Landtagswahl
AfD-Landtagskandidat Dirk Bisanz will mehr Ärzte in Deutschland halten
„Die 20 Prozent werden wir noch knacken“, meint Dirk Bisanz und lehnt sich zurück. Derzeit sagen die Umfragen in Rheinland-Pfalz 18 Prozent für die AfD voraus. Damit wäre der 67-jährige niedergelassene Zahnarzt sicher im Landtag. Er steht auf Listenplatz 13, und mit 18 Prozent Stimmenanteil hätte die AfD 20 Mandate. „Darunter werden wir nicht fallen“, ist er überzeugt. Sicher macht ihn „der große Zuspruch an den Infoständen, bei Bürgerdialogen – noch nie war der so hoch“.
Die derzeitige Diskussion um Vetternwirtschaft in der AfD – die sie bisher den etablierten Parteien vorwarf – werde keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis haben, glaubt er. „Das ist alles im rechtlichen Rahmen“, verteidigt er seine Partei. „Vernünftig“ sei jedoch, „jemanden einzustellen, dem man vertraut“, die Kompetenz sei ausschlaggebend, „egal ob Mann oder Frau“. Und er schiebt hinterher: „Ich glaube, man sucht etwas, das man uns vorwerfen kann.“
Als Bisanz 2017 in die AfD – die im Mai 2025 bundesweit vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde – eintrat, zählte der Kreisverband, dem er seit demselben Jahr vorsteht, „60 Mitglieder – heute sind wir 260“, sagt er. Seine Karriere in der Partei ist ebenso steil wie konstant: Zum Kreisvorsitz kam 2019 der Fraktionsvorsitz im Stadtrat, in dem er seitdem vertreten ist. Zieht er in den Landtag, will er beide Ämter behalten, kündigt er an. Denn er sieht „niemanden, der die Posten fortführen könnte“.
„Die CDU ist unter Merz nicht besser geworden“
Seine Zeit bei der CDU ist lange vorbei, für Helmut Kohl hat er damals Wahlkampf gemacht. Doch „die heutige CDU ist nicht mehr meine Linie. Das ist auch unter Merz nicht besser“, da der aktuelle Kanzler „nicht das getan hat, was er vor der Wahl versprochen hatte“. Bisanz bedauert die „Brandmauer“ zur AfD, die es damals zu den aufkommenden Grünen nicht gegeben habe, hofft aber, „dass im Landtag das ein oder andere Gespräch möglich ist“.
Dass er in Mainz in den Gesundheitsausschuss komme, sei bei einem Treffen der 20 Listenkandidaten bereits so vorgesehen worden. Ebenso wie seine lokalen politischen Ämter will er als Landtagsabgeordneter auch die Arbeit als Zahnarzt nicht aufgeben, sondern die Zeiten in der Praxis anpassen, soweit möglich.
Zeit zum Motorradfahren habe er jetzt jedoch schon nicht, weshalb er seine 1100-Kubik-Maschine im Herbst verkauft habe. Zur Arbeit fährt er gern noch mit dem Roller; fürs Fahrrad sei er „zu bequem“, wie er es ausdrückt.
Durch Abschaffung des Numerus clausus will er den Zugang zum Medizin-Studium erleichtern
„Wir haben im Land zu wenig Ärzte, besonders im ländlichen Raum und bei Fachärzten“, beschreibt er ein Hauptproblem im Gesundheitssektor. Um Abhilfe zu schaffen, müsse der Zugang zum Studium erleichtert werden. „Der Numerus clausus muss abgeschafft werden“, laute ein Weg dahin, denn andere Kompetenzen wie Empathie mit dem Patienten oder handwerkliches Geschick seien wichtiger.
Zudem müssten mehr Ärzte in Deutschland gehalten werden, „statt dass deutsche Ärzte wegen des Geldes in die Schweiz auswandern und wir welche aus dem Ausland holen“. Er selbst habe jedoch „mal mit dem Gedanken gespielt, nach Kuwait zu gehen, wegen des exorbitanten Einkommens“. Davon abgehalten habe ihn die Geburt seiner Tochter. Von seinen vier Kindern im Alter von 37 bis 17 sind freilich alle bis auf die jüngste Tochter inzwischen aus dem Haus.
Um den Arztberuf in Deutschland attraktiver zu machen, müssten laut Bisanz die Gehälter höher sein. Ein „Problem bei der Nachfolgesuche“ für Praxen sei, dass heute „mehr Frauen studieren und viele keine volle Stelle wollen“, meint der AfD-Kandidat. Um flächendeckenden Krankenhausverlust zu verhindern, will Bisanz „das Land bei Investitionen stärker in die Pflicht nehmen“.
Neben dem Gesundheitssektor hat er auch die Bildung auf dem Schirm. „Die Hauptschule abzuschaffen, war der größte Fehler“, plädiert er für das dreigliedrige Schulsystem. Die Haupt- und Realschule seien „politisch diffamiert“ worden und das Niveau am Gymnasium gesunken. „Dabei brauchen wir auch Handwerker.“
Zur Sache: Der Wahlkreis 45
Der Wahlkreis 45 (Kaiserslautern II) umfasst die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt sowie vom Landkreis Kaiserslautern die Verbandsgemeinden Enkenbach- Alsenborn und Otterbach-Otterberg sowie die Verbandsgemeinde Lambrecht im Landkreis Bad Dürkheim.