Kaiserslautern Das grenzt an Zauberei

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Das war eine Hommage und eine tiefe Verbeugung an den König des Zigeunerswings, Django Reinhardt. Mit seiner himmelstürmenden Virtuosität in Verbindung mit trickreichem Gestaltungswillen erwies sich der Mönchengladbacher Gitarren-Heroe Joscho Stephan am Donnerstagabend im Cotton Club selbst als ein würdiger Repräsentant dieser Tradition.

Was hat dieser Mann einen Drive! Schon bei den ersten Titeln wurde klar: Kaum ein Gitarrist vermag derzeit auf vergleichbarem Niveau zu spielen wie Joscho Stephan, der schon bei Konzertreisen durch Australien, bedeutenden Festivals in Europa oder den USA, wie Nashville, Chicago, San Francisco oder dem legendären Birdland und dem Lincoln Center in New York begeisterte Mit authentischem Ton, harmonischer Raffinesse und rhythmischem Gespür, vor allem aber mit seiner explosiven Solotechnik gilt der Meistergitarrist zurecht als legitimer Nachfolger des legendären Django Reinhardt. Ohne Probleme verstand es Stephan, das Griffbrett in magischem Tempo abzumessen. Das grenzte schon an Zauberei, was er an der Gitarre zu vollbringen vermochte. Beispiele: „I see you in my Dreams“ oder „Bossa durado“, von ihm selbst komponiert. Mit atemberaubender Schnelligkeit und Präzision vollführte er da ein Feuerwerk technisch vertrackter Spielereiern, das dem verdutzten Publikum suggerierte, er habe es mit dem Leibhaftigen. 32stel und 64stel schüttelte er mit größter Selbstverständlichkeit aus dem Handgelenk und lächelte dabei noch charmant mit den Zuhörern in der ersten Reihe. Schnelle chromatische Rolls und kaskadenhafte Arpeggios spielte er mit verblüffender Leichtigkeit. Zur gelegentlichen Ausdruckssteigerung benutzte er die typischen Oktavgänge. Bei seinen abenteuerlichen improvisatorischen Ausflügen swingte er sich regelrecht hindurch, um in der Bridge zu explodieren, so dass man Duke Ellingtons „Take The A-Train“ oder Django Reinhards „Minor Swing“ kaum erkannte. Wenn er aber zum Hauptthema zurückkam, ging er immer noch weiter auf ein noch erregenderes Niveau, mit Saiten-Bends und Oktaven, die jenes extraspezielle Blühen erreichten, das Django schon so einmalig machte. Joschos farbenreichen Personalstil prägten aber auch seine virtuose Vibrato-Technik, das spannungsvolle Bending von Saiten zur Erzielung von Dirty Tones oder blitzartige Up-stroke-Akzentuierungen. Titel wie „Love’s Melody“, eine Hommage „an den Großmeister Django Reinhardt“, machten aber auch deutlich, dass forsches Tempo nicht der einzig glückselig machende Parameter Stephans ist, um in die Geheimnisse des Rhythmus vorzudringen. Auch die lyrischen Momente waren nicht simple Entrückungen, eher Reflexionen mit einem immens aufrechten Nachhall. Ungewöhnliche Techniken erfordern ungewöhnliche Techniker, und von diesen hatte der Meistergitarrist gleich zwei im Gepäck: Da ein Schlagzeug fehlte, übernahm Joschos Vater Günter Stephan diesen Part auf der perkussiven Gitarre mit einer unglaublichen Virtuosität und Präzision. Er swingte wie der Teufel und hatte die Zeit dabei stets im Kopf. Max Schaaf war der rastlose Tüftler am Kontrabass und bestach durch seinen großen Ton und seine fingerflinke Arbeit, wenn er im freien Spiel der Kräfte zupfte, drückte und fingerte. Das Publikum raste bei diesem Weltklasse-Konzert vor Begeisterung und erhielt drei Zugaben.

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