Kaiserslautern Jung an Jahren, groß an Können

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In den „Hot Club de France“ im Paris der 1930er Jahre fühlte man sich am Mittwochabend mit dem Gipsy Trio versetzt. Mit seiner lebendigen Musik und ihrem ganz eigenen Charme ließ das Trio, das anstelle des erkrankten Caruso Lehmann Quartetts auftrat, Erinnerungen an den großen Django Reinhardt wach werden.

Vielleicht gibt es eine soziologische Erklärung dafür, dass es unter den Sinti und Roma so unglaublich viele und großartige musikalische Talente gibt. Offensichtlich dürfte sein, dass sie sich auf unserer Seite des Atlantiks etwa in der gleichen Situation befinden, in der die Schwarzen in den USA sind. Immer wieder waren es ja diskriminierte ethnische Minoritäten, aus denen große Jazzmusiker hervorgegangen sind: in den USA nach den Afro-Amerikanern Juden und Italiener und auch in Europa viele Juden. Auch hier wird deutlich, dass Jazz – authentischer, nicht vom Musikgeschäft diktierter Jazz – in welcher rassischen Umgebung auch immer, ein Schrei nach Freiheit ist. So schwang auch in der Musik des Gipsy Trios, das, ergänzt durch den „Special Guest“ Jerome Reinhardt, sich zum Quartett erweiterte, das Saitengefühl ihres ganzen Volkes mit. Vor allem, was die beiden erst 21 Jahre jungen Gitarristen Niko Weiß und Jerome Reinhardt präsentierten, war sensationell. Dabei haben sie, wie sie der RHEINPFALZ verrieten, nie bei einem Musiklehrer eine Unterrichtsstunde gehabt, sich alles selbst beigebracht. In Titeln wie „All of Me“, „Dance Norvegienne“ oder „You are the Sunshine“ zeigten sie die hohe Schule der Improvisation. Immer wieder brachten sie Melodien hervor, die voll origineller, überraschender Wendungen waren und doch dank ihres logischen Aufbaus ein einheitliches Ganzes ergaben. Chromatische Rolls wie rasante Glissandi prägten ihren farbenreichen Personalstil genauso wie Stilarten des Modern Jazz, die sie ganz natürlich einfließen ließen. Vor allem Niko Weiß brillierte immer wieder mit langgezogenen, klagenden Noten, denen er schnelle Läufe gegenüberstelle, die wie Kaskaden klarer Wassertropfen herunterfielen. Die Explosionen von kurzen Schauern von Einzeltönen, die virtuose Vibratotechnik, das spannungsvolle Bending von Saiten zur Erzielung von Dirty Tones, Synkopierungen und blitzartige Akzentuierungen sowie die typischen Oktavgänge zur gelegentlichen Ausdrucksteigerung zeigten schon das Können von zwei Musikern, die eine ganz große Zukunft in Aussicht haben dürften. Dabei wechselten sich die beiden Gitarristen in der Leadführung stets ab, meist sogar mitten in einem Stück. Dann übernahm der andere jeweils die perkussiv geschlagene Rhythmusgitarre. Im Verein mit dem unentwegt pulsenden Bass von Romano Weiß, als Hauptschlagader für eine faszinierende Klangkonstruktion, schuf der dann einen unbändigen, mitreißenden Swing, der präzise war wie eine Schweizer Uhr. Absolute Höhepunkte dieser positiv Verrückten aus Mannheim waren die unvergesslichen Django-Reinhardt-Titel „Nuages“ und der „Minor Swing“. Da konnte man als Zuhörer nur lauschen, lächeln, glücklich sein. Da konnten die Mundwinkel gar nicht anders als automatisch nach oben zu wandern. Solche Stücke schüttelten die drei nur so aus dem Ärmel, als wäre es das Leichteste auf der Welt. Beeinflusst von Größen wie Django Reinhardt, George Benson oder Wes Montgomery haben sie auf ihrer Akustikgitarre eine Meisterschaft erlangt, die es vortrefflich versteht, die Musiktraditionen und Spielarten des europäischen Gipsy-Swing mit dem amerikanischen Mainstream zu vereinen. Da blieb dem Pianisten Jens Reinhardt nur noch begleitende Funktion. Das erledigte er aber kongenial. Und bei der einleitenden Improvisation zeigte er seine virtuose Spielfreude und Experimentierlust.

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