Kaiserslautern „Hey Alter, ich schwör’, eh!“

Ein Multitalent, das auch noch singen kann: Comedian Bernd Stelter.
Ein Multitalent, das auch noch singen kann: Comedian Bernd Stelter.

In seinem inzwischen sechsten Soloprogramm fand der Comedian, Entertainer, Kabarettist und Publizist (von fünf Büchern) Bernd Stelter eine eigene Note – was in dem inzwischen abgegrasten Genre schon eine Kunst für sich ist. Ein nahezu ausverkauftes Ramsteiner Haus des Bürgers bot dem seit 1989 im Kölner Karneval aufgestiegenen Allrounder die gewohnte Kulisse für seine rhetorischen Höhenflüge.

Nach früheren Soloprgrammen wie „Geschichten aus der Vorstadt“, „Papa is’ ne Knackwurst“ und „Mundwinkel hoch“ steht Bernd Stelter nun selbst im Blickpunkt, wenn er kurz vor der Silberhochzeit mit silbergrauen Haaren die eigene und typische Partnerschaften unter die Lupe nimmt. Er findet dabei im Anflug von Selbstironie zum Thema: „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte.“ Nun, Stelter ist fast täglich auf Tour, während seine Frau zu Hause in Bornheim „wohnt“ und thront- wie er erklärt. Damit ist schon mal der Konfliktstoff zeitlich begrenzt... Bei Stelter gibt’s also nichts auf die Ohren, er betritt auch nur sporadisch und dann subtil die politische Bühne, er provoziert nicht – wie andere seines Fachs – und lamentiert nicht. Er mimt auf der Bühne mit wenigen, geschickten Handgriffen und Kleidungsstücken verschiedene Charaktere. So ahmt er einen Sauerländer Bauern nach, der mit Bodenständigkeit und Lebensweisheiten im trockenen Humor aufwartet. Die Satire auf „Bauer sucht Frau“ endet mit der Quintessenz: „Such’ Dir ne Frau, die kochen kann – Liebe geht, Hunger bleibt.“ Oder: „Nach ner Pulle Appelkorn fällt jeder Bauer nach vorn.“ Mit seiner sonoren, markanten und sehr klaren Stimme und dem Bühnentemperament wirken solch kesse Sprüche nicht abgedroschen, sondern lösen immer wieder wahre Lachsalven aus. Während sich sonst rheinische Frohnaturen mit ihrem ganz eigenen Charme und ihrer Mund- und Lebensart oft in der Fremde schwer tun, kam Stelter, sah und siegte über die pfälzische Tristesse vor der fünften Jahreszeit (Fasching). Womit wir wieder bei seinen Verkleidungskünsten wären: Weiter ging’s in den szenisch und komödiantisch gespielten Sketchen mit einer weiteren Paraderolle als Standesbeamter Wolfgang Lütsching, der in einer Gesellschaftssatire zwar die Ehe für alle im gesellschaftlichen Wandel erklärt, gleichwohl aber auch salopp feststellt, dass sich auch der Ton beim Ja-Sagen gewandelt habe: „Hey Alter, ich schwör, eh.“ Standesbeamte stellten aber auch Geburtsurkunden aus, und dieses Aufgabengebiet sah Stelters Standesbeamter durch gleichgeschlechtliche Partnerschaften bedroht. Er ließ gleichzeitig seine Berufserfahrung Revue passieren: In den 50er Jahren habe es ein Kinderzimmer mit fünf Kindern gegeben, heute sei es pro Kind ein Zimmer und ein Vater. Grundsätzlich halte er aber beispielsweise an Lesbenehen fest, denn Frauen sollten ruhig mal erleben, was es bedeutet, mit einer Frau verheiratet zu sein. Der nächste Themenkomplex war wieder mitten aus dem Leben gegriffen – der Kampf gegen Kalorien und überflüssige Pfunde mit Jogging und Nordic Walking, allerdings nicht im Affenzahn oder Schweinsgalopp, sondern gemütlich mit der Schneckenpost. Als Studiendirektor des Rosamunde-Pilcher-Gymnasiums sah er sich dann Nachstellungen einer heiratswütigen Kollegin ausgesetzt, auch da blieb kein Auge trocken. Der Tausendsassa beleuchtete das Thema Partnerschaft wirklich von allen Seiten: psychologisch, biologisch und de jure mit juristischen Belehrungen etwa über das Ehegattensplitting. Die Ehe sei nur ein Modell von vielen, vom Alltag aufgerieben gleiche sie einem Hochseilakt, bis die Nerven blank lägen wie Drahtseile. Da brauche es letztlich als Resümee die vier „vs“: vertrauen, verstehen, verzichten und verzeihen. Somit sind seine Ausführungen auch Aphorismen und mehr als oberflächliche Unterhaltung. Da stecken auch 56 Jahre Lebenserfahrung drin, vieles hat autobiographische Züge und ist vorgetragen in heiterer Selbstironie. Dieses Soloprogramm wäre allein durch das überschäumende Temperament, die Verkleidungskünste und das routinierte, aber ausdrucksstarke Abspulen zahlreicher Pointen eine Attraktion. Doch das Multitalent schreibt auch Lieder in verschiedenen Stilen wie Rap, Blues und Country, textet passend dazu und begleitet sich dabei auch noch gekonnt auf Klavier und Gitarre. Inzwischen hat Stelter auch einen Krimi veröffentlicht: Natürlich mit der rheinischen Botschaft: Mit Humor stirbt sich’s leichter...

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