Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was der neue Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe vorhat

Chefarzt Alexander Ast im Gespräch mit einer Kollegin vor den Kreißsälen des Westpfalz-Klinikums.
Chefarzt Alexander Ast im Gespräch mit einer Kollegin vor den Kreißsälen des Westpfalz-Klinikums.

Dass Alexander Ast einmal Frauenarzt wird, das war so zunächst nicht geplant. Seit Juli leitet er die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Westpfalz-Klinikum. Nach turbulenten Jahren will er Ruhe reinbringen, mehr werdende Eltern von Kaiserslautern als Geburtsort überzeugen und ein Genitalkrebszentrum etablieren.

In Stuttgart geboren und in Heidelberg aufgewachsen, hat es den heute 53-jährigen Alexander Ast zum Studium ins Ruhrgebiet verschlagen. Zunächst Physik, doch seine Interessen lagen eher in der Medizin. Ast gibt zu: „Meine Noten waren dafür nicht gut genug, ich hatte den Numerus clausus nicht erreicht.“ Glück für ihn: An der privaten Universität Witten/Herdecke konnte er Medizin studieren und promovieren. Geprägt hat ihn der anthroposophische Ansatz der Uni: „Einmal in der Woche gab’s einen medizinfreien Studientag.“ Im sogenannten Studium fundamentale kann außerhalb der eigenen Fachgrenzen frei studiert werden. „Das hat mir gut getan“, sagt Ast und erinnert sich schmunzelnd an den Kurs „Italienisches Kochen“.

Sechs Jahre lang war der Mediziner im Ruhrgebiet, der in seinen Praxiszeiten Frauenheilkunde als für ihn passende Disziplin gefunden hatte: „Ich habe gemerkt, dass Geburtshilfe etwas ganz Tolles ist.“ Als Frauenarzt hat Ast einen Schwerpunkt in der Gynäkologischen operativen Onkologie: „Es hat mich geprägt, dass in der Frauenheilkunde Anfang und Ende so nah zusammen sind.“ Denn nicht immer ende eine Krebstherapie mit einer Heilung.

„Mitgenommen, was man seriös anbieten kann“

Weitere Stationen im Lebenslauf des neuen Chefarztes waren Kliniken in Braunschweig, Heidelberg und wieder Herdecke. „Dort habe ich im Gemeinschaftskrankenhaus viel gelernt und alles mitgemacht: Tanzen, Töpfern, Maltherapien“, sagt Ast: „Für meine weitere Arbeit habe ich einiges mitgenommen, was man seriös anbieten kann.“ Als Chefarzt im Diakonissenkrankenhauses in Mannheim hat Ast in den vergangenen zehn Jahren ein Brust- und ein Genitalkrebszentrum aufgebaut. Nun der Wechsel nach Kaiserslautern: „Ich wollte schon immer mal zu einem Maximalversorger mit Kinderklinik.“

Dann sagt er einen Satz, den man so noch nicht gehört hat: „Kaiserslautern ist ein bisschen Ruhrgebiet: Die Menschen hier sind hemdsärmelig, zugänglich und einfach normal.“ Das gefalle ihm gut. Ebenso hat der Wahl-Bad-Dürkheimer nette Worte für die Stadt mit ihrer „tollen Kneipenkultur und viel Grün“. Urlaubsbedingt habe er sein Team über Sommer erst nach und nach kennengelernt, er sei allerdings sehr nett aufgenommen worden.

„Die neuen Stationen helfen uns, attraktiver zu werden“

Auch bei Besuchen von niedergelassenen Frauenärzten: „Ich will uns erarbeiten, dass die Frauen wieder zu uns geschickt werden.“ Ast weiß, dass die vergleichsweise häufigen Wechsel der Chefärzte und die Corona-Pandemie dem Ruf der Klinik nicht gerade gut getan haben. Ebenso sei die Station in die Jahre gekommen. Letzteres verbessere sich in gut einem halben Jahr, wenn die Sanierung von Haus 8 abgeschlossen ist. „Die neuen Stationen helfen uns, attraktiver zu werden.“

„Die Kinderklinik hier ist exzellent“, sagt Ast, „das wissen viele werdende Eltern auch.“ Dennoch seien die bei der Wahl der Geburtsklinik oft zu Unrecht abgeschreckt: „Allein schon die Größe! Geburt ist etwas Intimes, da fühlt man sich in einem kleineren Haus mit Grün drumherum vielleicht geborgener.“ Gerade beim Thema Geburt spielten Soft-Faktoren wie Atmosphäre eine große Rolle. „Derzeit stehen wir eher für Hochrisiko-Schwangerschaften“, weiß Ast. Denn in der Perinatalmedizin, der Versorgung von Risikoschwangerschaften und von Frühgeborenen, sei die Klinik renommiert. Um die Kreißsäle auch für Nichtrisiko-Eltern attraktiver zu machen, kündigt Ast unter anderem die Gründung einer Elternschule an. Dass Naturheilkunde rund um eine Geburt zum Einsatz kommt, darin sieht Ast „keinen Widerspruch. Hightech und Natürlichkeit ergänzen sich.“ Angepeilt seien für die kommenden Jahre 1500 Geburten, bislang sind es im Schnitt etwas mehr als 1300 am Krankenhaus in Kaiserslautern.

Zertifizierungen sind wichtig

Die Klinik für Frauenheilkunde soll weiterhin zertifiziertes Brustkrebszentrum bleiben und in ein, zwei Jahren um ein Genitalkrebszentrum ergänzt werden: „Diese Zertifikate zeigen die Expertise und belegen die interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Dahinter steckten immer ein großer Aufwand und eine tolle Teamleistung: „Das ist keine One-Man-Show“. Die Zertifikate seien eine wichtige Orientierung für Patienten. Zudem sei belegt, dass an Krebs erkrankte Frauen in zertifizierten Zentren bessere Überlebenschancen hätten, als in Kliniken ohne solches Zentrum.

In Perinatal- und Onkologischen Symposien soll künftig jeweils einmal im Jahr Wissen in Kaiserslautern ausgetauscht werden. Wie Ast ankündigt, werden mehrere neue Geräte angeschafft: „Wir müssen als Maximalversorgen konkurrenzfähig sein.“ Da sei die Ausstattung ein Aspekt – in der Patienten- und in der Mitarbeitergewinnung.

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