Bockenheim
Gemeinderat spricht sich für Einkaufsmarkt aus
Interessenten für den geplanten Standort nördlich des Friedhofs Süd und östlich der Weinstraße hat die Gemeinde schon an der Hand: Die PK Unternehmensgruppe Mainz und die Immoestate Unternehmensgruppe würden dort gern ein Verkaufsgebäude errichten. Für das Vorhaben existieren Pläne, die in der Ratssitzung am Mittwoch vorgestellt wurden. Beide Investoren seien auf die Errichtung von Einzelhandelsimmobilien spezialisiert, erklärte Marco Kerstner von der PK Unternehmensgruppe. Zu ihren aktuellen Projekten gehörten ein Fachmarktzentrum in Worms, ein Bio-Lebensmittelmarkt im Kreis Mainz-Bingen und ein Lebensmittel-Vollsortimenter in der Nähe von Darmstadt.Für das Vorhaben in Bockenheim plant Kerstner mit einer Grundstücksgröße von 4503 Quadratmetern, von denen 910 Quadratmeter Grünfläche sein sollen. 1100 Quadratmeter sind als Nutzfläche vorgesehen und die Verkaufsfläche wird 799 Quadratmeter groß sein. Es sind 61 Pkw-Stellplätze vorgesehen, 20 mit Vorrüstung für E-Ladestationen. Auch Parkplätze für den Friedhof könnten integriert werden, wurde auf eine entsprechende Frage hin erklärt. Die Bauzeit schätzt Kerstner auf etwa acht Monate. Danach soll das Gebäude von der Firma Netto Marken-Discount betrieben werden – einer 100-prozentigen Tochter von Edeka.
Investor rechnet mit 50 bis 80 Kunden am Tag
Aus dem Rat kamen Fragen zu den Zu- und Abfahrten, die auch für den Lieferverkehr durch Lkw taugen müssen. Da der Standort nahe an der Weinstraße ist, wird der Landesbetrieb Mobilität in die Planung einbezogen werden müssen, denn er ist für Bundesstraßen zuständig. Um die notwendigen Abstimmungen dazu sowie um Lärmschutzgutachten und Bebauungspläne würden sich die Investoren kümmern, erklärte Kerstner. Für die Gemeinde würden dadurch keine Kosten entstehen.
Das tägliche Kundenaufkommen zu berechnen, sei hingegen Aufgabe des späteren Betreibers, hieß es. Kerstner schätzte, dass es sich um etwa 50 bis 80 Personen handeln würde. Torsten Griebel (FWG) zweifelte das jedoch an und meinte, dass es wohl eher 500 bis 800 Kunden am Tag würden. Aus dem Rat kam außerdem die Frage, was aus der Bauruine werden solle, falls der Betrieb nach wenigen Jahren nicht mehr laufe. Kerstner erklärte daraufhin, dass der Betreiber, also Netto Marken-Discount, „eine Verpflichtung für 15 Jahre“ habe.
Lebensmittelmarkt würde den Ort aufwerten
Für die Zeit danach gebe es aber etliche Optionen: dass Netto das Gebäude behalte oder sich nach einem anderen Betreiber umschaue oder das Gebäude an andere Branchen weitergebe zum Beispiel. Auf die Bedenken einiger Ratsmitglieder erwiderte Kerstner: „Wir glauben an den Standort und es haben sich ganz viele Leute, auch von Netto, Gedanken darüber gemacht“. Die Idee zum Projekt sei nicht über Nacht entstanden. Kerstner erinnerte an das bereits vollendete und ein zusätzlich geplantes Neubaugebiet im Dorf und an das ebenfalls in Planung befindliche Mehrgenerationenhaus. Die Gemeinde wachse und werde durch einen Lebensmittelmarkt erheblich aufgewertet.
Einige Ratsmitglieder wiesen darauf hin, dass der Markt auch für Touristen gut sei und Arbeitsplätze schaffe. Er eigne sich zudem als kommunikativer Treffpunkt, da eine Bäckerei mit Café vorgesehen sei. Für Christian Schäfer (CDU) kommt der Standort nahe des Friedhofs allerdings nicht in Frage: vor allem aus Pietätsgründen. „Wenn ich mir eine Beerdigung in Würde, Stille und Ruhe vorstelle und nebenan herrscht reger Einkaufsbetrieb, das geht für mich gar nicht“, stellte er klar.
Bechtel: „Es ist noch viel Vorarbeit zu leisten“
„Es ist noch viel Vorarbeit zu leisten, bevor es zur Umsetzung kommen kann“, sagte Bürgermeister Gunther Bechtel (SPD). Die Gemeinde habe kürzlich bei der Teiländerung des Regionalplans den Wunsch nach einem Lebensmittelmarkt auf die Liste gesetzt – er werde aber schon seit Jahren verfolgt. Die ausgewählte Fläche sei im Regio-Plan als Vorrangfläche für die Landwirtschaft und regionaler Grünzug dargestellt – es müsste also in Abstimmung mit dem Verband Region Rhein-Neckar ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren durchgeführt und der Flächennutzungsplan geändert werden, was auch die Einbeziehung der Unteren Landesplanungsbehörde der Kreisverwaltung erfordere.
Gleichwohl wurde ein Grundsatzbeschluss für den Bau des Marktes gefällt: mit fünf Gegenstimmen und zehn Befürwortern.