Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das wohl älteste erhaltene Bürgerhaus in Kaiserslautern

Mit Pfalztheater und Rathaus im Hintergrund: das historische Gebäude am Rittersberg 14.
Mit Pfalztheater und Rathaus im Hintergrund: das historische Gebäude am Rittersberg 14.

Das Anwesen Rittersberg 14 ist das älteste erhaltene Bürgerhaus der Stadt. Wie es genutzt wird und welche Schwerpunkte bei der Sanierung gesetzt werden.

Zu dem Haus neben dem Rittersberg-Gymnasium hat der ehemalige Architekt Dieter Burghaus aus mehreren Gründen eine enge Verbindung: Erstens stammt es aus dem Familienbesitz seiner Frau Ursula. Zweitens war der Architekt mit eigenem Büro jahrelang im Arbeitsteam Altstadtsanierung der Stadt Kaiserslautern tätig, befasste sich dort mit Stadt- und Sanierungsplanung. Im Unruhestand engagiert sich der 82-Jährige heute unter anderem bei der Initiative „Pfaff erhalten – Stadt gestalten“.

Gekauft hat das Gebäude, welches der ehemalige Stadtarchivar Heinz Friedel als „eines der schönsten Häuser der Altstadt“ bezeichnete, 1926 Friedrich Reutter, der Großvater von Ursula Burghaus. Die Landmaschinenhandlung Reutter, welche Lantz-Produkte verkaufte, hatte am Rittersberg ihren Hauptgeschäftssitz, bis sie 1978 in die Friedenstraße umzog. Ursula Burghaus übernahm mit ihrem Mann 1984 das Anwesen aus Familienbesitz. Zwei Jahre zuvor war es als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt worden.

Alte Barocktüren noch erhalten

1984 wurde auch mit der Sanierung begonnen, die sich über etwa 14 Jahre hinziehen sollte, wie Burghaus im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet. Seitdem ist im Untergeschoss des Gebäudes ein Restaurant untergebracht, die gastronomische Nutzung, die im Sommer auch den gepflasterten Innenhof mit der alten Linde umfasst, soll auch in Zukunft beibehalten werden.

In den Kellern, die aus verschiedenen Epochen stammen, war einst der Weinverkauf der Familie Karsch. An den Türgewändern ist noch das Faßmaß auszumachen, worauf Dieter Burghaus aufmerksam macht. „Ein denkmalgeschütztes Haus zu besitzen, ist nicht leicht“, weiß der Fachmann. „Ich bin bis nach Paris gefahren wegen passender Türgewänder.“ Erhalten geblieben sind in dem weitläufigen Gebäude auch die alten Fenster – sie wurden ausgebaut, neu verglast und wieder eingebaut. Die alten Barocktüren, die überall im Gebäude zu finden sind, mussten erst einmal von Ölfarbe befreit werden.

Salon mit Erbstücken ausgestattet

Ins Erdgeschoss, das als Hochparterre angelegt ist, führt eine steinerne Freitreppe. Auch drinnen geht es über mehrere steile Holztreppen nach oben. Die Besichtigung beginnt ausnahmsweise im Obergeschoss – dort, wo das Ehepaar Burghaus den Salon zur eigenen Nutzung behalten hat. Dieser wird beispielsweise für Familienfeiern oder Zusammenkünfte der verschiedenen Gremien genutzt, in denen Dieter Burghaus aktiv ist. Ausgestattet ist der Salon mit dem großen Tisch und den schweren Stühlen ausschließlich mit Erbstücken – von den Möbeln über die Bilder bis zum Radio und der Schreibmaschine. Alte Familienfotos schmücken Salon und Treppenhaus. Burghaus überlegt, den Salon zu einer Wohnung umzubauen. Unmittelbar daneben befindet sich bereits eine vermietete Wohnung, auch im Seitenbau zur Martin-Luther-Straße gibt es eine Wohnung, die sich über drei Etagen erstreckt. Wer hier an zentraler Stelle und am Rande der Altstadt leben will, muss gut zu Fuß sein.

Noch höher und steiler hinauf geht es in den Dachstuhl von 1619, der im Original erhalten ist. Dort oben, über einer steilen und nicht ungefährlichen Treppe, schliefen einst die Dienstboten des herrschaftlichen Anwesens. Hier sind die ältesten Holzteile des Gebäudes eingebaut; mächtige Eichenbalken. Burghaus weist mit Stolz darauf hin, dass am Rittersberg 14 eines der wenigen Häuser Kaiserslauterns steht, welches den 30-jährigen Krieg, Revolutionskriege, den Krieg von 1870/71, Ersten und Zweiten Weltkrieg überstanden hat – „und die Altstadtsanierung“, kann sich der Denkmalpfleger nicht verkneifen zu sagen. Denn schließlich habe es vor Jahrzehnten Überlegungen gegeben, das Anwesen abzureißen und an seiner Stelle eine Turnhalle zu bauen.

Die alte Linde ist Segen und Fluch zugleich

Hinab geht es in den Keller, welcher seit 1984 das Restaurant „Cardinale“ beherbergt. Im hinteren Bereich liegt der älteste Teil, was ein altes Steinmetzzeichen belegt. Der Eingang ist dem Jahr 1619 zuzuordnen. Das Gewölbe mit offenem Kamin wurde grundlegend saniert, unter anderen wurde eine Fußbodenheizung eingebaut. Während das Restaurant das ganze Untergeschoss einnimmt, sind die Funktionsräume wie Küche oder Lagerräume und auch die Toiletten ein Stockwerk höher untergebracht und über eine Wendeltreppe zu erreichen.

Der Hof, dessen Pflaster laut Kennern übrigens demjenigen gleicht, das im Wadgasserhof in der Steinstraße verbaut wurde, wird im Sommer ebenfalls genutzt. Die Linde, die zum Denkmal dazu gehört, hat nach den Worten von Burghaus nur überlebt, weil sie in einem Brunnen steht und so genügend Wasser bekam. Der stattliche Baum sei Segen und Fluch zugleich – spendet er doch Schatten und Sauerstoff, sorgt während der Blüte aber auch für reichlich klebrigen Honigtau. Im hinteren Bereich des Hofes steht noch die alte Remise, das Grundstück reicht bis zur ehemaligen Stadtmauer.

Unterhaltung historischer Gebäude nicht leicht

Zur Martin-Luther-Straße hin wurde wohl um 1820 ein Anbau geschaffen, der heute ebenfalls Wohnraum beherbergt. Darunter befindet sich der tiefste Keller des Anwesens, wo einst Bier gelagert wurde. Das Fachwerk ist dunkelrot gestrichen, die Fenstergewänder aus Sandstein stammen aus der Werkstatt von Bildhauer Menges. Hier wachsen im Sommer Feigen und Wein, auf einem kleinen Balkon und darunter lässt es sich angenehm verweilen – auch wenn ständig der innerstädtische Verkehr vorbeirauscht.

Dass es nicht einfach ist, ein solch historisches Gebäude zu besitzen, davon weiß Dieter Burghaus ein Lied zu singen: „In den seltensten Fällen bringt ein Denkmal Ertrag – die Besitzer müssen Liebhaber sein, die das Gebäude selbst nutzen. Denn Fördermittel gibt es kaum noch.“

Die Geschichte des Hauses Rittersberg 14

Der Rittersberg war wahrscheinlich einer der vier Wirtschaftshöfe, welche um 830 bis 50 die im Lorscher Reichsurbar erstmals erwähnte „Villa Luthra“ bildeten. Das heutige Gebäude Rittersberg 14 stellt den Rest einer Hofanlage mit Wirtschaftsgebäuden dar. Um 1470 wurde ein Haus errichtet, von dem der Gewölbekeller erhalten ist. Um 1619 folgte der Bau eines Renaissancehauses, bei dem ältere Bauteile verwendet wurden. Dieses Gebäude hat Anton Sauer um 1770 im Stil des Barock modernisiert.

Um das Gebäude zu erweitern – es hatte sich „weiterer Kindersegen eingestellt“ –, wurde um 1820 ein kleines baufälliges Häuschen daneben erworben. 1845 bis 46 war eine weitere Erweiterung notwendig. Eigentümer war Valentin Karsch, der am Rittersberg 14 einen Kohlen- und Baustoffhandel betrieb. Karschs Sohn Eduard war Mitbegründer der Firma Raab, Karsch und Co., die später umbenannt wurde. Ein anderer Karsch-Sohn, Carl, handelte mit Wein.

Danach übernahm Theodor Le Bachelle das Gebäude, in dem er ab etwa 1896 eine Baustoffhandlung betrieb. Le Bachelle hatte Anna Karsch geheiratet, die jüngste Tochter von Carl Karsch. Diese, mittlerweile verwitwet, verkaufte 1926 das Anwesen an ihren bisherigen Mieter Friedrich Reutter. Reutter betrieb dort bis 1978 eine Landmaschinenhandlung. 1984 übernahmen Ursula Burghaus, eine Enkelin Reutters, und ihr Ehemann Dieter Burghaus das seit 1982 unter Denkmalschutz stehende Gebäude und begannen mit der Sanierung. Im Juni 1986 wurde das Restaurant „Cardinale“ eröffnet, das bis heute – allerdings unter anderer Führung – besteht.

Die Serie

Es gibt sie noch, die schönen alten Häuser in Kaiserslautern. Sie haben nicht nur teils mehrere Kriege überstanden, sondern werden auch heute noch genutzt - sei es als Wohnhäuser oder öffentlich zugängliche Gebäude. Wir haben uns die Türen öffnen lassen und werfen einen Blick in eine verwunschene, zum Teil geheimnisvolle Welt.
Zuletzt befasste sich unsere Autorin Barbara Scheifele mit der Villa Munzinger.

Im Anbau zur Martin-Luther-Straße hin sind Wohnungen entstanden.
Im Anbau zur Martin-Luther-Straße hin sind Wohnungen entstanden.
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