Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Saarländer lehrt auch an der Lauterer Uni Klingonisch

Autor und Übersetzer Lieven L. Litaer ist Hardcore-Trekkie – er lehrt sogar die klingonische Sprache.
Autor und Übersetzer Lieven L. Litaer ist Hardcore-Trekkie – er lehrt sogar die klingonische Sprache.

„Wir bleiben Klingonen!“ Das ist quasi das Lebensmotto von Hardcore-Trekkies wie Lieven Litaer. Der Architekt und Hobby-Linguist ist nicht nur Klingone im Herzen, sondern auch weltweit anerkannter Experte für die klingonische Sprache – und lehrt sie auch. Wie an der Lauterer Uni.

„tlhIngan Hol Dajatlh’a’?“ Na gut, wir übersetzen mal kurz: „Sprechen Sie Klingonisch?“ Jetzt mögen etliche fragen: „Kling-was?“ Klingonisch ist die Sprache der Klingonen, einem außerirdischen Volk aus dem Star-Trek-Universum. Die meisten werden wohl die Frage verdutzt verneien. Ähnlich waren auch die Reaktionen, als der heutige Klingonisch-Experte Lieven Litaer – gebürtiger Belgier und heimischer Saarländer – mit seinem Hobby begonnen hat.

Das war 1995, als die Welt einen regelrechten Star-Trek-Boom erlebte. In den USA liefen damals gleich drei Star-Trek-Serien parallel im Fernsehen, ebenso wie in Deutschland. Und Litaer schaute sie alle, von der Captain-Kirk-Ära über die Picard-Generation bis zu den Spin-Offs „Voyager“ und „Deep Space Nine“. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt der Hardcore-Fan Jahrgang 1980. Und als er in der Serie „The Next Generation“ den ersten klingonischen Satz von Lieutenant Commander Worf hörte, war es um den sprachinteressierten Teenager geschehen.

Aber wie soll man eine Sprache lernen, die außerhalb des Raumschiff-Enterprise-Kosmos gar nicht existiert? Die Star-Trek-Serienmacher von Paramount Pictures waren da auch keine große Hilfe. In den ersten Folgen war Klingonisch noch eine wahllose Aneinanderreihung von „außerirdischen“ Zeichen, die keineerlei Sinn ergaben und nur hin und wieder zu optischen Zwecken auftauchten. Bis Marc Okrand – US-amerikanischer Sprachwissenschaftler und Erfinder des Klingonischen – eine richtige Sprache daraus strickte, die er in seinem selbstkreierten Klingonisch-Wörterbuch festhielt. Und in diesem Wörterbuch fand auch der junge Lieven seine Berufung.

„Ich bin ein übertriebener Nerd“

Er wollte Gleichgesinnten dabei helfen, die klingonische Sprache zu lernen – mit Grammatik und allem drum und dran. „Ich habe einfach Spaß daran, zu sehen, wenn andere Leute Spaß haben. Und ich wollte den Leuten etwas geben, womit sie etwas anfangen können.“ Seine Eltern waren anfangs eher skeptisch. Und die meisten Menschen in seinem Umfeld hielten ihn für einen abgedrehten Nerd, der wohl nichts besseres zu tun habe, als eine erfundene Sprache zu studieren und damit auf irgendwelche „nerdigen“ Conventions zu gehen. Mit einem hatten diese Menschen jedenfalls Recht: „Ich bin ein übertriebener Nerd“, bestätigt der Dudweilerer. „Und wenn ich etwas anfange, dann mache ich es richtig.“

Aus Spaß wurde also Ernst: Litaer blieb seinem „abgespacten“ Hobby treu und studierte die klingonische Sprache bis ins kleinste Detail – neben seinem „brotverdienenden“ Studium der Architektur. Er schrieb ganze Bücher darüber, lernte den Erfinder Marc Okrand kennen und hielt mit ihm zusammen große Star-Trek-Symposien. 2002 gründete er das Deutsche Klingonisch-Institut (DKI) in seiner Heimatstadt Saarbrücken, das seither als deutsches Epizentrum für alle Hobby-Klingonen gilt. Und er erlangte quasi mit „Warp-Antrieb“ internationale Bekanntheit.

Und schon saß er in etlichen Hörsälen, auf zahlreichen Bühnen und in verschiedensten Talk-Shows – darunter auch auf Stefan Raabs „TV total“-Sofa – und erzählte über die klingonische Sprache, als wäre sie echt. Genau genommen ist sie das jedoch schon. Denn bereits 1999 wurde sie offiziell als echte Sprache eingetragen.

„Der kleine Prinz“ und Hamlet auf Klingonisch

Mittlerweile gibt es auch ein Klingonisch-Wiki – von Litaer persönlich erstellt, mit mehr als 1500 Seiten, aus denen weltweit zitiert wird. Es gibt Theaterstücke auf Klingonisch – übersetzt natürlich von Litaer. Und sogar eine klingonische „Hamlet“-Ausgabe – mitentwickelt von Litaer. Er übersetzte auch andere literarische Klassiker wie „Der kleine Prinz“ und „Alice im Wunderland“ ins Klingonische. Und bei der neusten Stark-Trek-Serienauflage „Discovery“ auf Netflix hat er die klingonische Untertitel-Funktion gezaubert. „vuQtaH“ – also: „Faszinierend“, würde der Vulkanier Spock wohl auf Klingonisch sagen.

Durch die zunehmende mediale Präsenz dank Serien wie „The Big Bang Theory“ habe die klingonische Sprache immer mehr Akzeptanz entwickelt. „Sie ist zwar immer noch besonders, aber sie wird nicht mehr belächelt.“ Auch weil Litaer der Sprache mehr Seriosität verliehen hat, als sie zu Anfang hatte. So viel, dass er mittlerweile in Hörsälen wie dem in Kaiserslautern gastiert. Mit seinen fiktiven Sternenflottenabzeichen auf dem Jacket. Aber ohne Klingonen-Maske – die hebt er sich für die Conventions auf.

Die Sorgen seiner Eltern entpuppten sich also zwanzig Jahre später als unberechtigt. Aus dem „irren Nerd“ wurde ein gefragter und renommierter „Dozent“. Und ganz nebenbei hat er auch seine heutige Lebensgefährtin, Insa Michels-Litaer kennengelernt, die vom Nicht-Trekkie zum Hardcore-Trekkie konvertierte.

„Die Leute sagen zwar immer noch, was ich mache, sei Quatsch und es bringe mir nichts. Aber ich habe durch das Klingonisch-Lernen sehr viel erreicht“, reflektiert er. Nur nicht das Ende der Fahnenstange. Denn wie sagte Captain Jean-Luc Picard einmal: „Dor pa’logh rIntaH; ’ach wej tuch qon vay’“. Oder zu Deutsch: „Die Vergangenheit ist geschrieben, aber die Zukunft ist noch nicht in Stein gemeißelt.“

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