Altleiningen
Feuerwehr übt im ehemaligen Swingerclub
Hilferufe sind zu hören aus dem oberen Stockwerk des Wohnhauses in der Talstraße 17. Jede Menge Rauch quillt aus dem Gebäude, in dem sich etliche Menschen befinden. Wie viele, weiß niemand. Insgesamt ist die Lage unübersichtlich. Das ist das Szenario, das die Feuerwehren vorfinden, nachdem sie am Samstag um 13.30 Uhr alarmiert worden sind. Die Einsatzkräfte aus Altleiningen, die den kürzesten Anfahrtsweg haben, treffen als erste ein. Zeitgleich mit ihnen sind die Kameraden aus Carlsberg und Neuleiningen über den Brand informiert worden. Sie sind wenig später auch vor Ort.
Wolfgang Stittgen, der von 1987 bis 2016 ununterbrochen Wehrführer in Bockenheim-Kindenheim war und gut 27 Jahre lang das Amt des stellvertretenden VG-Wehrleiters innehatte, schaut interessiert zu. „Ich vermisse die Feuerwehr schon“, sagt der knapp 70-Jährige. Nun wolle er sich im Verpflegungszug engagieren. Dieser ist Teil des neuen Versorgungskonzeptes. „Früher war es immer ein Problem, während eines Einsatzes etwas zu trinken zu bekommen“, sagt Stittgen. VG-Wehrleiter Markus Ittel kündigt eine weitere Neuerung an: Derzeit werde bei Werle Metallbau in Obrigheim ein Anhänger mit Waschbecken und Toiletten für die Wehrleute gebaut.
Die Räume sind verwinkelt
Die freiwilligen Brandbekämpfer stellen derweil fest, dass nicht nur im Dachgeschoss des Wohnhauses ein Feuer ausgebrochen ist, sondern auch in den beiden Gewölbekellern des Maihofs. „Die Räume dort unten sind total verwinkelt, so wie das ganze Gebäude“, sagt der Carlsberger Floriansjünger Silas Philippi, der sich die Schadenslage ausgedacht hat. Das riesige Objekt mit seinen verschiedenen Ebenen eigne sich hervorragend für eine Übung, meint er. Er sei dankbar, dass die Firma Linunga die Immobilie zur Verfügung gestellt hat. Der Swingerclub, der in dem Haus untergebracht war, schloss im Oktober 2022. Das Gebäude selbst birgt für die Feuerwehr durchaus Herausforderungen, wie Philippi ausführt: Man habe weite Wege zurückzulegen, mitunter verschätze man sich hinsichtlich der Länge des Schlauchs, wenn dieser um ein paar Ecken gelegt werden muss. Das Wasser soll nicht aus dem öffentlichen Leitungsnetz genommen werden, sondern aus dem zuvor angestauten Eckbach oder dem Drahtzugweiher.
Im Maihof ist Qualm, man sieht die Hand vor Augen nicht und schon gar keine vermissten Personen. Philippi verrät, dass sieben Dummies im dunklen Keller versteckt sind. Die im Dachgeschoss Eingeschlossenen, die weiterhin um Hilfe rufen, können nicht über die Treppenabgänge gerettet werden. Die sind ebenfalls stark verraucht. Eine Drehleiter muss her, weshalb zusätzlich zur Wehr Kirchheim-Kleinkarlbach noch die Wehr Hettenleidelheim-Wattenheim nachalarmiert wird. Letztere hat die einzige Drehleiter in der gesamten Verbandsgemeinde Leiningerland mit ihren 21 Kommunen. Laut Ittel hatte es in der ehemaligen VG Grünstadt-Land, die 16 Dörfer umfasste, noch nie ein Hubrettungsfahrzeug gegeben. Grundsätzlich sei jenes der Stadt mitgenutzt worden. Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) ergänzt, dass es durchaus üblich sei, eine Drehleiter aus dem Umfeld anzufordern.
Während die Drehleiter aufgestellt wird, ist die Straße gesperrt
Bis diese eintrifft, wird eine Leiter an die Fassade gestellt. Zwar demonstriert der Neuleininger Feuerwehrmann Georg Blum, der aus dem Fenster auf die Stufen steigt, dass man sich auch auf diesem Weg in Sicherheit bringen kann, aber im Ernstfall wäre das keine gute Idee. Zumal es sich bei den Hilferufenden um Kinder handelt. 14 Mitglieder der Carlsberger Jugendfeuerwehr spielen die Leute, die aus dem oberen Stockwerk des brennenden Hauses geborgen werden müssen. Als die Drehleiter aufgebaut wird, bildet sich ein Stau auf der Talstraße. Auch die Fahrgäste eines Linienbusses müssen Geduld haben. Behutsam werden die jungen Floriansjünger gerettet. Derweil stürmt der Carlsberger Wehrführer Sven Rinner aus dem Maihof, in dem die Brandmelder heulen, und brüllt: „Ich brauche zwei Leute!“ Zu dritt rennen sie wieder hinein und holen einen Dummy nach dem anderen heraus. Es werden große Ventilatoren herbeigeschleppt, die den Rauch vertreiben sollen.
Manches dauert zu lange, wie VG-Wehrleiter Ittel feststellt. Eigentlich müssten noch weitere Wehren aus der Verbandsgemeinde nachalarmiert werden, erläutert er. Bei einem echten Brand würde man das auch tun. Aber bei einer Übung wolle man nicht sämtliche Einsatzkräfte binden, denn man müsse noch handlungsfähig bleiben für den Fall eines Falles. Aus diesem Grund steht ein Hettenleidelheimer Tanklöschwagen etwas abseits, sodass er jederzeit losfahren könnte. Insgesamt sind aber dennoch 92 Feuerwehrleute in 19 Fahrzeugen vor Ort. Letztendlich zieht Ittel die Bilanz: „Vieles hat gut geklappt, in einigen Bereichen gibt es noch Verbesserungspotenzial.“ Aber um Schwächen zu entdecken, seien Übungen ja da.