder an jedem Tante-Emma-Laden. Ein Badener sammelt sie und hat schon große Kollektion historischer Werbeträger beisammen.

Was sein Erstes war, daran kann sich Udo Eisele noch ganz genau erinnern. „Das war ein altes Versicherungsschild bei Oma im Garten. Ich war so zwölf, dreizehn. Eigentlich nichts Besonderes. Später habe ich dann ein Bierschild bei einer Bachputzete gefunden. Als ich es auf dem Flohmarkt verkaufte, sah ich, dass ich dafür gutes Geld bekomme“, erinnert er sich an die „goldenen Zeiten“ des Sammelns von Werbeschildern zurück.

Längst zählt der Badener, der zuletzt in der Pfalz wohnte, zu den führenden Sammlern und Händlern in Süddeutschland, was alte Reklame und speziell historische Emailschilder anbelangt. Erst vor einigen Wochen zog Eisele in seine alte Heimat Gaggenau-Michelbach zurück, wo er einen alten Raiffeisen-Markt in sein neues Reklame-Domizil umwandelte. Zunächst hatte der Mann aus dem Landkreis Rastatt 2007 einen Retro-Laden in Köln eröffnet und war einige Jahre später mit seiner riesigen Sammlung in den Rhein-Pfalz-Kreis gezogen. Nun ging es von Rödersheim-Gronau zurück ins idyllische Murgtal.

Die meisten Schilder werden wieder verkauft

Das Gros seiner Kollektion steht zum Verkauf. Nur wenige Schätze, speziell lokale Reklame aus der Region Gaggenau oder Rastatt, behält er für sich. So hängt in seiner Wohnung ein imposantes Schild eines längst verblichenen Lichtspieltheaters an der Murg. Der 62-Jährige, der in der Szene bekannt ist wie ein bunter Hund, schätzt, dass er gut 10.000 Objekte in seiner Kollektion hat. Von historischen Emailschildern, alten Plakaten über Zapfsäulen bis Süßigkeiten-Automaten, Neonreklame und sonstigen Werbe-Artikeln.

Erst kürzlich kaufte er den Bestand einer renommierten Emaillieranstalt. „Selbst volle Zigarettenschachteln aus vergangenen Zeiten habe ich im Angebot. Auch dafür gibt es Sammler“, weiß Udo Eisele. Aber sein Schwerpunkt seien schon historische Emailschilder, die einst an den Fassaden vieler Tante-Emma-Läden hingen. Die Preise dafür können mittlerweile auch schon mal explodieren. Schon viele Jahre gibt es eine internationale Sammler-Szene, die sich auch von Höchstpreisen für die verknappte Ware nicht abschrecken lässt.

Schokolade, Bier und Autos heiß begehrt

Möglichst unbeschädigt und motivstark sollen die Werbeträger aus Metall und Glas sein, weiß Eisele nur allzu gut. Speziell Schokolade-, Bier- oder Automotive-Schilder seien heiß begehrt. Erst vor wenigen Wochen wurde ein frühes Schild der Schweizer Schokoladen-Marke Villars von 1905 bei einer Auktion in Worms für einen sechsstelligen Preis versteigert. Etwa in den 1920er und 1930er Jahren hatten die langlebigen Werbeträger ihre Hochzeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Kunststoff aufkam und die Werbung kurzlebiger wurde, waren die Tage der Emaillierkunst gezählt.

Sammler sucht in ganz Europa nach Schätzen

Ursprünglich lernte Eisele Feinblechner im Mercedes-Benz-Werk in Gaggenau. Etliche Jahre später siegte seine Passion für das Blech an der Wand. Der bestens vernetzte Händler, der ständig nach alten Objekten fahndet, ist stets auf den großen Börsen und Märkten in Deutschland und Europa vertreten. Ob in Templeaux in Belgien, dem größten Trödelmarkt des Landes, der Retro-Börse in Straßburg-Lipsheim oder beispielsweise auf der Veterama in Mannheim und Hockenheim.

Was die Faszination ausmacht? „Die Motive erzählen oft eine Geschichte. Da waren die besten Werbegraphiker ihrer Zeit tätig“, weiß der Murgtäler. Seine Kundschaft ist längst international. „Kürzlich kam eine Frau aus Rotterdam, um einen seltenen PEZ-Automaten aus den 50ern bei mir abzuholen. Ein Däne hat ein zwei Meter hohes Schild gekauft. Ich habe gefragt, ob ich ihm vielleicht ein Hotel buchen soll? Er hat verneint, er fahre wieder mit dem Zug zurück. Vermutlich hat er im Zug geschlafen, das Schild eng umschlungen“, so Eisele schmunzelnd.

Vermutlich wird das malerische Dorf im Nordschwarzwald künftig zu einem neuen Hotspot für die Sammlerszene. Ein Nachteil hat der Umzug von der Pfalz zurück nach Michelbach für den Gaggenauer, der auch historische Fußball-Devotionalien sammelt, jetzt schon. „Das Gassi gehen mit dem Hund dauert nun schon deutlich länger. Ich bin ja in dem Dorf aufgewachsen. Man kennt fast jeden“, gesteht er lächelnd.

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