Kaiserslautern
Kunstinstallation in der Blasiuskapelle: Hirnströme werden an den Wänden sichtbar
An zwei Terminen, am 23. und am 29. Dezember, erstrahlten in der Kapelle in Mölschbach bunte Bilder, scheinbar zufällige Muster, die sich immer wieder veränderten und manchmal wie Polarlichter wirkten. Hinter der Kunstinstallation stecken aber Methode, ein gewisses Know-how und Daten aus der realen Welt.
Hans Trinkaus ist Mathematiker mit einem Sinn für Kunst, Farben und Installationen. 2016 ging Trinkaus am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Rente, ist aber seither noch als Berater fürs ITWM tätig.
Zusammenarbeit mit dem Westpfalz-Klinikum
Seit einiger Zeit befasst er sich mit der Visualisierung von Hirnströmen, genauer gesagt mit der grafischen Auswertung von Elektroenzephalogrammen, abgekürzt EEGs. Bei einem EEG werden, grob gesprochen, Elektroden an bestimmten Stellen am Kopf angebracht. So wird die Hirnaktivität gemessen, die dann in Kurven übersetzt auf einem Monitor zu betrachten ist. Am EEG können auch Krankheitsbilder abgelesen werden, insbesondere bei Parkinson- oder Epilepsie-Patienten verlaufen die Kurven symptomatisch. Zu Forschungszwecken hatte Trinkaus mit Medizinern vom Westpfalz-Klinikum zusammengearbeitet, dabei ging es darum, mit interaktiven grafischen Verfahren neue Sichten auf die Daten zu gewinnen und bisher nicht bekannte Abhängigkeiten zu entdecken.
Nun hat er mit den Daten den Sprung aus der Forschung in die Welt der Kunst gewagt. „Es sieht toll aus und man sieht nicht auf den ersten Blick, was dahinter steckt“, sagt Trinkaus. Für die Umsetzung seiner Idee brauchte er die Daten, einen handelsüblichen Laptop und einen Beamer, den er sich ausgeliehen hatte für die Aktion. Dabei blieben die Kosten sogar nicht komplett an Trinkaus hängen, dank eines Förderprogramms der Stadt Kaiserslautern, berichtet er.
Am 23. Dezember feierte die Installation Premiere, ein Datum, das Trinkaus nicht rein zufällig wählte. „Es wäre der 100. Geburtstag meiner Mutter gewesen“, verrät der Mathematiker. Rund eine halbe Stunde erleuchtete Trinkaus mit den visualisierten EEGs die Kapelle im Lauterer Stadtteil, untermalt von Musik, die er dazu ausgesucht hatte. In der darauffolgenden Woche dauerte die Installation gar zehn Minuten länger.
Neuauflage in der Marienkirche?
Als Einleitung hatte sich Trinkaus beim ersten Termin etwas Besonderes ausgedacht. Zuvor hatte er EEGs von Pfarrerin Jutta Rech und dem katholischen Geistlichen Steffen Kühn aufgenommen und dann deren Daten und die Wechselwirkung zwischen ihnen an die Wände der Kapelle projiziert, „Das hatte dann gar einen ökumenischen Gedanken“, sagt Trinkaus.
Die zwei Termine sollen aus Sicht Trinkaus’ keine ein- oder genauer gesagt zweimalige Sache gewesen sein. Er hat Kontakt zur Marienkirchen-Gemeinde geknüpft, könnte sich eine Installation auch in der Marienkirche vorstellen. „Das wäre sehr zentral gelegen, auch nahe dem Westpfalz-Klinikum.“ Und damit, so Trinkaus, auch nahe an den Medizinern, die mit den EEG-Daten tatsächlich arbeiten, forschen und womöglich dabei helfen, Erkrankungen des Gehirns besser zu verstehen und dann besser behandeln zu können. „Ich könnte mir gar ein medizinisches Symposium in der Kirche vorstellen.“ Eine die Veranstaltung begleitende Installation würde der Mathematiker dafür mit Sicherheit beisteuern.