Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Von Kaiserslautern in die Champions League

Gut gelaunt: Alessa-Catriona Pröpster.
Gut gelaunt: Alessa-Catriona Pröpster.

Aus der Lauterer Radsport-WG kann lediglich Henric Hackmann seiner WM-Premiere im dänischen Ballerup richtig gute Seiten abgewinnen.

Spätestens mit der Teilnahme der drei jungen Wilden an den Bahnrad-Weltmeisterschaften hat die seit Juni am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium bestehende Wohngemeinschaft Alessa-Catriona Pröpster, Luca Spiegel und Henric Hackmann in Radsportkreisen auch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Auf der 250 Meter langen Holzbahn in der Super-Arena in Ballerup konnten sie diese aber nicht wirklich gut fortschreiben.

Mehr erwartet

„Jeder hat mehr erwartet, auch ich. Mir bleibt jetzt nichts anderes übrig, als diese Weltmeisterschaften in der Form mitzunehmen, in der ich gerade bin.“ Aus dem Mund von Alessa-Catriona Pröpster klingt pure Wahrheit. Die Älteste in der Sprint-Nationalmannschaft wollte bei ihrer vierten WM-Teilnahme in Ballerup endlich aus dem Schatten der großen Drei im deutschen Bahnradsprint treten, hat das aber nicht geschafft. Die Olympiadritten Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea Friedrich zogen nach einer anstrengenden Saison ihre WM-Teilnahme zurück, Pröpster musste aber und wollte vor allem Farbe bekennen.

Mit Platz vier im Teamsprint, mit Clara Schneider und mit Lara-Sophie Jäger, die demnächst im Internat am Heinrich-Heine-Gymnasium als neues Mitglied des Bahnradteams Rheinland-Pfalz einzieht, erzielte sie ihre beste WM-Platzierung. Im Sprint und im Zeitfahren kam sie nicht an ihre Bestzeiten heran, im Keirin stürzte sie sogar. „Ich merke in Ballerup gerade, dass mir der Urlaub nach den Olympischen Spielen doch nicht so gutgetan hat. Mir fehlen einfach zwei, drei Wochen an Vorbereitung. Auf der anderen Seite: Ich habe ihn gebraucht, es war mein erster Urlaub seit acht Jahren“, sagte sie.

Plötzlich Champions League

Die 23 Jahre alte Bundespolizistin haderte also. Dann aber kam eine überraschende Zusage – erst für sie und dann auch noch für ihren Kollegen im Bahnradteam Rheinland-Pfalz, Luca Spiegel, sozusagen als eine Portion Extramotivation für die Zukunft. Sie unterschrieben einen Vertrag für die Champions League, bekamen vom Radsport-Weltverband UCI jeweils einen von zwölf Plätzen. „Da zeigt sich, dass ich international doch jemand bin, auch wenn es hier nicht so lief. In vier Wochen kriegen wir das mit der Form aber hin, glaube ich.“

An drei Wochenenden Ende November/Anfang Dezember geht es in Paris, Apeldoorn und London rund. Im vergangenen Jahr hatte sie Platz zwei belegt – und sich ein ordentliches Zubrot verdient. So wird sie die WM-Tage von Ballerup als Erfahrung auf die Champions-League-Bühne mitnehmen: „Wir sind alle noch jung, wer weiß, wie wir uns entwickeln“, sagte sie. Als einzige aus dem WG-Trio kehrte sie aus Ballerup nach Kaiserslautern zurück, wird einige Arzt- und Physiotermine wahrnehmen, um sich für die nächste Herausforderung fit zu machen.

Hongkong und Paris

Der Landauer Himmelsstürmer Luca Spiegel hatte mit seinen 20 Jahren bei den Spielen in Paris mit dem deutschen Rekord über 200 Meter, Platz sechs im Teamsprint und Platz neun im Keirin überzeugt, aber auch er konnte diese Form einfach nicht konservieren. Frank Ziegler, der erfahrene Sportchef des Bahnradteams Rheinland-Pfalz, der zusammen mit dem früheren HHG-Sportzweigleiter und jetzigen Teammanager Hermann Mühlfriedel in Ballerup weilte, sagte: „Es war eine verdammt lange Saison, gerade für Luca, der die Olympia-Qualifikation mitnehmen musste, beginnend mit der EM in Apeldoorn und den weiten Reisen zu den Nationscups in Hongkong und Milton. Und letztlich die Olympischen Spiele mit all ihren emotionalen Eindrücken. Das sind nicht nur körperliche Anstrengungen, das muss mental auch erst mal verarbeitet werden.“

Spiegel belegte mit Teamkollege Henric Hackmann und Nik Schröter aus Cottbus WM-Platz sieben im Teamsprint, scheiterte aber im Keirin und im Sprint aufgrund von taktischen Schwächen viel früher als erwartet. Dennoch sieht Ziegler die positiven Seiten: „Sie wissen, wo sie hinwollen und wissen jetzt, wo sie stehen und wie groß der Abstand zur Weltspitze ist. Das kann man nur erfahren, wenn man sich in jungen Jahren der Konkurrenz stellt und das Flair und die emotionalen Eindrücke direkt vor Ort bei einer WM mitnimmt.“

Schulbank und Rennbahn

Henric Hackmann bescheinigte er eine „tolle WM, die ich ihm so nicht zugetraut hätte“. Er hat mit seiner WM-Premiere richtig Lust und Motivation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles bekommen. Leistungssport und Ausbildung halten sich in seinem Leben die Waage, das war schon zu Schulzeiten im Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern so, und das bleibt auch für die nächsten Jahre so. Schon sitzt der angehende Bundespolizist wieder auf der Schulbank. „Die Doppelbelastung hat mich am meisten belastet in den letzten Wochen. Das ständige Pendeln zwischen Schule in Kienbaum und Rennbahn in Frankfurt/Oder, das ständige Koffer packen oder auch das Treppen hochlaufen in den vierten Stock bei der Bundespolizei, die Tests schreiben und den Lernstoff nachholen, das war alles ziemlich anstrengend“, erzählte er.

Hackmann war in Ballerup fokussiert und hat geliefert. Die 1000 Meter empfand er selbst als sehr beeindruckend. Mit 1:01,055 Minuten hat er seine Bestzeit verbessert und damit das Hauptziel reicht. Dies reichte zu Platz zwölf und der Erkenntnis, dass die Weltspitze für den 21-Jährigen dann doch noch ein ganzes Stück entfernt ist. Im Sprint dagegen schied er früh aus. „Ich habe in Ballerup meinen Job gemacht. Mir war wichtig zu sehen, wo ich überhaupt stehe. Der Unterschied zwischen Elite und U23 ist krass.“ Im Juli war Hackmann in Cottbus zweimal Vize-Europameister der U23 geworden.

Konzentriert: Luca Spiegel kurz vor dem Start, gehalten von Bundestrainer Jan van Eijden.
Konzentriert: Luca Spiegel kurz vor dem Start, gehalten von Bundestrainer Jan van Eijden.
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