Wattenheim
Guido Schwalb schnitzt Weihnachtskrippen
Die überladenen Krippen in der Tradition der Franziskaner mag Guido Schwalb nicht so gern. „Ochse und Esel waren nie an der Krippe“, ist der Wattenheimer überzeugt. Er ist eher für das Schlichte. Maria mit Kind – das ist sein Lieblingsmotiv. Und wer glaubt, dass es da nicht viele Darstellungsmöglichkeiten gibt, der irrt. In dem Hobby-Bildhauer steckt eine unglaubliche Kreativität, das zeigt sich schon an der Wahl seiner Materialien: Mal nimmt er eine Fassdaube, mal einen seltsam geformten Ast, dann wieder Ton oder auch den hölzernen Fuß von einem Möbelstück.
Jüngst hat Schwalb den berühmten Stall von Bethlehem aus einem Handwägelchen gefertigt, das seine Tante nach dem Krieg für den Transport der Apfelernte nutzte. Linolschnitt macht er auch. Und Stroh verwendet er: „Das ist nicht so teuer.“ Für seine Puppen aus Getreidehalmen, mit denen er sich an vielen Festumzügen beteiligt, ist Schwalb weit über die Region hinaus bekannt. „Ich war mal Pfalzmeister im Strohbinden in Herschberg“, erzählt der 85-Jährige von einem Wettbewerb südlich von Landstuhl. Gewerkelt wird einfach im Wohnzimmer oder in einer kleinen Ecke im Keller. „Im Sommer mache ich auch viel draußen“, sagt Schwalb.
Kreuz für Eisenberger Kirche angefertigt
Die Ergebnisse seines Wirkens sind überall im Haus verteilt. Hier hockt Maria mit ihrem Baby auf dem Schoß winzigklein in einer Buchecker oder auch in einer halben Walnussschale. Dort ist die Gottesmutter eine große schlanke Holzskulptur, die ihren Sohn vor dem Bauch trägt. Einen knorrigen v-förmigen Ast hat der Künstler umgedreht und ein ebenso knubbeliges Holzstück aufgesetzt, sodass ein A entstand. Die richtige Umgebung für die Heilige Familie aus Ton, die er in das Dreieck hineinstellte. Ein schöner Wandschmuck.
Beim nächsten Werk, das auf dem Tisch steht, sitzen Maria und ihr Kind auf einer überdimensionalen Rose, die schützend ihre Blütenblätter über die beiden hält. „Es ist ein Ros entsprungen“ heißt die Arbeit. Der Deutsche Bildhauer Ernst Barlach inspiriere ihn oft, erzählt Schwalb und deutet auf eine weitere Statue: Josef steht da und breitet seinen Mantel aus, sodass Maria und Jesus wohl behütet darunter Platz nehmen können. Für den Kreuzweg hat der Wattenheimer Tonfiguren in kleine hölzerne Weinkisten gestellt. 2001 fertigte er im Auftrag des damaligen Pfarrers Friedrich Schmidt ein menschengroßes Kreuz mit Jesus an, das dann in die protestantische Kirche in Eisenberg gehängt wurde. „Es ersetzt das Original von 1510, das seit 1958 in Speyer im Museum steht“, berichtet Schwalb.
Die erste Krippe mit zwölf geschnitzt
„Die erste Krippe habe ich als etwa zwölfjähriger Schüler aus Holz geschnitzt – mit einem Küchenmesser. Die Narben habe ich noch heute“, blickt der 85-Jährige auf seine Anfänge zurück. Als drittes und jüngstes Kind einer Schneidermeisterin wuchs er in der Nähstube auf und hantierte schon früh nicht nur mit Knetmasse. Schwalb lernte Maurer und Technischer Zeichner und arbeitete danach einige Jahren in der Schamottefabrik in Hettenleidelheim. Ab 1964 konstruierte er Pumpen bei KSB in Frankenthal. Dort schenkte man ihm ein Schnitzmesser.
Der vierfache Vater ist Träger der Landesehrennadel, hat unter anderem lange eine Töpfer-AG in der Wattenheimer Grundschule sowie Flötengruppen geleitet, dekoriert das Heiligenhäuschen und den Dorfbrunnen regelmäßig mit Blumengestecken und erfreut mit dem Spiel auf seiner alten Zither die Bewohner in Seniorenheimen. Als Bildhauer ist Schwalb unermüdlich und macht auch schon mal Skulpturen mit politischer Aussage. „Friede den Menschen auf Erden“ heißt das Werk, bei dem aus einer nach oben geöffneten Hand, die an einem festgeketteten Unterarm sitzt, eine Taube davonfliegt.
Auseinandersetzung mit Welt und Religion
Eine andere Arbeit des 85-Jährigen zeigt, wie große Hände eine kleine Keramikfigur durch ein Loch in einem Gewirr aus Stricken reichen. „Das ist eine verzweifelte Frau, die ihr Kind durch eine Öffnung im Stacheldrahtzaun ins Nachbarland gibt, das sie selbst nicht erreichen kann“, beschreibt er ein immer wieder bei Flüchtlingen zu beobachtendes Drama. Auch eine Szene aus dem KZ Auschwitz hat er geschaffen.
Schwalb setzt sich mit der Welt kritisch auseinander, auch mit der Religion, die ihm generell sehr wichtig ist. Die landläufigen Vorstellungen von Weihnachten kann er nicht teilen. Aber eine Krippe darf zum Fest trotzdem nicht fehlen. Für ihn gehört sie zu Weihnachten dazu – wie „der gute Wein zu einem schönen Essen“.
Adventskalender
In unserem Adventskalender stellen wir Menschen vor, die dafür sorgen, dass in der Advents- und Weihnachtszeit alles rund läuft – „Weihnachtsmacher“ eben.