Reichenbach-Steegen RHEINPFALZ Plus Artikel Jan Epp ist neuer Geschäftsführer des Landesmusikverbandes

Der neue Geschäftsführer des Landesmusiverbandes: Jan Epp.
Der neue Geschäftsführer des Landesmusiverbandes: Jan Epp.

Die künstlerische Laufbahn des Reichenbacher Musikers Jan Epp ist beileibe keine Sackgasse. Was aus den ursprünglichen Plänen des Trompeters wurde und wie er von seinem Traumberuf des Orchestermusikers abrückte und schließlich für eine neue Karriere durchstartete, verriet er im RHEINPFALZ-Interview.

Epp stammt aus dem Herzen des Musikantenlandes, kam durch den örtlichen Reichenbacher Musikverein und seine Familie zur traditionellen Blasmusik, was seinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte: Die beiden Trompeter des überregional bekannten Rennquintetts (Uwe Zaiser und Peter Leiner) wurden seine Idole und Mentoren – und auch seine Lehrer. Sie prägten ihn ebenso nachhaltig wie auch die Kreismusikschule Kaiserslautern und hier allen voran deren Leiterin Kristina Schier, die sein außergewöhnliches Talent förderte.

Was dann folgt, klingt wie eine Bilderbuchkarriere: Wettbewerbserfolge bei Jugend musiziert, vier Jahre Landes-Jugendorchester Rheinland-Pfalz und parallel beim Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern legten den Grundstock für die angestrebte Karriere als Trompeter im professionellen Bereich. Über das Bundesjugendorchester kam er als Ergänzung zu seinen Studiengängen an den Musikhochschulen Stuttgart und Saarbrücken zu vielen interessanten Aushilfstätigkeiten bei Orchestern wie der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Staatsorchester Stuttgart und sogar mehrfach beim Orchester der Wagner-Festspiele Bayreuth. Mit einem Praktikum am Theater Osnabrück setzte er parallel zu vielen Auftritten als Solist und bei Kammermusikformationen sein Bemühen um Orchester- und Podiumserfahrung fort.

Zwischen Auf- und Gegenwind

Schien der künstlerische Berufsweg mit diesen musikalischen Höhenflügen einerseits erfolgreich geebnet, veränderte sich aber die professionelle Musikszene seit den 1980er Jahren signifikant: Ob Polizei- oder Bundeswehrorchester, Bigbands (die den Sendern angeschlossen waren) sowie Theater-und Sinfonieorchester – es waren in jedem Sektor entweder Zusammenlegungen, Auflösungen oder Stellenabbau innerhalb der Orchester zu beklagen. Gleichzeitig schien die große Zeit der Tanz-, Show- und Unterhaltungsorchester (etwa bei Fernsehgalas) vorbei. Hinzu kam ein Trend bei vielen Musikschulen, Lehrer nur auf Honorarbasis zu beschäftigen. „Sinkende Stellenangebote bei steigenden Bewerberzahlen“, lautete spätestens nach dem Millennium die verhängnisvolle Formel.

Vor diesem Hintergrund entschied sich auch Epp mehrgleisig zu planen: Nach dem Musikstudium war er dann bis 2018 für vier Jahre beim SWR Kaiserslautern als Orchesterwart tätig und sammelte danach als Instrumentallehrer etwa an der Musikschule Rhein-Pfalz-Kreis auch pädagogische Erfahrungen. Schließlich begann er nach Lehrgängen als Dirigent bei regionalen Musikvereinen auch diese Seite der Kulturarbeit kennenzulernen. Und er kehrte zum Heimatverein nach Reichenbach zurück – jetzt als Dirigent. Womit sich zunächst der Kreis schloss und sich sogleich wieder für andere Impulse öffnete: Vor genau einem Jahr wurde Epp zum Manager des Landes-Jugend-Blasorchesters Rheinland-Pfalz ernannt und avancierte in diesen Tagen zum Geschäftsführer des Landesmusikverbandes.

Welche Chancen ihm diese Stelle bietet

Durch einen Fernlehr-Studiengang des Fachbereichs „Kulturmanagement“ lernte Epp die organisatorische, planerische Seite von Kulturarbeit kennen: zunächst beim Landes-Jugend-Blasorchester, für das er Probenphasen, Auftritte mit Unterbringung und Räumlichkeiten sowie Verpflegung zu organisieren hatte. Bei seiner neuen Stelle betreut er 19 Kreismusikverbände mit rund 500 angeschlossenen Vereinen, etwa in Sachen Verwaltung oder Haushaltsaufstellung. Dabei schweben Epp strukturelle Veränderungen und digitale Verbesserungen vor. In sein Ressort fallen die Abrechnungen von GEMA-Gebühren und Mitgliedsbeiträgen ebenso wie die Ausarbeitung von effizienten Rahmenbedingungen und das Erstellen von Statistiken als Indikator für strukturelle Veränderungen.

Vor allem sieht Epp einen Aufklärungsbedarf, um allgemeine Probleme wie Dirigentenmangel, Finanzierungslücken oder Kooperationsmodelle anzugehen. Letztere beispielsweise im Hinblick auf Notenbörsen oder Instrumentenaustausch bei kostspieligen Instrumenten wie Pauken. Auch personelle Lösungen wie Aushilfen könnten durch bessere Vernetzung angegangen werden. Grundsätzlich sehe er die Corona-Krise auch als Chance für neue – nicht nur digitale – Impulse: Eine Schrumpfung der Orchester könnte etwa zu neuen, reduzierten Notenausgaben auf dem Musikmarkt führen. „Es ist vieles zuletzt in Bewegung gekommen“, sieht Epp mehr Aufbruchstimmung als Resignation und möchte an dieser neuen Schaltstelle zwischen Management und Vereinen mitwirken, die Krisen zu meistern.

Wirkt als Dirigent bei seinem Heimatverein, dem Musikverein Reichenbach, hier im vorvergangenen Jahr auf Burg Lichtenberg.
Wirkt als Dirigent bei seinem Heimatverein, dem Musikverein Reichenbach, hier im vorvergangenen Jahr auf Burg Lichtenberg.
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