Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Dradura macht Werk dicht: 130 Beschäftigte müssen gehen

Der einstige Firmenname steht sogar auf dem Ortsschild: das Dradura-Werk im Altleininger Ortsteil.
Der einstige Firmenname steht sogar auf dem Ortsschild: das Dradura-Werk im Altleininger Ortsteil.

Nachdem Gienanth in Eisenberg in Schieflage geraten ist, kippt nun auch Dradura in Altleiningen: Der Produktionsstandort wird geschlossen. Weshalb mehr als 130 Mitarbeiter gehen müssen.

Warum sieht sich die Dradura Group gezwungen, ihren Produktionsstandort in Altleiningen zu schließen?
Der internationale Hersteller von Drahtartikeln, der sich auf Spülmaschinenkörbe, Ofenroste und Wohnaccessoires spezialisiert hat, sieht sich einer massiv sinkenden Nachfrage gegenüber. „Unser Kernsegment der Komponenten für Haushaltsgroßgeräte hat in den vergangenen zwei Jahren eine stark rückläufige Entwicklung erfahren“, beschreibt Geschäftsführer Thomas Seitz die Situation. Ein Ende der Marktschwäche und eine Erholung des Geschäftsvolumens in Europa seien nicht absehbar. Abnehmer für die von Dradura produzierten Hauptartikel sind Firmen in der Spülmaschinen-Industrie, für die sich Überkapazität und dadurch enormer Kostendruck ergeben haben. Das wirke sich auf die Lieferanten aus. „Für uns folgt hieraus eine deutliche Reduzierung der in Deutschland gefertigten Mengen“, sagt Seitz.

Wie viele Mitarbeiter sind betroffen und welche Folgen hat die Werksschließung für sie konkret?
Alle 130 Beschäftigten der Produktionsstätte sind betroffen. Sie verlieren ihre Arbeitsplätze zum 31. Dezember. „Bis dahin sind ihnen das Gehalt mit sämtlichen Zulagen sowie Gratifikationen wie Weihnachtsgeld aber gesichert“, sagt Seitz. In den nächsten Wochen werde geklärt, wie die Kündigungsmodalitäten aussehen und ob Abfindungen gezahlt werden. Um eine sozialverträgliche Lösung zu finden, seien Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen worden. Seitz sagt zur Zukunft der Freigestellten: „Sie sind erfahren, gut ausgebildet und sehr engagiert. Die Mitarbeiter haben immer eine Perspektive.“

Wann haben es die Beschäftigten erfahren?
Bei einer Betriebsversammlung am Freitagmittag. „Da sind schon etliche Tränen geflossen“, berichtet ein Betroffener, der bereits seit 38 Jahren im Betrieb ist. Die Nachricht von der Schließung müssten die Leute erst einmal verdauen. „Aber im Prinzip war ein solches Ende absehbar“, sagt der Schlossermeister wenig überrascht. Im Laufe der vergangenen Jahren seien die jungen Kollegen schon peu à peu gegangen, geblieben seien die älteren. Im Mai sollen die Kündigungen verschickt werden, weiß er schon. Wie es mit ihm persönlich weitergehen wird? Der Mann zuckt mit den Achseln. Er habe sieben Monate Kündigungsfrist, dann Anspruch auf zwei Jahre Arbeitslosengeld. Danach sei die Rente auch nicht mehr in allzu weiter Ferne und er könne nur darauf hoffen, die Zeit gut zu überbrücken.

Werden weitere Entlassungen folgen?
Ja, in einem zweiten Schritt wird es zu weiteren Entlassungen kommen. In Altleiningen sind zwei Firmen ansässig: Die Produktionsgesellschaft Dradura Altleiningen GmbH mit den genannten 130 Mitarbeitern und die Dradura Group GmbH mit aktuell 29 Beschäftigten. Letztere ist die Zentrale für das Personal- und Finanzwesen sowie die Geschäftsleitung aller Standorte des Unternehmens. Das sind momentan noch fünf: zwei in Italien, je einer in Polen und den USA sowie der in Deutschland. Über die Zukunft der Angestellten, die ausschließlich für das Management des Altleininger Werks zuständig sind, soll im Mai oder Juni beraten werden.

Schon 2019 war ein Sanierungsplan aufgestellt und im Dezember 2020 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Unternehmens-Gruppe eröffnet worden. Im Juli 2021 übernahm der Bremer Investor FMC Beteiligungs KG die Firma. Haben alle Bemühungen nichts gebracht?
Doch, beteuert die Geschäftsleitung. Ohne FMC hätte Dradura schon am Jahresende 2021 dichtmachen müssen. Arbeitsprozesse wurden optimiert, es gab jede Menge Umstrukturierungen. Die Maßnahmen mit erheblichen Investitionen im Millionen-Euro-Bereich zur Verbesserung der technischen und organisatorischen Ausstattung seien in Altleiningen aber ohne positive Wirkung geblieben. Neue Geschäfte mit existierenden, ehemaligen oder neuen Kunden seien selbst mit intensiven Vertriebsaktivitäten nicht aufgebaut worden. „Trotz erheblicher Anstrengungen konnten wir die beständig schrumpfenden Kundenaufträge zu unserem großen Bedauern nicht ausgleichen“, sagt Seitz. Die Abnehmer kürzten ihre Schichten, die Einführung neuer Produktlinien wurde immer wieder verschoben. Die Hoffnungen, dass es nach den Umsatzausfällen während der Pandemie wieder bergauf geht, hätten sich nach Corona nicht erfüllt. Deutschland verliere als Industriestandort zunehmend an Attraktivität. „In Altleiningen ist eine wirtschaftliche Produktion nicht mehr möglich“, erklärt er.

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