Fußball
FCK-U19: Zu viele Tiefen
Wenn von Höhen und Tiefen gesprochen wird, kann im Bezug auf die U19 des 1. FC Kaiserslautern festgehalten werden: Es gab definitiv zu viele Tiefen. Mit einem starken Auswärts-Auftritt konnten sich die Roten Teufel am letzten Bundesliga-Spieltag wenigstens den drittletzten Platz sichern. Aber dieser reichte nicht aus, um über den „imaginären“ Strich zu kommen. „Imaginär“, weil diese Saison keine Mannschaft aus der A-Junioren-Bundesliga absteigen kann.
Will mit Entwicklung zufrieden
„Grundsätzlich bin ich mit der Entwicklung der Mannschaft und vieler Einzelspieler zufrieden bis sehr zufrieden“, hält Trainer Dennis Will fest. Bei allem darf nicht vergessen werden, dass die Nachwuchskicker in der Saison zuvor gerade erst aus der Regionalliga aufgestiegen sind. Und der Aufstieg galt sowohl für die U19- als auch für die U17-Mannschaft. Aus Letzterer rückten viele Jungjahrgangsspieler hoch und legten eine solide Entwicklung hin. Zu erwähnen ist dabei David Schramm, der vom Trainer ein Sonderlob erhielt. Der Mittelfeldmotor aus dem Jahrgang 2006 musste sich während der Saison mit vielen Verletzungen herumschlagen. Doch davon ließ er sich nicht abschrecken und kämpfte sich wieder und wieder zurück. „Er ist ein sehr besonderer Spieler“, sagt sein Trainer.
Vom Sonderlob blieben aber auch noch weitere Spieler nicht verschont. Matteo Heinz kommt als Innenverteidiger auf die meisten Einsatzzeiten. Insgesamt stand er in der Saison 2194 Minuten lang auf dem Rasen und war laut Will immer ein wichtiger Rückhalt. In puncto Einsatzzeiten folgt in der Liste kurz dahinter Rechtsverteidiger Maksym Bochan mit 2075 Minuten. Der Trainer beschreibt den Außenmann als „ein sehr gutes Gesamtpaket“.
Eine unerfreuliche Bilanz
Auch auf Schlussmann Fabian Heck war stets Verlass. Im Pokal und gegen Ende der Saison auch in der Liga wich er der ambitionierten Nummer zwei, Luca Tauer. Beide überzeugten auf ihre Weise und hielten ihre Mannschaft eins ums andere Mal im Spiel. Dennoch bleibt bittere Realität, dass die Lauterer mit 63 Gegentoren passend zum Tabellenplatz die drittmeisten Treffer einstecken mussten. Und was dabei noch erschreckender ist: Die U19-Nachwuchskicker erzielten die wenigsten Tore in der A-Junioren-Bundesliga. Nur 26 Mal konnte ein Treffer bejubelt werden. Und da ist das Verletzungspech von wichtigen Offensivkräften wie Ousmane Sannoh keine Ausrede.
Die Chancenverwertung ist und bleibt ausbaufähig. Denn folgender Spielverlauf verfolgte Wills Truppe wie ein Fluch: Die Roten Teufel starteten gut in die Partie, ließen den Gegner laufen, bespielten die Räume präzise und erspielten sich viele Chancen. Doch daraus wurde viel zu wenig Kapital gezogen. Und dann nutzte der Gegner höchst effizient seine Chancen. Dieses Szenario ist selbstverständlich nur ein – wenn auch oft gesehenes – Sinnbild und deckt nicht alle Spiele ab. Die Lauterer kämpften sich auch mal nach Rückständen eindrucksvoll zurück. So zum Beispiel gegen Münchens zweitgrößten Verein. Eine 2:0-Heimführung des TSV 1860 München drehten die Roten Teufel willensstark und gewannen noch mit 4:3.
0:9 gegen Hoffenheim
Wills Grundkonzept war der spielerische Ansatz. Und die Mannschaft tat ihr Bestes, dem gerecht zu werden. „Wir haben nie den Bus geparkt“, blickt der Coach zufrieden zurück. Auch gegen vermeintliche Übermannschaften wurde immer nach spielerischen Lösungen gesucht. Und so fuhren die Lauterer Anfang des neuen Kalenderjahres auch gegen Mainz und Frankfurt überzeugende Heimsiege ein. Denn jedem war klar, dass es eigentlich keinen Grund zum Verstecken gab. Und trotzdem brachen die Lautrer zu oft ein. Nicht zu vergessen ist dabei die 0:9-Klatsche gegen Hoffenheim, an die sich viele Rote lieber nicht erinnern wollen.
In der ersten Runde des DFB-Pokals bezwangen die Lauterer noch als frischer Aufsteiger RB Leipzig mit 3:2. In diesem Fight schoss Mika Haas seine Elf zum Sieg. Bis zur Rückrunde war er der Kapitän. Doch während der Saison wurde er bereits fest in die U21 integriert, um seinen nächsten Karriereschritt anzugehen.
Fürs U19-Nationalteam empfohlen
Auch mal oben Luft schnuppern durfte Yasin Zor, der mit seinem Spielwitz auch die türkische U19-Nationalmannschaft auf sich aufmerksam machte. „Er hat immer versucht, den Unterschied zu machen“, lobt Will. Zor wird als 2005er-Jahrgang allerdings nach dem Sommer in die U21 hochgehen müssen. Anderes gilt für Kian Scheer, den Jüngsten aus der Truppe. Als 2007er wurde er Mitte der Saison aus der U17 hochgezogen und bewies mehr als einmal, dass er bei den Älteren absolut mithalten kann. Er unterstützte Oskar Prokopchuk im Sturm, der vor allem gegen Ende der Saison noch mal in Fahrt kam und gegen München zwei Tore beisteuerte.
Insgesamt geht es mit einem positiven Blick nach vorne. Die Nachwuchsabteilung des FCK ist einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Und nächste Saison gilt es in einer Liga, in welcher ausschließlich Nachwuchsleistungszentren spielen, an die Entwicklung anzuknüpfen. In dieser Liga wird der Ergebnisdruck weiter nicht hoch sein, da niemand um den Abstieg bangen muss. Trotzdem will jeder Fußballer gewinnen. „Wer nicht gewinnen will, ist kein richtiger Fußballer“, schließt Will ab.