Kaiserslautern „Hauptsache gesund“
Albersbach. Manfred Göttel aus Reichenbach-Steegen sagt über sich: „Ich bin mit Leib und Seele Schäfer.“ Am Rande des Ortsteils Albersbach befindet sich der Bauernhof des 62-Jährigen, der in der vierten Generation eine Schafzucht betreibt, wenn auch heute nur noch hobbymäßig. Bunt ist das Leben auf seinem Hof, denn es gibt auch den treuen Fasan Herbert und eine US-Amerikanerin, die täglich vorbeischaut und sich nützlich macht.
„Ich zähle die Jungen nicht. Hauptsache, sie sind gesund“, erzählt Manfred Göttel. Der Hobbyschafzüchter aus Albersbach lässt seinen Blick über die Schafherde schweifen, die zurzeit täglich Zuwachs durch neugeborene Lämmer bekommt. Im Dezember hat er die etwa 80 Tiere von der Weide in den Stall gebracht. Auch wenn die Herde den Landwirt 24 Stunden auf Trab hält, macht ihn die Arbeit mit den Tieren glücklich. Hilfe hat er in Lindsay Rogers, die mindestens einmal täglich im Stall vorbeischaut und überall dort mit anpackt, wo es gerade nötig ist. Zig kleine und große Klauenpaare tippeln über das Stroh am Boden des Stalls. Vorne hat Göttel Einzelboxen abgetrennt, in denen die neugeborenen Lämmer mit ihren Müttern zur Ruhe kommen. Hier nehmen sie den gegenseitigen Geruch auf, um so immer wieder zueinander zu finden. Etwas weiter hinten hat er einen Bereich eingerichtet, in dem Mutterschafe mit ihrem wenige Tage alten Nachwuchs leben. Hier wird am Stroh gezupft, die Nase in die Luft gestreckt oder das Gesäuge der Mutter gesucht. Etwas hilflos steht ein Lämmchen still im Stroh. „Was hast du denn?“ Göttel geht zu ihm hin, streichelt es und tastet dabei seinen Bauch ab. „Ich werde dich im Auge behalten“, meint er mit sorgenvollem Blick. Draußen herrschen frostige Temperaturen. Kuschelig warm ist es im Stall zwar nicht, aber die Herde mit Merino- und Schwarzkopfschafen steht immerhin geschützt. Ganz bewusst hat Göttel die Zeit, in der der Nachwuchs geboren wird, auf den Winter gelegt. „Jetzt ist die beste Zeit zum Kalben“, meint er und verweist auf die Insekten, die gerade den Mutterschafen und ihren Neugeborenen in den warmen Monaten arg zusetzten. Die Schäferei und speziell die Wanderschäferei hat in seiner Familie Tradition. Sein Urgroßvater ist von Günzburg in Bayern mit seiner Herde bis nach Paris gezogen. „Das wäre heute nicht mehr möglich“, sagt er kopfschüttelnd und mit etwas Bedauern in der Stimme. Er selbst ist in den 1980er-Jahren acht Jahre lang als Wanderschäfer unterwegs gewesen, eine Zeit, an die er gerne zurückdenkt. Doch mit dem Preisverfall für Schaffleisch tauschte er später den Hirtenstab gegen eine Festanstellung bei Opel in Kaiserslautern. Derweil ist Lindsay Rogers mit der Milchflasche in der Hand über das Gatter geklettert. Ohne zu zögern schnappt sich die junge Frau eines der Schäfchen, klemmt es unter den Arm und hält ihm den Nuckel hin. Nur allzu gerne nimmt ihn das Lamm in sein Maul und leert die Flasche in kräftigen Zügen. In den ersten Tagen ihres Lebens erhalten die Lämmer eine zusätzliche Ration Milch und auch etwas Kraftfutter. Seit eineinhalb Jahren schaut die junge US-Amerikanerin, die als Mieterin in einem Haus auf dem Hof lebt, regelmäßig im Stall vorbei. Dass sie ohne Scheu und Zögern dort anpackt, wo es fehlt, freut Göttel ganz besonders, denn Arbeit ist allemal genug da. „Wenn man den Tieren gibt, was sich gehört, muss man Tag und Nacht da sein“, meint er. Aber nicht nur Schafe leben bei Manfred Göttel. Es gibt auch noch Herbert, einen freilebenden Fasan, den Göttel so genannt hat. Immer wenn der Bauer einen seiner Traktoren anlässt, dauert es nicht lange, bis das Federvieh aus dem angrenzenden Waldstück angerannt kommt. Er verfolgt die Landmaschine auf Schritt und Tritt und – zumindest in den warmen Monaten – auch bei der Feldarbeit. Das geht nun schon seit zwei Jahren so. Dem Tierfreund gegenüber wird der Fasan immer zahmer und lässt ihn schon fast bis auf Armeslänge an sich heran. Um sicher zu gehen, dass sein Herbert noch da ist, lässt Manfred Göttel daher auch jetzt, in den Wintermonaten, in denen die Traktoren eigentlich in der Scheune parken, den Motor ab und zu an und dreht eine Runde übers Feld. Kommt der Fasan dann in Sichtweite, freut Göttel sich, „dass die Füchse und die Greifvögel ihn noch nicht haben“.