Kaiserslautern Schwermutstief bis flottlustig

Auf den Spuren des großen Django Reinhardt: das Swingquartett Monsieur Pompadour.
Auf den Spuren des großen Django Reinhardt: das Swingquartett Monsieur Pompadour.

Das Chanson gehört zu den musikalischen Genres, die sich als typisch national zuordnen lassen – durchweg in national-französischer Sprache und von national-französischer Musette begleitet. Tief verwurzelt im Nachbarland, erlebte das Chanson jedoch auch internationale Einflüsse, beispielsweise durch Jazz und Swing. Dementsprechend offen zeigt sich auch die Kammgarn-Reihe „Nuit de la Chanson“. Etwa am Samstagabend, als Gastgeberin Pauline Ngoc das Swingquartett Monsieur Pompadour eingeladen hatte.

Eine Mätresse auf musikalischen Swing-Wellen? Eine Markgräfin als Namensgeberin für ein Männerquartett? Nichts dergleichen war ihm anzusehen. Bestenfalls der Musik, bekanntermaßen grenzenlos für geschlechterübergreifende Welten des Singens, Spielens und Komponierens. Tatsächlich entstand der Bandname, weil ein Gründer die Gäste auffallend glamourös hofierte und den Spitznamen „Pompadour“ erntete. Als er aufhörte, benannte sich der Rest nach ihm. Was blieb, war das musikalische Vorbild Django Reinhardt und sein Swing. Allerdings mit einer eher chansontypischen Eigenart: das Lied mit Fokus auf Textaussagen. Und so kam die 21. Ausgabe der „Nuit de la Chanson“ unter dem Begriff „Nouvelle Chanson“ einem Stimmungsbarometer gleich: Pauline Ngoc und ihre Band tauchten ab in schwermutstiefe Sphären, während die Tonlagen bei Monsieur Pompadour eher einem flott-lustigen Völkchen glich, das sich mit heiter Welten erobert. Das Publikum im gut besuchten Cotton Club jedoch belohnte das durch Chanson-Swing gefärbte Konzert mit reichlich Szenenapplaus. Die deutsch-ungarisch-französischen Berliner mit den Musikern Ernesto, Ferenc Hegedütok, Antti Virtaranta und Laurant Humeau profilierten sich mit mehrsprachigen Liedern und puristischem Saitenklang auf Violine, Kontrabass und Gitarren. Sie begannen mit Popweisen wie „Bang Bang“ und „Realty“ und landeten bei Django-Melodien wie „Minor Swing“. Da flitzten nicht nur die Finger der Instrumentalisten. Da flossen Tonarkaden rauf und runter. Und da zog der Geiger Fingerdruck und Bogenstrich in ohrenbohrende Klanglinien, scharf, kantig, kreischend. Unweigerlich wippten Füße und klopften Fingerspitzen in den Besucherreihen rhythmisch mit. „What A Wonderful World“ auf französisch lautete die Antwort der Gastgeberin. Eine Uraufführung auf Französisch neben „Apologize“ oder Dalida-Liedern wie „Bambino“ und dem Sommerhit „Itsy bitsy“. Dabei erklomm Pauline Ngoc neue (Ton)-Leitern. Raus aus warmwohligem Tongemenge in hohe, ja hallende Gesangsrufe, kraftvoll untermauert von Gitarrist Guido Allgaier, Akkordeonist Vincenzo Carduccio, Bassist Wolfgang Janischowski sowie Schlagwerker Michael Lakatos. Gepaart mit den bekannt gehaltvollen literarischen Texten von Ina Bartenschlager, bewies diese 21. Nuit-Ausgabe, wie enorm bereichernd musikalische Grenzgänge sein können.

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