Kirchheim
Nach dem Ende des Durchgangsverkehrs: Weindorf muss sich neu erfinden
Ziel der im August 2019 gestarteten Dorfmoderation sei es gewesen, Kirchheim unter Einbindung seiner Einwohner lebenswerter zu machen, sagte Ortschef Kay Kronemayer. Rund 130 Bürger hätten sich beteiligt, darunter auch Kinder und Jugendliche. „In drei Arbeitsgruppen mit verschiedenen Themenschwerpunkten kamen sie bei 18 Sitzungen zusammen und haben viele Ideen entwickelt“, so Moderator Martin Tielmann vom Landauer Beratungsbüro Kobra. Insgesamt seien 25 Projekte angedacht oder auf den Weg gebracht und acht von ihnen auch schon realisiert worden.
Bereits im April 2020 während des ersten Shutdowns verwirklicht wurde der offene Bücherschrank im Hof des Friederich-Diffiné-Hauses. In einem ausrangierten Kühlschrank wartet Literatur auf Leser, die auch wieder Bücher hineinstellen. Ein fünfköpfiges Team betreut das kostenlose Angebot, das sehr gut angenommen werde. „Inzwischen ist ein weiterer Kühlschrank für Jugendliteratur dazugekommen“, berichtete Tielmann.
Bäume bei Jubiläen
Seit Januar dieses Jahres wird mit dem Bürgerwald ein Beitrag zur Wiederaufforstung geleistet: Zu Geburtstagen, Jubiläen und anderen Anlässen werden Bäume verschenkt und im durch Hitze und Trockenheit geschädigten Gemeindewald gepflanzt. Umgesetzt wurden auch die Initiativen „Kirchheim sagt danke“, bei der einmal jährlich engagierten Bürgern eine Anerkennung zuteil wird, und „Wir für Kirchheim“, worüber Arbeitseinsätze organisiert werden: Beim nächsten am Samstag, 25. September, ab 9 Uhr, werden auf dem Gelände der Kita „Löwenzahn“ Hochbeete gebaut.
„Vielleicht werden über diese Aktion auch die Spielplätze mit Geräten ergänzt und farbenfroh gestaltet“, nannte Tielmann eine weitere Idee aus der Dorfmoderation. Als Jugendtreff hat die evangelische Kirche zwei Räume zur Verfügung gestellt, die mit den künftigen Besuchern hergerichtet wurden. Mit Hilfe einer Leader-Förderung in Höhe von 2000 Euro wurden ein Beamer, eine Musikbox, Geschirr und ein Kühlschrank angeschafft. Auf Anregung eines Bürgers wird es zweimal im Jahr eine Jugenddisco im Weindorf geben. Eröffnet worden ist auch der 9,5 Kilometer lange Gemarkungsrundweg, auf dem Ausblicke und Sehenswürdigkeiten liegen. Start und Ziel ist der neue Ausschank auf dem Roten Platz, der sich laut Kronemayer guter Resonanz erfreut.
Roter Platz soll aufgewertet werden
Insgesamt solle dieses Areal vor dem bisherigen Schulgebäude aufgewertet werden, schaute Kobra-Geschäftsführer Peter Dell auf ein Vorhaben. Der Schwarze Platz gegenüber, der für seinen Geschmack durch seine gegenwärtig ausschließliche Nutzung als Parkplatz „zu viel Blech an zentraler Stelle“ beherbergt, müsse auch unbedingt umgestaltet werden. „Dort könnten ein Restaurant oder ein Café, ein Fahrradverleih und die Tourist-Info entstehen“, nannte er Beispiele für Überlegungen. Eventuell lasse sich nach dem Neubau der Schule in der Weisenheimer Straße der Pausenhof am alten Standort als Pkw-Stellfläche herrichten. „Seit die Westumgehung für eine deutliche innerörtliche Verkehrsentlastung gesorgt hat, kommt dem Schwarzen Platz eine viel größere Bedeutung zu“, betonte Dell. Hübscher werden soll ebenso der Bereich mit dem Brunnen vor der Metzgerei.
Man muss noch abwarten
Allerdings ließen sich diese Projekte erst vorantreiben, wenn die Planung für den Kreuzungsbereich zur Weinstraße-Nord stehe. Bis aber damit begonnen werde, den Straßenraum attraktiv umzugestalten – unter anderem mit einem Gehweg und neuem Fahrbahnbelag – werde es mindestens 2023, kündigte er an. Als Bauzeit sei rund ein Jahr anberaumt. Die Weinstraße-Süd, die aufgrund des stark reduzierten Verkehrsaufkommens jetzt wirke wie eine verwaiste Autobahn, aber nicht mal mehr eine Bundesstraße sei, solle durch Begrünung, Verjüngung, Parkkonzept und beidseitigem Radweg einladender werden. An den Ortseingängen könnten Rebbögen und Beschilderungen für ein schöneres Bild sorgen. „Da die Straße jedoch vom Landesbetrieb Mobilität für Eventualitäten als Entlastungsroute vorgesehen ist, dürfen wir nichts auf der Fahrbahn fest installieren“, erläuterte Dell den nur rund 20 Zuhörern bei der Abschlussveranstaltung. Anders gestaltet werden solle auch die Bissersheimer Straße, um die oft zu hohe Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu verringern. Der Moderator hob hervor: „Ohne den massiven Durchgangsverkehr muss sich das Weindorf neu erfinden.“ Kronemayer hofft dabei auf weiteres Bürgerengagement zählen zu können.