Kaiserslautern
Lesung mit Michael Landgraf als Livestream
„Macht es euch auf dem Sofa gemütlich.“ Pfalzbibliothek-Leiterin Renate Flesch begrüßt das Publikum zur Live-Lesung und kann es doch nur „hinter“ den Kameras vermuten. An ihrer Seite Autor Michael Landgraf. In seinen Händen zwei Bücher, eines davon hat Premiere. Davor ein Stehtisch voller Deko-Figuren, dahinter Lichterglanz in der Bücherregal-Kulisse.
Mit zwei Kameras fängt Fabian Stiehl möglichst viel von dieser Stimmung vertrauten Erinnerns ein. Denn darum geht es, ums Erzählen, was war und was heute ist, wie wird wo weltweit Weihnachten gefeiert, wie waren die Anfänge dieses Festes zu Jesu Geburt und wie hat sich was kulturell weltweit etabliert. Auch in Ländern Andersgläubiger.
Kinder haben das Wort
Für Kinder schrieb Landgraf von ihresgleichen in seinem ersten Buch „Kinder feiern Weihnachten – hier und überall“ von Weihnachtstraditionen und -erlebnissen. Er lässt Kinder beschreiben, was rund um das Fest passiert und was ihnen davon am besten gefällt. Landgrafs Weihnachtszeit-Reise beginnt in Europa, um danach über den großen Teich hinweg auch aus den USA und Südamerika zu berichten. Die Reise in der Pfalzbibliothek endet in der Pfalz. Und zwar mit der Buchpremiere „P(f)älzer Weihnachten“.
Legenden und Geschichten
Da dreht sich alles um pfälzische Weihnachtskultur und -sprache. Die Bandbreite reicht vom Christbaum, dessen Ursprung in der Pfalz liege, bis hin zum Pirmasenser Belznickel, dem einstigen Kinderschreck. Kurze Einblicke in die Geschichte dieses rot kostümierten Mannes verraten, dass er es war, der vor dem Christkind die Menschen beschenkte. Eine Legende dagegen rankt sich um die „Woiblume“ (Schwarze Nieswurz). Sollte sie blühen, verheißt das ein gutes Weinjahr für Pfälzer Winzer.
Advent, so Landgraf, gab es schon bei den Römern. Diese Zeit übernahmen die Christen für ihr Kirchenjahr. Bis zur Reformationszeit sogar als Zeit des Fastens. Abbilder früher Weihnachtsdekorationen zeigen Tannenbäume, die an Decken hängen: Die Stuben waren schlicht zu klein.
In der digitalen Wiedergabe wechseln sich Leseszenen mit Bildern, bunten Zeichnungen und landestypischen Liedern ab. Das lockert die Lesung angenehm auf und so ist eine gute Stunde wie im Flug vorbei.
Als krönenden Abschluss übersetzt Landgraf das weltweit bekannte, hundertjährige Lied „Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht…“ in das Pfälzische „Duschber die Nacht. Heilich, die Nacht. All sinn schunn im Neschd, uff is bloß de Rescht…“
Es machte Landgraf sichtlich Freude, sich in all jene Begebenheiten zu vertiefen, die Bibel und Brauchtum an Weihnachten bereit halten. Trotz publikumsleerer Kulisse.
Er kenne zwar derartige Fernsehaufzeichnungen, dieser Livestream jedoch sei sein Debüt. Der Autor ist der festen Überzeugung, dass diese Alternative für ein verbanntes Kulturleben „besser als gar nichts“ ist. Gerade in den Zeiten des pandemischen Umgangs werde deutlich, dass aus der festlichen Tradition heraus ein Gespür für das Besondere bewahrt werde.
Info:
Livesendungen aus der Pfalzbibliothek gibt es unter www.twitsch.rv/pfalzbibliothek zu sehen. Wer eine Sendung verpasst hat, kann sich eine verkürzte Version bis ins nächste Jahr hinein im Netz ansehen.