Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Firma in der Pandemie nach Azubis sucht

Ausbildungspate Marco Gönnheimer zeigt den zugeschalteten Teilnehmern die Maschinen.
Ausbildungspate Marco Gönnheimer zeigt den zugeschalteten Teilnehmern die Maschinen.

Vielerorts suchen Firmen gerade händeringend nach neuen Auszubildenden, aber es gibt auch viele Jugendliche, die einen Ausbildungsbetrieb finden wollen. Beide Suchen sind derzeit schwierig, weil Ausbildungsmessen ausfallen. Bei Kiliandruck in Grünstadt geht man deshalb neue Wege.

Per Zoom konnten sich gestern angehende Auszubildende zuschalten. Die Kiliandruck Grünstadt Dinges GmbH lud zum zweiten von drei Ausbildungstagen. Es ist in diesen Zeiten quasi der einzige Weg, an Auszubildende zu kommen, sagt Geschäftsführerin Silke Krajewski.

Das Problem ist: Momentan gibt es keine Ausbildungsmessen. Kiliandruck ist jährlich bei acht solcher Veranstaltungen vertreten. Dort wird der Kontakt zu Auszubildenden normalerweise geknüpft. Meist finden sie an Schulen statt, wo Firmen einen Stand aufgebaut haben und Schüler sich alles anschauen. In der Pandemie ist das anders. Der Kontakt zu den Schulen, der normalerweise immer sehr rege war, sei nun sehr spärlich, klagt Krajewski.

Format auch nach der Krise denkbar

Trotzdem will die Geschäftsführerin dieses Format auch nach der Krise beibehalten. Allerdings dann erst nachdem ein Erstkontakt am Messestand zustande gekommen ist. „Wir haben einfach viel mehr Zeit zusammen“, sagt sie. Und alle angehenden Auszubildenden könnten gleich alles vom Betrieb sehen, was sie sehen wollen. „Wer vor die Kamera läuft, wird auch mal angehalten“, sagt Krajewski.

Das Programm des Tages besteht aus vielen Fragerunden und Videos, die eingespielt werden. Dabei geht es hauptsächlich darum, was die Firma macht, welche Produkte sie herstellt und was die Inhalte der Ausbildung sind. Das Video „Die Welt ohne Etiketten“ etwa zeigt – wie der Name schon sagt – wie die Welt aussehen würde, gäbe es keine Etiketten. Somit soll den angehenden Auszubildenden erklärt werden, wie wichtig das Produkt ist.

Der längste Punkt auf der Tagesordnung ist der Firmenrundgang. Hier nehmen die Mitarbeiter von Kiliandruck die angehenden Azubis auf ihrem Smartphone mit ins gesamte Werk. Die Teilnehmer können Fragen stellen, bekommen alles gezeigt, was sie wissen möchten. Dabei sehe man vom Betrieb viel mehr als man an einem Messestand zeigen könnte, sagt Krajewski. Dort sei es eher eine Art Speeddating. Der digitale Bewerbertag ist auch schon Teil des Bewerbungsverfahrens. Man könne hier schon die Bewerber kennenlernen, ohne dass sich eine gezwungene Bewerbungsgesprächssituation ergebe.

Am Abend gibt es noch eine Sprechstunde für die Eltern. „Die haben noch mal ganz andere Fragen“, sagt Krajewski, die selbst Kinder hat. „Mein Sohn ist 23, der ist durch den Weg schon durch“, so die Geschäftsführerin. Ihre Tochter aber ist 18 und damit genau im Alter der Azubis. Krajewski: „Deshalb kann ich bei den Eltern mitfühlen.“ Über die Fragen, die von den Eltern kommen, sagt sie: „Es war auch ein bisschen Sorgentelefon.“ Viele sorgen sich, ob ihre Kinder überhaupt in der Corona-Krise einen Ausbildungsbetrieb finden. Und auch die Jugendlichen selbst seien oft in einem Motivationsloch gefangen. Ein Vater habe gesagt, er hoffe, dass der Sport bald wieder losgeht, damit bei den Jugendlichen die Eigenmotivation wieder komme. Krajewski kann das verstehen. Sie sagt: „Die sitzen, wenn es dumm läuft, 24 Stunden zu Hause.“ Viele hätten momentan einfach keine Ziele. In der Ausbildung könne sich das dann schlagartig ändern, da man dort wieder Verantwortung für etwas habe.

Bei Kiliandruck arbeiten nach der Schließung des Standortes in Kaiserslautern 80 Mitarbeiter am verbleibenden Standort Grünstadt. Das Umsatzziel liegt 2021 bei rund 14 Millionen Euro. Das Unternehmen sucht derzeit Azubis in den Berufen Industriekaufmann/-frau, Medientechnologe Druck/Weiterverarbeitung sowie Maschinen- und Anlagenführer. Bei den Industriekaufleuten werden zwei Azubis gesucht, in den anderen beiden Berufen auch insgesamt zwei. Dort könne man sich aber auch vorstellen mehr auszubilden, da der letzte Jahrgang wegen der Pandemie ausgefallen sei. In Nicht-Corona-Zeiten hat das Unternehmen immer etwa drei bis fünf Auszubildende unter Vertrag.

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