Kaiserslautern
Die größten Sprünge und tiefsten Stürze innerhalb der Parteien
Anders als bei der Europawahl – und der Bundestags- und Landtagswahl – dürfen die Wähler bei einer Kommunalwahl ihre Stimmen auf Kandidaten mehrerer Parteien verteilen (Panaschieren) und mehrere Stimmen, bis zu drei, auf einen Kandidaten vereinen (Kumulieren). Es sind jeweils so viele Stimmen zu vergeben wie Mandate in dem Gremium vorhanden sind, in Kaiserslautern also 56. Da zuerst die reinen Listenstimmen und erst am Montag die kumulierten und panaschierten Stimmen gezählt werden, ergeben sich dann meist noch etliche Verschiebungen – und Überraschungen, wer tatsächlich in das Gremium einzieht.
Die bekannten Aufsteiger der vergangenen Kommunalwahlen sind Raymond Germany (SPD), Walfried Weber (CDU) und Reiner Kiefhaber (SPD). Kiefhaber, der 2021 sein Amt als Erfenbacher Ortsvorsteher und sein Stadtratsmandat aus beruflichen Gründen nierlegte, ist beim Volk immer noch sehr beliebt: Er zieht zwar nicht in den Stadtrat ein, machte aber den größten Sprung von Listenplatz 48 auf 17, also um 31 Plätze.
Ebenso wie Kiefhaber bewiesen auch Germany und Weber wie bei den vorangegangen Kommunalwahlen, dass sie große Sprünge machen können – wenn auch dieses Mal nicht so stark wie in der Vergangenheit. Auf Listenplatz 17 aufgestellt, sprang Germany um 14 Plätze auf Rang drei – und zieht damit wieder solide in den Stadtrat ein. Vor fünf Jahren kletterte der beim Wahlvolk beliebte Politiker um 17 Plätze nach oben, vor zehn Jahren um 19.
Bekannter Aufsteiger Walfried Weber und Überraschungssieger Gerhard Rupprath
Auch das CDU-Urgestein Walfried Weber ist für seine legendären Kletterkünste bekannt: Nach 23 und 18 Plätzen Verbesserung bei den vergangenen Wahlen sicherte er sich diesmal Rang drei, indem er acht Plätze gut machte; mit dem Listenplatz elf hatte er jedoch so oder so ein Mandat im Stadtrat sicher. Der Hohenecker Ortsvorsteher Alexander Rothmann (CDU) sicherte sich als routinierter Kletterer bei der Stadtratswahl sein Mandat, indem er von Platz 13 auf acht aufstieg. 2019 schaffte er einen Sprung um zwölf Plätze. Bangen muss er hingegen auf anderem Parkett: Als Ortsvorsteher-Kandidat muss er dort – bei drei Bewerbern – in die Stichwahl gegen Sozialdemokratin Heike Spies.
Den größten Satz von allen Kandidaten machte der Freie Wähler Gerhard Rupprath. Der Kinderarzt im Ruhestand, der das kinderkardiologische Zentrum am Westpfalz-Klinikum aufbaute und die Kinderklinik 27 Jahre lang leitete, ist alles andere als ein Unbekannter, wie sein Wahlergebnis zeigt: Satte 26 Plätze ließ er hinter sich, indem er von Listenplatz 30 auf vier schnellte und sich somit ein Mandat sicherte. Die bisherige Fraktionssprecherin Gabriele Wollenweber, die kürzer treten will und die Führungsposition abgeben möchte, ließ sich auf Platz 35 aufstellen – gewählt wurde sie auf Platz neun. Trotz des Zuwachses der Freien Wähler im Stadtrat ist sie damit, wie gewollt, nicht hineingewählt.
Wo Gewinner sind, gibt es logischerweise auch Verlierer. Einen Dämpfer verkraften muss Sozialdemokrat Marcel Schulz. Der Gewerkschafter verpasst ganz knapp den Wiedereinzug ins Stadtparlament, weil er vom aufgestellten Platz fünf auf Platz 13 abrutschte. Seine Parteikollegin Petra Janson-Peermann kommt mit einem blauen Auge davon: Von Listenplatz vier sank sie auf elf und bleibt somit im Stadtrat.
Bei den Linken gab es bei den Gewählten gar keine Veränderungen
Wenig Veränderung gab es hingegen – wie in der Vergangenheit – innerhalb der Grünen, der Linken, der FDP und der AfD. Obwohl unverändert beziehungsweise sogar um einen Platz verbessert, haben die Grünen Simon Sander und Dieter Siegfried das Nachsehen auf Platz zehn und elf: Da die Grünen nur noch sieben Sitze statt elf haben, müssen die beiden künftig draußen bleiben. Auf den vorderen Plätzen – abwechselnd mit Frau und Mann besetzt – gab es, ähnlich wie bei der SPD, geringe Verschiebungen: So tauschten beispielsweise Tobias Wiesemann und Lea Siegfried Platz eins und zwei, Michael Kunte und Gilda Klein-Kocksch Platz drei und vier.
Die FDP verliert einen Sitz, wodurch die auf Platz drei aufgestellte sowie gewählte Eva Lenz den Stadtrat verlassen muss. Sprecherin Brigitta Röthig-Wentz tauschte ihren ersten Platz mit Dietmar Theißinger, der auf zwei gesetzt war.
Bei der AfD gab es auf den vorderen Plätzen keine Veränderung, jedoch geringe Verschiebungen ab Platz fünf; die AfD-Wähler kreuzten also nicht nur, wie von den anderen Ratsmitgliedern erwartet, Listen an, sondern vergaben auch gezielt Personenstimmen. Da jedoch nicht so viele kumulierte und panaschierte Stimmen wie bei anderen Parteien vergeben wurden, ergaben sich hier am Montag noch ein paar Verschiebungen zu deren Ungunsten – wie die anderen Parteien gehofft hatten. Die AfD kam letztlich auf elf Mandate und verlor damit im Vergleich zum Zwischenergebnis von Sonntagabend drei Mandate.
Gar keine Veränderung gab es bei den Linken: Die ersten drei ziehen, genau wie aufgestellt, erneut in den Stadtrat ein.