Kaiserslautern „Und euer Herz soll sich freuen“

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Laienmusiker wachsen mit und an den gestellten Aufgaben. Auch wenn sie, wie beim Chor- und Orchesterkonzert am Totensonntag in der Fruchthalle, mal aufgestellte Hürden nicht locker überspringen, gehen sie gereifter aus solchen Projekten heraus als hinein. Die gestellten Aufgaben, die „Unvollendete“-Sinfonie von Franz Schubert und das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms, sprengen eigentlich die Möglichkeiten des Laienmusizierwesens. Sie erwiesen sich trotz respektabler Aufführung letztlich doch als die erwartet schwer zu stemmenden Brocken.

Es ist vorab ein erheblicher Unterschied, ob nun das Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern mit seinem sonstigen künstlerischen Leiter (seit 2013 Christian Weidt) oder mit dem Projektleiter (hier: Berthold Kliewer) spielt. Und Musiker wissen aus schmerzlichen Erfahrungen, dass Aufführungen trotz Probenarbeit eine Eigendynamik haben: Mit den ersten Takten des Kopfsatzes und des Bassthemas – zu schnell und überhastet klingend angegangen – setzte sich eine drängende Unruhe fort. Diese gehört zwar zum Wesen des voller Tragik und Dialektik gehaltenen Satzes, nahm aber einen etwas unsicheren Verlauf: Ein Gefälle zwischen soliden Streichern und „schwimmenden“ Bläsern war unüberhörbar, und die Aufführung konnte nicht ganz an die großartigen Leistungen des Sinfonieorchesters der letzten Jahre anknüpfen. Das Problem des zweiten Satzes bestand für die sich achtbar bemühenden Holzbläser nun darin, aus langen Haltetönen mit schier endlosem Atem noch Kantilenen zu formen. Insgesamt wechselten auch in diesem dennoch besser getroffenen Satz nicht nur kompositorisch Licht und Schatten. Eigentlich könnten Rahmenbedingungen wie bei der Brahms-Aufführung nur durch viele Gemeinschaftsproben vor Ort kennen gelernt und bewältigt werden. Und dazu fehlen die organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Das Dilemma besteht nun darin, dass einerseits als klangliches Pendant zum Sinfonieorchester ein großer Chor nötig ist, andererseits dann sich die vielen Vokalisten gegenseitig nicht immer sehen und oft auch nicht entsprechend hören. Zudem ist ein solcher Klangkörper wie die Chorgemeinschaft aus Klassischem Chor der Universität und Rheinland-Pfalz International Choir auch nicht so beweglich wie etwa ein Kammerchor. Gemessen an dieser heiklen Problematik und den gesangstechnischen Anforderungen der Partitur mit ständigen Harmoniewechseln war die Brahms-Aufführung letztlich doch überzeugender als die Schubert-Sinfonie. Mit zunehmender Spieldauer stellten sich die Ausführenden immer besser auf die hohen Anforderungen ein, was aber auch hier verwackelte und unsichere Passagen nicht gänzlich ausschloss. Letztlich waren Klangbeispiele wie der vierte Satz mit feierlich vorgetragenem Chorpart für den Gesamteindruck prägend: Angemessen in pastosen melodischen Linien, harmonisch verschmelzend und in dieser Klangqualität richtungsweisend. Zunehmend wurde die Aufführung auch vom Klangcharakter her durchsichtiger, klarer und wirkte durchleuchtet von Kliewers analytischem Geist. Das lag auch an zwei personifizierten Lichtgestalten: Die Mezzosopranistin Antonietta Jana ließ sich abgeklärt und routiniert nicht aus der Ruhe bringen. Sie entwickelte im fünften Satz ihren Part im schlichten und natürlichen Tonfall, ruhig fließend und nie manieriert oder forciert wirkend. Nicht nur ihre textliche Botschaft, ihre ganze stimmliche Ästhetik verkündete die Zuversicht dieser Aufführung: „ ...und euer Herz soll sich freuen.“ Ihre Stimmgebung wirkte schier entrückt und verinnerlicht und doch ganz klar und in den leicht erklommenen Höhen wie ein Stern leuchtend. Zuvor hatte der Bass-Bariton Alexis Wagner noch im dritten Satz zwischen Hoffen und Bangen verzagt und nach Trost gesucht. Der erfahrene Sänger konnte dies ergreifend in einer angemessenen, aber niemals übertriebenen Darstellung glaubhaft vermitteln. Und er setzte die Vorzüge einer in allen Registern wunderbar ausgeglichen klingenden Stimme ein.

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