Obrigheim RHEINPFALZ Plus Artikel So grün wird das neue Beneo-Werk

Das Ackerbohnen-Werk wird in vier verschiedene Bereiche unterteilt sein.
Das Ackerbohnen-Werk wird in vier verschiedene Bereiche unterteilt sein.

Bei der Planung ihres neuen Ackerbohnen-Werks legt die Firma Beneo ein geradezu rekordverdächtiges Tempo vor: Rund ein Jahr nach dem Startschuss liegt nicht nur ein Bauplan vor, sondern auch schon die Zustimmung des Obrigheimer Gemeinderats. Wie sieht das aus, was da erschaffen werden soll, und was passiert in dem Gebäude?

Wenn eine Firma 50 Millionen Euro in ein innovatives Werk investieren und im Zuge dessen auch gleich 25 neue Arbeitsplätze schaffen will, ist das ein Plus für den Standort, an dem das Vorhaben verwirklicht werden soll. Dass der Obrigheimer Gemeinderat dem Projekt der Südzucker-Tochter Beneo nicht ablehnend gegenübersteht, überrascht also kaum. In welchem Tempo die Pläne voranschreiten, ist trotzdem beachtlich: Von der Ankündigung des Großvorhabens bis zur Absegnung des Bebauungsplans durch den Rat ist nur etwas mehr als ein Jahr vergangen.

Laut der Obrigheimer Beigeordneten Nicole Eicher (FWG) liegt das unter anderem daran, dass das Architekturbüro Firu aus Kaiserslautern ganze Arbeit geleistet hat, immer am Ball geblieben ist und für die Ratsmitglieder keine Fragen offen blieben. Es dürfte jedoch auch mit dem Standort des neuen Werks und seinem Zweck zu tun haben: Die Anlage soll auf dem Firmengelände der Südzucker entstehen und in ihr werden aus Ackerbohnen Grundstoffe zum Beispiel für die Herstellung von Fleisch- und Milchersatzprodukten gewonnen – eine Stätte am Puls der Zeit, sozusagen.

Was wird gebaut?

Für die neue Produktionsstätte ist ein Areal von zwei Hektar vorgesehen. Im Vergleich zu den Gebäuden, die bereits auf dem Firmengelände stehen, ist es nach Angaben von Josef Jakob, Technischer Leiter bei Beneo, recht klein. Das neue Werk setzt sich aus vier verschiedenen Teilen zusammen, in denen unterschiedliche Arbeitsschritte vollzogen werden und von denen das höchste 38 Meter misst – inklusive einer Luftaufbereitungsanlage, die auf dem Dach sitzt. In der Breite ist der Komplex auf den Parkplatz des großen Südzuckerwerks in Neuoffstein abgestimmt, hinter dem es auch errichtet werden soll.

Das Gebäude kompakt zu halten, sei von Anfang an ein Ziel gewesen, berichtet Projektingenieur Bartlomiej Suchecki. Es sei außerdem von Anfang an vorgesehen gewesen, besonderes Gewicht auf das Thema Nachhaltigkeit zu legen. Daher soll die Fassade des Ackerbohnenwerks aus Holz hergestellt werden und für die gesamte Dachfläche ist eine Begrünung vorgesehen. Überdies soll eine mindestens 1800 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage installiert werden, die im Jahr etwa 300 Megawattstunden für die Produktionsprozesse liefert. Der zugekaufte Strom soll aus regenerativen Energiequellen stammen.

Wie funktioniert das?

Ein weiteres Pfund, mit dem die Anlage in dieser Hinsicht wuchern kann: Die Verarbeitung der Ackerbohnen erfolgt in einem trockenen Prozess. Da bedeutet: Es wird kein Wasser benötigt – eine Ressource, mit der sich nicht nur im Leiningerland ein sparsamer Umgang empfiehlt. Im höchsten Teil des Gebäudes werden die Hülsenfrüchte gereinigt, geschält, vorsortiert und vorgemahlen: Die Schalen sind für die Produktion von Tierfuttermitteln gedacht, die geschälte Bohne wird weiterverarbeitet.

Für sie steht in einem zweiten Arbeitsschritt und Gebäudeteil das Feinmahlen an. Anschließend geht es durch eine Luftklassifizieranlage. In der sorgen Fliehkräfte dafür, dass die enthaltene Stärke, deren Partikel etwas gröber sind, von den besonders proteinreichen und feinen Anteilen getrennt werden. Dafür benötigt das Werk etwa 300.000 Kubikmeter Luft pro Stunde, etwa so viel, wie in anderthalb Zeppeline passt. Dadurch bleiben am Ende zwei verschiedene Grundstoffe – ein Proteinkonzentrat und stärkereiches Mehl –, die von Beneo-Kunden für verschiedene Lebensmittel genutzt werden können.

In den zwei weiteren Gebäudeteilen werden diese Grundstoffe gelagert, verpackt und für den Versand vorbereitet.

Was wird dann daraus?

Nach Angaben von Beneo-Sprecherin Inga Heinemann kann das stärkehaltige Mehl unter anderem für Backwaren und Nudeln verwendet werden. Für das Proteinkonzentrat ist eine Verwendung in Kraftriegeln denkbar, es kann aber auch und vor allem als Grundstoff für Fleisch-, Milch- und Eiersatz genutzt werden. Letzteres ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt für das Tochterunternehmen der Südzucker, das bereits zu den weltweit führenden Herstellern von Zuckeraustauschstoffen gehört.

Mit der Produktion einer Alternative zu tierischen Proteinen will Beneo in einen Markt vorstoßen, der sich angesichts veränderter Ernährungsweisen in unserer modernen Gesellschaft rasant entwickelt. Dabei geht es natürlich ums Geschäft, das Unternehmen kann sich in diesem Feld aber auch den Einsatz für Nachhaltigkeit, Tierschutz und die Gesundheit der Verbraucher auf die Fahnen schreiben.

In dem Werk, das im Herbst 2024 in Betrieb genommen werden soll, ist das Thema Nachhaltigkeit also mitgedacht – und auf den Feldern offenbar auch. Der Anbau von Ackerbohnen erfordere keine Bewässerung, erklärt Josef Jakob. Sie würden die Fruchtfolge der Landwirte, die Beneo beliefern, erweitern und hätten einen zusätzlichen Vorteil: Ihre Wurzeln binden Stickstoff im Boden, der für hinterher auf dem gleichen Feld angebaute Pflanzen als Düngung fungiere.

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