Kaiserslautern
Kochwerk bekocht afghanische Flüchtlinge der Air Base Ramstein
Im Kochwerk summt es vor Geschäftigkeit wie in einem Bienenkorb. Es ist Mittwoch, 11 Uhr, das Mittagessen für die afghanischen Flüchtlinge muss zur Auslieferung gerichtet werden. Draußen wartet schon der 15-Tonner, der es zur Air Base bringt. Falls er nicht ausreicht, steht zusätzlich ein 7,5-Tonner bereit. Denn die Verpflegungsmengen sind gigantisch. Das Trockenlager platzt aus allen Nähten, überall arbeitet das Personal Hand in Hand, damit alles wie am Schnürchen läuft. „Ich bin stolz auf unsere Leute. Sie sind alle bereit, humanitäre Hilfe zu leisten und zeigen großen Einsatz“, sagt Christine Ohnesorg, Geschäftsführerin des Inklusionsunternehmens Simotec GmbH. Es betreibt das Kochwerk und ist eine Tochtergesellschaft des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz.
Dass das Pensum so reibungslos gestemmt wird, ist eine reife Leistung. Denn die Anfrage des US-Luftwaffenstützpunkts kam kurzfristig. „Der erste Kontakt fand am Freitag, 20. August, statt. Dann ging alles ganz schnell. Am Samstag erhielten wir den Auftrag, für Sonntag 5000 Abendessen zu liefern und für Montag 10.000 mal Frühstück und Abendessen.“
Das Unmögliche wurde möglich gemacht
Der Knackpunkt: Samstags ist das Kochwerk eigentlich geschlossen. Und so liefen die Handys heiß, zur Mitarbeiterschaft und auch zu den Lieferanten, „die zum Glück bereit waren, das Unmögliche möglich zu machen. Normalerweise haben wir einen Vorlauf von zwei bis drei Tagen, jetzt mussten kurzfristig Entscheidungen getroffen werden“, sagt Betriebsleiter Jörg Zinnecker. „Aber es hat funktioniert, alle haben an einem Strang gezogen.“
Das tun sie immer noch, mit vereinten Kräften und verstärkt durch die Beschäftigten der Außengruppe, die früher als geplant ihre Arbeit wieder aufgenommen haben. Gebraucht wird jede helfende Hand, denn das Auftragsvolumen hat sich schnell erhöht auf insgesamt 30.000 Mahlzeiten pro Tag. Folglich geben sich die Lieferanten die Klinke in die Hand. „Von drei Uhr nachts bis 15 Uhr nehmen wir Waren entgegen“, erklären die beiden Küchenleiter Toni Benkel und Lukas Reiß. „Alles rein vegetarische Kost. Zum Frühstück gibt es Brot, Brötchen, süße Aufstriche, Pflanzenmargarine und für jeden ein Stück Obst. Wobei es gar nicht so einfach ist, zum Beispiel 10.000 Bananen auf einen Schlag zu bekommen.“
Mittags stehen in der Regel Rohkost-Salate auf dem Plan. Werden auch dazu Brötchen ausgegeben, treffen im Kochwerk an dem betreffenden Tag 40.000 Stück ein. Warme Verpflegung ist für den Abend vorgesehen. „Zum Beispiel Linseneintopf oder Pasta mit Gemüsebolognese. Dafür sind 2,5 Tonnen Nudeln in die Töpfe gewandert. Und für einen Eintopf muss ein 100-Liter-Topf 30 mal gefüllt werden“, berichtet Toni Benkel und ist froh, dass die Ausstattung des Kochwerks diesen Anforderungen gewachsen ist.
Prozesse haben sich inzwischen eingespielt
„Zur Not könnten wir ein Zwei-Schicht-System fahren, es gibt immer eine Lösung“, ist sich Betriebsleiter Zinnecker sicher. Mittlerweile haben sich die Prozesse eingespielt und für die Auslieferung unterstützt das Gemeinschaftswerk mit großen Lkw aus seinem Fuhrpark. Bei der Anlieferung an der Air Base ist Pünktlichkeit gefragt, denn die Übergabe findet zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt statt.
„Wir haben im Moment die Zusage, bis einschließlich 30. August die Verpflegung zu liefern“, so Christine Ohnesorg. Sollte sich der Auftrag verlängern, bekommt das Kochwerk noch mehr zu tun. Denn dann sind die Sommerferien zu Ende, Schulen und Kindergärten öffnen wieder. „Sie zählen neben Einrichtungen des Ökumenischen Gemeinschaftswerks zu unseren Kunden. Das macht alles in allem etwa 4000 Mahlzeiten pro Tag.“
Die Vorbereitungen dafür haben bereits begonnen. Parallel zu den 30.000 Essen für die Air Base. „Für die humanitäre Hilfe leistet unsere Belegschaft wirklich Außergewöhnliches“, sagt die Geschäftsführerin und spart nicht mit Anerkennung. „Das ganze Team hat die Herausforderung angenommen und ist dadurch noch mehr zusammengewachsen. Jeder hilft jedem“, bestätigen die Küchenleiter.
