Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Landespolizeiorchester: Bei Adventskonzert in Kirche herrliche Klänge entfacht

Traf den Geschmack des Publikums: das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz mit Dirigent Stefan Grefig und Fagottist Bernd Schn
Traf den Geschmack des Publikums: das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz mit Dirigent Stefan Grefig und Fagottist Bernd Schneider.

Beim Adventskonzert des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz am Dienstagabend in der vollbesetzten Gelöbniskirche Maria Schutz bewahrheitete sich das Motto „Aus Kleinem kann Großes werden“ voll und ganz. Ein stimmungsvolles Konzert, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

Eingeladen zu dem Benefiz-Konzert hatten das Polizeipräsidium Westpfalz mit seinem neuen Leiter Hans Kästner sowie die Ökumenische Polizeiseelsorge mit ihren Polizei-Seelsorgern Norman Roth und Matthias Orth. Mit dem kleinen Christuskind habe Gott etwas angefangen, das sich zu etwas ganz Großem entwickelt habe, so Pfarrer Roth. „Alles muss klein beginnen, wir müssen ihm nur Zeit lassen, dann kann etwas Großes daraus werden.“ Aus Kleinem begann auch das Polizeiorchester unter Leitung von Stefan Grefig, um es langsam zu etwas Großem anwachsen zu lassen.

Johann Sebastian Bachs „Sleepers Wake“ (“Wachet auf, ruft euch die Stimme“) entwickelte sich sachte aus dem Pianissimo und wuchs zu herrlichem Klang an. Dem Orchester gelang eine ausnehmend glückliche Wiedergabe. In ruhigem Tempo konnten sich die fein empfundenen Registrierungen voll entfalten. Wie bei einer riesigen Orgel spielten Blech- und Holzbläser im Mixturen-Gewand polyphon und mit großem Klang, wobei sich Stefan Grefig als überlegener Dirigent mit klarer Konzeption zeigte. Mit drahtiger Energie erstürmte er schon zum Auftakt das Weihnachtslied „Westminster Carol“ von James L. Hosay und brachte damit das Binnengeflecht zwischen den Instrumentengruppen zum Leuchten. Und das aus purer Lust am Klang.

Pauken und Trompeten gehen in die Magengrube

Einen ersten Höhepunkt brachte das „Benedictus“ von Karl Jenkins (Arrangement: Christopher Dehl) mit Bernd Schneider am Fagott. An der Intonation, der Phrasierung und der klangfarblichen Füllung seiner Partie gab es nicht das Geringste auszusetzen. Es bestach aber auch der volle, leuchtende und doch unaufdringliche Ensembleklang. Fantastisch war der Dialog zwischen Tutti und Solist sowie der Zusammenklang, als sich Flöten dazu mischten. Der explosionsartige Schluss mit strahlenden Pauken und Trompeten ging in die Magengrube.

Auch mit dem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“ (Arrangement: Guido Rennert) gelang dem Ensemble eine lebendige und tiefgründige Deutung von großer Homogenität. Mit ausgetüfteltem Klangfarbensinn und kunstvoller Phrasierungspräzision erforschte Stefan Grefig die archaisch wirkende Klangsprache des Stücks. Ein weiterer Höhepunkt war Astor Piazzollas „Milonga Del Angel“ nach einem Arrangement von Thomas Humm, der auf dem Akkordeon den Solo-Part übernahm. Humm spielte nicht nur mit optimalem Biss, sondern genau mit den Zwischentönen, Glissandi und Schwankungen, die Piazzollas Musik so unverkennbar machen.

Dramaturgisch perfekt inszeniert

Humm hat wohl genau hingehört, wie Piazzolla selbst spielt, aber dennoch gelang ihm hier etwas Eigenständiges. Bei allen ausschattierten Farben hatte seine Darbietung einen Grad an Schmelz, die süchtig machte. Auch der Farbenwechsel zwischen Ensemble und dem außergewöhnlichen Akkordeon-Sound war dramaturgisch perfekt inszeniert, indem auch dieses Stück mit einem Paukenschlag im Fortissimo und einem langsamen Ausklingen bis zum Ersterben des letzten Tons endete.

Als Solist in dem Weihnachtslied „Have yourself a merry little Christmas“ (Hugh Martin/ Ralph Blane) glänzte Joachim Lösch auf dem Flügelhorn. Erstaunlich, wie er im Pianissimo sein Instrument praktisch entmaterialisierte: Nicht ein Gramm Messing schwang in seinem Spiel mit, vielmehr ein Strom aus schwebenden Sounds und geflüsterten Tönen. Kongenial begleitete das Orchester. Auch diese beiden Solisten erhielten brausenden Applaus. Mit Schwung, extrem dynamisch, extrem farbig klang das Konzert aus mit „Adeste Fidelis“.

Matthias Orth erinnerte in seinen Adventsgedanken an die Proklamation der Menschenrechte 1948 und postulierte eindringlich, dass es gerade heute auf jeden Einzelnen ankomme, einen Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit zu leisten. Ovationen im Stehen für alle Beteiligten.

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