Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern erinnert an Hellmut Hartert

Hellmut Hartert (1918−1993)
Hellmut Hartert (1918−1993)

Das Westpfalz-Klinikum befindet sich in der Kaiserslauterer Hellmut-Hartert-Straße. Sie hat ihren Namen nach einem langjährigen Ärztlichen Direktor.

Alle Post ans und vom Haupthaus des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern trägt die Adresse Hellmut-Hartert-Straße. In allen Infos und Verzeichnissen des Krankenhauses wird dieser Arzt genannt. Es überrascht, dass die Klinik eine am 14. Februar telefonisch und schriftlich gestellte RHEINPFALZ-Anfrage zum Namensgeber bis dato unbeantwortet ließ.

Immerhin attestierte die Zeitschrift „Clinical Hemorheology“ dem Internisten, seine „wissenschaftlichen Erfolge und Erfindungen“ seien „überall in der Welt bekannt“. Unter anderem erforschte der Mediziner die Fließeigenschaft und Gerinnung des Bluts.

Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen die 1948 erschienenen „Blutgerinnungs-Studien“ über ein labormedizinisches Diagnoseverfahren bei Verklumpungen. Es galt zunächst als störanfällig und aufwendig. „In der Folgezeit“, so heißt es im typischen Fremdwort-Jargon eines Ärztelexikons, „wurde die Methode kontinuierlich weiterentwickelt, sodass sie sich heute auch für die Point-of-Care-Diagnostik (=Soforterkennung, Anm.) eignet.“

Ein besonders sensibles Messgerät für Blutgerinnsel – der „Thrombelastograph“ – ermöglicht eine bessere Medikamentendosierung. Hellmut Hartert war also in Fachkreisen bereits eine internationale Berühmtheit, als er 1962 nach Kaiserslautern kam.

Er wurde 1918 in Tübingen als Sohn eines Chirurgen geboren. Im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet, studierte er in München, Prag, Freiburg, Breslau, Wien und Berlin, wo er mit 26 Jahren seine Doktorarbeit vorlegte.

In Kaiserslautern wurde zu dieser Zeit gerade die Geburtenstation des Städtischen Krankenhauses wegen der alliierten Bombenangriffe ins Karlstal verlegt. Die Klinik war 1893 eröffnet worden. Zuvor gab es Spitäler in der heutigen Schillerstraße und auf dem Kotten, die auf eine schon 1176 von Kaiser Barbarossa gestiftete Pflegeeinrichtung zurückgingen.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfügten die innere und die chirurgische Abteilung zusammen über 280 Betten. Der Stellenplan verzeichnete zwölf Ärzte. Direktor war seit 1924 der aus Darmstadt stammende Willy Weis, dem 1947/48 der Internist Richard Bittrolff (1883- 1960) folgte. Schließlich übernahm der aus Berlin kommende Chirurg Gottlieb von Conta (1897-1978) die Leitung. Er trat 1962 in den Ruhestand.

Die Karriere seines Nachfolgers Hellmut Hartert ist eng mit der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität verbunden. Dort hatte Hartert ab 1953 einen Lehrauftrag für Innere Medizin, sieben Jahre später wurde er außerplanmäßiger Professor. Später lehrte er auch an den Unis Homburg und Mainz. Zudem war er 1969/70 Mitbegründer der Lauterer Universität.

Seine Vortragstätigkeit führte ihn in alle Welt, Unis in Kanada und Japan machten ihn zum Gastprofessor. Die Liste seiner Publikationen umfasst über 300 Titel. 1979 hob er zusammen mit Albrecht Ehrly die „Deutsche Gesellschaft für klinische Mikrozirkulation und Hämorheologie“ aus der Taufe. Ein Tüftler war der Familienvater auch im Privatleben. Er interessierte sich für Feinmechanik, Astronomie und Architektur, galt im Bekanntenkreis als Experte für Stereo-Tontechnik.

1974 gab Hellmut Hartert die Leitung des Lauterer Krankenhauses ab. Er eröffnete eine eigene Praxis und amtierte zeitweilig als Vorsitzender der Saarländisch-pfälzischen Internisten-Gesellschaft. Die von ihm mitbegründete „Internationale Gesellschaft für Biorheologie“ ehrte ihn 1973 mit ihrer Goldmedaille für Verdienste um die Erforschung der Fließeigenschaften von Blut.

Doch auch die besten Mediziner können krank werden und müssen sterben. Hellmut Hartert erlag am 17. September 1993 in Kaiserslautern einem Nierenkarzinom. Drei Jahre später erhielt die Straße, die direkt am komplett umgebauten Klinikum vorbeiführt, seinen Namen.

Das Westpfalz-Klinikum, als es noch Städtisches Krankenhaus Kaiserslautern hieß.
Das Westpfalz-Klinikum, als es noch Städtisches Krankenhaus Kaiserslautern hieß.
Heute ein begehrtes Sammelobjekt: Postkarte aus den 1930 Jahren.
Heute ein begehrtes Sammelobjekt: Postkarte aus den 1930 Jahren.
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